So denkt doch wer an die Männer!

Gestern ging ein Interview durch die Twitter-Timeline: zwei Frauen haben ein Buch geschrieben, in dem es darum geht, dass „Frauen nicht falsch“ und „Männer nichts richtig“ machen können. Der Titel: Tussikratie. 

Diese Tussis, also, ich spoilere das mal kurz, diese Feministinnen, die der Abwertung halber als Tussis betitelt wurden, nutzen also die armen Männer aus und wollen nicht nur Gleichberechtigung, sondern Männer unterdrücken. Oder so. Ganz genau kann ich es nicht mehr wiedergeben, lesen fällt mir immer etwas schwer wenn meine Augen in den Hinterkopf rollen. Es geht mal wieder um den bösen, bösen, bösen, bösen, bösen Feminismus.

Damit liegen die Autorinnen derzeit voll im Trend des Antifeminismus: so wie Sarrazin und Pirinçci auch sind sie der Meinung, dass es ja mal genug sei mit der Gleichberechtigung und Feministinnen wollen andere unterdrücken und die armen Männer und warum gibt es eigentlich keine Männerbewegung. Die gibt es natürlich, in einigen Bereichen leisten sie wertvolle Arbeit, aber die wird gleich mal totgeschwiegen, wahrscheinlich, weil dieser Teil der Bewegung eben nicht Mainstream ist, sondern sich durchaus auch feministisch mit-versteht. Auf der anderen Seite gibt es noch die Maskulisten. Die könnte man sicher auch als Männerbewegung sehen, wobei Frauenunterdrückungsbewegung sicherlich treffender wäre. Das sind dann die, wo sich Naziparolen und Anti-Feministische Standpunkte mischen und durch Leute wie Sarrazin oder Pirinçci so aufgearbeitet werden, dass sie in konservativen, nein, sorry, rechten Kreisen salonfähig werden, während ihre Anhänger Feministinnen online bedrohen und ihnen Mord- und Vergewaltigungsdrohungen schicken. Aber auch diese Männerbewegung haben die Autorinnen sicher nicht gemeint.

Der weiße Mann ist immer noch der Standard, die Norm in Deutschland, deswegen wird z.B. auch der Lohn von Frauen als Prozentteil als Lohn des Mannes angegeben, wenn es um Gender Pay Gaps geht. Der Mensch gewöhnt sich natürlich gerne an einen Standard, das ist bequemer im Denken, da muss man sich emotional nicht aus der Komforthaltung heraus bewegen, und wenn Feministinnen jetzt plötzlich Machtverhältnisse aufzeigen und Männer merken, dass sie – obwohl sie so nette Kerle sind – auch Teil der Problems sind, egal ob gewollt oder nicht; und Frauen merken, dass sie – obwohl sie so starke Mädels sind – auch Teil der Unterdrückung sind, egal ob gewollt oder nicht; dann ist das unangenehm und erzeugt eine kognitive Dissonanz. Und der einfachste Weg, ungewollte Nachrichten zu vermeiden, ist eben, den Botschafterinnen eins übern Schädel zu ziehen. Am besten mit „Sach“-Büchern.

Das ist wahrscheinlich menschlich, bringt uns aber alle nicht weiter und ist in der neunten Version dann auch irgendwann langweilig. Und um uns allen etwas Zeit zu sparen, hier ein paar potenzielle Buchtitel, die Sie gerne von mir gegen ein  Entgelt erwerben können:

Der neue Zickenterror
Das Patriarchat schafft sich ab
Patriarchat von Sinnen
Wenn wir so gleichberechtigt sind, warum heißt es dann Arschloch und nicht Arschlöchin
Männer sind vom Mars, und da verdient man halt 23% mehr, also Schnauze

und, als Bonus

Pussykratie – übertreiben wir es mit den Katzenbildern?

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Dieser Artikel erschien zuerst auf meinem Blog bei stern.de