Digitales Leben – Blogparade

Der Steffen Voß schrieb mich an und bat mich, an der Blogparade zu Digitalem Leben mitzumachen. Hach hach hach. Die SPD und die digitale Agenda, das ist ja so ein Thema fürs nächtliche Zähneknirschen bei mir, aber okay. Ich mach das dann mal. Und weil ich es bin, mit Gifs.

Die 10 Fragen

1. In einer digitalen Welt zu leben, bedeutet für mich…

…Freundschaften auf der ganzen Welt aufrecht erhalten zu können. Mit wenigen Klicks viel Wissen konsumieren zu können. Aber auch das: sich im Edeka fragen ob das Gegenüber den scheiß Artikel über dich gelesen hat. Bei Konferenzen Angst haben, dass eins der Arschlöcher gleich auf dich zu kommt und dich mit Feminazi anbrüllt (obwohl das wohl sehr interessant wäre). Und fast täglich der Frust darüber, dass die deutsche Gesetzgebung und Gesellschaft in so vielen Punkten immer noch dem längst erfolgten digitalen Wandel hinterher hinkt.

2. Mein Computer ist für mich…

…Kontakt zur Außenwelt, Ressource, Gefährte, Luxusgegenstand.

3. Wirklich gut! Die größte Chance durch die Digitalisierung ist…

…unsere Jugend, die in so vielem so viel souveräner mit allem umgeht als „wir“ es uns je träumen lassen könnten. Die online so erwachsen und reif Diskussionen über Themen führen, dass es dem Otto-Normal-SPON-Kommentierer die Ohren schlackern lässt.

4. Bedrohlich! Wir müssen aufpassen, dass…

…wir unsere Privilegien nicht noch mehr aufs Netz ausdehnen und übertragen. Das Privileg der freien Meinungsäußerung, die Möglichkeit sich online sicher zu fühlen, geschützt, ob Privatsphäre oder vor digitaler Gewalt, das alles ist unterschiedlich für Menschen verschiedener Herkunft, geschlechtlicher und sexueller Identität, Religion, Klasse, körperlicher/emotionaler Möglichkeiten, … – wenn „wir“ für ein „freies Internet“ kämpfen, denken wir dann aus unserer privilegierten Position heraus oder denken wir andere Menschen mit? Reicht es uns nicht überwacht zu werden oder Mails verschlüsseln zu können oder kämpfen wir dafür, dass es keine sexuelle Gewalt in Kommentarspalten gibt?

 

5. Die Digitalisierung verändert mein Leben durch…

…all die guten Gespräche die Fremde mit mir über mich führen. ahahaha.

6. Chatten mit den Enkeln, Einkaufen per Mausklick, Arbeiten ohne feste Bürozeiten. Was bringt die Digitalisierung für Familien und Ältere?

Ich glaube, die Digitalisierung bringt schon allein deswegen Familien näher zusammen, weil man sich jetzt regelmäßig gegenseitig anruft um zu fragen, wie man den Router zurück setzen kann. Ehehehe. Nein, aber im Ernst, ich glaube da liegt ganz viel Potenzial – das aber bisher auch noch nicht ganz ausgenutzt wurde, weil eben auch viele nicht darüber nachdenken, wie es ist Artikel online zu lesen wo die Schriftgröße 9 ist und die Maus mit Rheuma schwer zu bedienen ist. Da geht noch mehr.

Zudem verändert sich auch der Begriff „Familie“ – das Digitale bringt uns alle enger zusammen und das schließt auch Freundschaften ein.

7. Programmieren in der Grundschule, das gesamte Faktenwissen der Welt in der Suchmaschine. Wie sollte Bildung der Zukunft aussehen?

Wieso „Bildung der Zukunft“? Bildung der Gegenwart! Das passiert alles schon längst. Immer dieses abstrakte Denken einer nicht näher definierten Zukunft, damit man die nötigen Veränderungen prokrastinieren kann. Man muss das Thema der digitalen Gesellschaft mit all ihren Chancen und Herausforderungen für Kinder und Jugendliche in Lehrplänen thematisieren und Lehrer_innen entsprechend schulen. In Hochschulen besteht einiges an Nachholbedarf. Jetzt. Nicht in fünf Jahren. Internationale Hochschulen bieten seit zehn Jahren Studiengänge per Skype an und Studienfachwahlen per App. Wo ist das hier?

8. An jedem Ort arbeiten können und ständig erreichbar sein. Was bedeutet das für Arbeit im Digitalen Zeitalter?

Viele Chancen, viele Risiken. Burn Out. Leichterer Berufswiedereinstieg nach der Elternzeit. Hier fehlen vor allem gute Regelungen. Dass die Privatwirtschaft hier der Gesetzgebung vorausgeht, wie z.B. mit dem automatischen Löschen von Mails die während des Urlaubs empfangen werden, sollte der Regierung peinlich sein.

9. Was müssen wir im digitalen Zeitalter tun, damit unsere Wirtschaft erfolgreich bleibt?

Ach, ich glaube, dass schafft unsere Wirtschaft schon ganz gut, wahrscheinlich besser als die Politik. Ein paar Punkte, die ich hier angerissen habe, sollten aber Ideen geben.

10. Die Digitalisierung schafft Chancen und birgt Risiken. Von der SPD erwarte ich, dass…

…ach. Von der SPD erwarte ich nichts mehr, schon länger nicht. Aber von den guten Sozen die ich kennen und schätzen gelernt habe, erwarte ich, dass sie ein bisschen weiter und komplexer denken als es im typischen netzpolitischen Kaminstübchen der deutschen Netzszene gängig ist.