Gedacht

Freiheit im Netz.

Ab sofort wähle ich die Partei, die sich für Schutzräume für Frauen einsetzt – online und offline. Alle anderen können sich ihr “freies Netz” sonst wo hinstecken. Eure Freiheit im Netz ist nicht meine Freiheit im Netz.

Ich bin nicht frei, wenn ich hinter jedem wirren Account wieder einen Psychopathen Typen vermute, der sich als Frau ausgibt um ungehemmt gegen Feministinnen hetzen zu können. Ich bin nicht frei, wenn ich mich selbst zensiere, weil ich Angst habe, dass jemand zu der Veranstaltung kommt, auf die ich gehe. Ich bin nicht frei, wenn mich anonym irgendwelche Arschlöcher Menschen belästigen können, und ich gleichzeitig genau weiß, dass die Polizei, spätestens aber die Staatsanwaltschaft das nicht verfolgen wird, weil das “ja nur ein paar Idioten im Internet sind”.

Vielleicht habe ich jetzt endlich die Definition von “Netzfeminismus” entdeckt. Hat ja nur zig Bedrohungen, Beleidigungen, Verleumdungen und Diffamierungen gegen mich und liebe Menschen gebraucht.

Und im Ernst: wer diese Problematiken ab sofort bei “die Freiheit im Netz” nicht zumindest mitdenkt, dessen Netzpolitik ist unvollständig, privilegiert, und nichts, was ich möchte.

Dies war ein Rant.

  • Jad

    Netzfreiheit ist leider auch die Freiheit, im Web dumm angemacht zu werden. Egal, zu welcher Gruppe man/frau sich selbst auch zählen mag, es gibt immer die “Anderen”. Aber deren Recht zu dummen Ansichten beschneiden zu wollen, ist keine Freiheit.

    „Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“ Evelyn Beatrice Hall

    • Mina

      Es gibt kein Recht darauf, andere zu bedrohen oder zu beleidigen. Von dumm anmachen hat hier niemand gesprochen, und ich hab auch keine Lust, wieder auf dieses Derailing einzugehen. Es geht um Straftaten. So. Nennen wir es doch mal beim Namen.

      • Jad

        Aber Straftaten sind Straftaten – wenn die nicht verfolgt werden, ist das aber kein Problem der Netzfreiheit an sich, sondern ein gesellschaftliches. Natürlich müssen Straftaten im Netz verfolgt werden, das steht außer Frage. Mir ging es nur darum, dass man nicht vorab irgendwie verhindern kann und auch nicht sollte, dass jemand etwas online von sich gibt, das anderen nicht gefällt. Geht ja im “echten” Gespräch auch nicht. Welche Folgen solche Aussagen dann haben und ob sie strafrechtlich relevant sind, sollt online und offline gleich sein. Sorry, ich wollte auch nichts “derailen”. Ich halte das Problem nur für umfassender als das Netz.

        • Mina

          Ja, das ist wahr. Das Problem ist quasi zwei geteilt:

          > einerseits die Strafverfolgung an sich und vorher aber vor allem:
          > wie wird in Online-Communities damit umgegangen, wie kann man dort schon Nutzer_innen davor schützen.

          • Mika Murstein

            Ich finde es sehr gut, dass diese Problematik ansprichst.
            1. Ich bin auf jeden Fall dafür Anzeige zu erstatten, wenn etwas den Straftatbestand der Bedrohung erfüllt. Nun hat anscheinend noch nicht jede Polizeidienststelle die Kompetenz, mit diesen Delikten umzugehen. Der Bedarf diese zu entwickeln, wird nur entstehen, wenn die Anzeigen gehäuft auftreten und die Problematik ab einen bestimmten Punkt unübersehbar wird.

            Vergewaltigung in der Ehe war auch lange kein Straftatbestand, aber auch das Recht verändert sich, wenn Menschen dafür kämpfen, Misstände sichtbar zu machen.

            2. Beleidigungen können auch einen Straftatbestand erfüllen, wenn sie ehrverletzend und verleumdend sind. Natürlich wäre es müssig, jede anzuzeigen. Jede_r Nutzer_in des Netzes, muss da wohl für sich entscheiden, wann es nicht mehr geht und die Lebensqualität einschränkt.

            3. Rückhalt der community ist wichtig! Ich bin erst einen Monat auf twitter, aber emotional ist es eine unglaubliche Antrengung, weil das, was mir draussen über die Tage verteilt begegnet, hier geballt im Minutentakt entgegen prescht, aber nicht handhabbar wird. Ich wusste nicht, ob ich mich einklinken soll, wenn jemand hart angegangen wird, oder ob das nach Bevormundung aussieht. Ob ein shitstorm gegen einen der beleidigt, als mundtot machen ausgelegt wird. Mittlerweile finde ich allerdings, dass Menschen, die beleidigen und bedrohen vor Augen geführt werden muss, das silence NICHT consence zu bedeutet hatte. Ich möchte, dass wir uns zumindest einander in solchen Momenten der Solidarität versichern und nicht allein lassen.

            4. Report-Abuse-Button: Ich bin dafür. Letzlich wird niemand falsch beschuldigt, wenn seine/ihre Worte den Straftatbestand erfüllen. Klar, dafür braucht es echte Menschen, die die Reports womöglich zeitintensiver durchgehen.

  • kathy

    Und was dazu kommt: Ich will keine Gesellschaft, in der “damit musst Du halt rechnen, wenn Du in die Öffentlichkeit gehst” eine akzeptable Antwort ist. Ich frage mich, wo die Unterstützer_innen sind, die Bündnispartner_innen, diejenigen, die sich damit auseinandersetzen, wenn wir es nicht mehr können. Ja, es gibt diese Spinner im Netz und das sind reale Menschen, reale Spinner, die ihren ganzen Tag damit verbringen, Informationen zu sammeln, zusammenzutragen, weiterzugeben. Diese Menschen sind real. Die Drohungen sind real. Die Einschränkungen im täglichen Leben sind real. Und wir sind ganz real damit uns selbst überlassen.

  • Desiato

    Du hast natürlich Recht. Ich hätte keinen Bock drauf, mir den Scheiß anzuhören, den ihr im Rahmen von om13 und aufschrei und weißnichtwas ertagen musstet.
    Ich hätte wohl resigniert.
    Ich hab’ großen Respekt davor, dass ihr das nicht tut.
    Doch bitte ich dich, denjenigen, die wider die Anonymität im Netz wettern und Verbote von Proxies und VPNs fordern, kein Futter aus der falschen Richtung zu geben.
    Ich bin kein Feminist, und werd’ in absehbarer Zeit wohl auch keiner.
    Das heißt aber noch lange nicht, dass ich nicht jeden, egal ob online oder IRL, ein dummes Arschloch nenne, der die grundsätzlichen Regeln des menschlichen Miteinanders nicht kapiert.
    Das gesagt, ich les’ deine Texte sehr gerne, und würde vielleicht sogar SPD wählen, gäb’s da mehr Leute wie dich.

    • Mina

      Ich bin nicht per se gegen Anonymität im Netz, sie ist ein hohes Gut. Wir sollten uns nur langsam mal Gedanken darüber machen, wie wir sich schützen und gleichzeitig so bewahren können, dass sie nicht missbraucht wird. Jeder Missbrauch von Anonymität bietet letztlich Futter für den Staat, selbige ganz wegzunehmen. So oder so wäre es also in unser aller Interesse, da eine Lösung zu finden.

  • AndereMeinung

    Es gibt die ‘Freiheit von irgendwas’ und die ‘Freiheit zu irgendwas’. Beides ist legitim. Denn Freiheitsbegriff den Sie verwenden wird wohl der erstere sein.
    Nun müssen sich beide ‘formen’ von Freiheit eben in Balance befinden.

    Da sehe ich hier das Problem (ein philosophisches) Vielleicht können Sie ja mal näher erläutern wie sie das sehen oder sich vorstellen?

    • Mina

      Mit der “Freiheit zu irgendwas” meinen Sie wohl “die Freiheit zu bedrohen oder beleidigen”? Denn die gibt es in Deutschland auch nicht. Egal ob online oder offline.

      • AndereMeinung

        Die Frage ist natürlich was Drohungen sind. Alles was jemanden irgendwie unbehaglich ist, könnte schon als Drohung aufgefasst werden. Hingegen muss es nicht so sein das wenn mich (Männlich, heterosexuell, weiß) jemand persönlich real oder virtuell beleidigt ich das auch als bedrohlich empfinde.
        Bei ihnen hingegen als Frau, kann das ganz anders aussehen.

        Wir haben es da eventuell mit verschiedenen Maßstäben der Beurteilung. Ich wüßte aber nicht warum ich ihren übernehmen sollte, weil die Geschichte gezeigt hat, vor allem in Amerika, das wenn Leute nicht die Möglichkeit haben offen ihre Meinung zu sagen weil diese eine ‘Bedrohung’ wäre, sie oft genung dazu gezwungen werden anonym zu bleiben.

        Auch der Ausdruck ‘Hater’ gefällt mir nicht. Der Hass kommt ja meist von Leuten, die selbst gehasst werden, für das was sie sagen, denken und sind

        • Mina

          Der letzte Satz ist Unsinn. Selbst wenn die Person gehasst wird, gibt es ihr/ihm doch nicht das Recht, andere zu bedrohen? Das ist Unsinn.

    • pxxsxx

      Das ist so nicht ganz richtig. Die “Freiheit zu irgendwas” ist gleich die “Freiheit von irgendwas”, etwas bestimmtes zu tun – es ist also beides die gleiche “Form” von Freiheit. Diese Freiheit muss nicht in Balance gebracht werden – die Grenzen sind ganz klar definiert:

      GG Art 2
      (1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

      Also die “Freiheit von” hat da die Grenze, wo sie die “Freiheit von” jemand anderen verletzt. Bei einer Beleidigung oder Bedrohung ist dies ganz klar der Fall.

  • Carsten (@exilsgdfan)

    Wie stellst du dir diese Schutzräume denn genau vor? Was sollen sie genau schützen? Ich verstehe das Anliegen bin mir aber nicht sicher, ob ich das Ziel richtig verstanden habe. Würde die Idee wirklich gerne mal weiterentwickeln.

    • Mina

      Das ist ein komplexes Thema, das stimmt natürlich. Denn vieles kann dann auch wieder missbraucht werden – Report oder Abuse-Buttons zum Beispiel. Auf der technischen Ebene hab ich nicht so viel Ahnung von den Dingen. Mir würde es als erstes schon mal einen wichtigen Schritt weiter vorkommen, wenn Beleidigungen, Bedrohungen usw, die im Internet stattfinden, von Polizei und Staatsanwaltschaft ernst genommen werden würden. Das sind ja Ziele, die man auch politisch regeln kann.

  • http://allesevolution.wordpress.com Christian – Alles Evolution

    Welche Partei setzt sich denn für solche Schutzräume ein und wie weit soll das gehen?

    Frei von Reaktionen anderer ist man nie. Wie soll man verhindern, dass jemand im Internet unter falschen Namen trollt? Technisch aus meiner Sicht nicht möglich.

    Hast du da konkrete Maßnahmen vor Auge?

    • Mina

      Es geht nicht um Trolle. Siehe unten. Das ist Derailing, bitte künftig darauf verzichten.

      Es geht um Straftaten: Beleidigung, Nötigung, Verleumdung. Usw. Zur technischen Machbarkeit: keine Ahnung. Zur politischen: die ist schon gegeben, denke ich. Siehe auch andere Antworten hier.

  • http://www.quantenmeinung.de Joachim

    Danke für den Rant. Das ist ein wichtiger Punkt.
    Ich würde gern sagen: Ihr seid nicht allein, wir (ich zumindest) wollen euch unterstützen. Aber es bleibt eine gewisse Hilflosigkeit. Wie kann ich mich mit meinen Privilegien vor euch stellen oder hinter euch, wenn die Hater auf Kanälen arbeiten, die niemand kontrollieren kann? Was kann ich persönlich tun, um das Netz ein bisschen freier für alle zu machen?
    Ich bleib auf jedenfalls in Rufweite, wenn ich etwas tun kann, werde ich es versuchen.

    • Mina

      Leider weiß ich kein Allheilmittel :( Aber ich habe ein paar Ansätze oder Ideen, die auch verschiedene andere tolle Frauen (und Männer) wahrscheinlich schon an anderen Stellen äußerten.

      > für Transparenz sorgen. Aufzeigen, was da eigentlich abgeht. Nicht weggucken. Verstehen, dass da mehr passiert, als ein paar “Trolle”, die versuchen andere zu nerven.
      > Unterstützung immer wieder verbalisieren. Das hilft vielen Betroffenen. Fragen, ob man was tun kann.
      > sich auf der politischen Ebene dafür einsetzen, dass die Problematik, die so ja auch im Rassismus-Bereich zu finden ist, thematisiert wird.
      > mit schlauen Köpfen überlegen, wie man Anonymität und Schutzräume so sichert, dass sie nicht – zumindest nicht in großem Maße – missbraucht werden (können) – sei es durch ein Community-System, Reportfunktionen, o.ä.
      > und da dann Dienste in die Pflicht nehmen, stabile Mechanismen zu etablieren. Sprich: das Reportformular bei Twitter muss auch tatsächlich gelesen / bearbeitet werden, usw.

      Nur ein paar Ansätze, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

    • The Laughing Man

      Die von dir genannten Punkte können genauso von Trollen ausgehen. Der Übergang zu einer “wirklichen” Straftat sind ist ziemlich fließend. Falls du wieder mit Derailing argumentieren möchtest hier ein Beispiel aus den USA wo jetzt schon einem Online Kommentar zuviel Bedeutung geschenkt wurde: http://www.policymic.com/articles/52937/this-19-year-old-could-spend-8-years-in-prison-for-an-online-joke

      Halte eine Lösung des Problems wie du es darstellst für nicht möglich. Dazu wäre nämlich nötigt jeden Kommentar und jede Mail mit relativ geringen Aufwand zur realen Person zurückverfolgen zukönnen. Eine Begrenzung auf nur bestimme Fälle ist nicht machbar, zumindest nicht auf eine Weise die mit geringen Aufwand so abgeändert werden kann, dass es genauso die Verfolgung von bestimmten Meinungen ermöglicht.

      Was ein freies Netz angeht gibt es da leider nur entweder oder alles was zu sehr dazwischen liegt kann schnell ganz zu dessen Ende führen.

  • pxxsxx

    Naja, als erstes möchte ich bemerken, dass “Schutzräume für Frauen” eher eine antifeministische Forderung ist. Wenn, dann generelle Schutzräume. (aber ich schieb das jetzt mal auf den Rant)

    Das große Problem ist die strafrechtliche Verfolgung, deren Aufwand oft in keinem vertretbaren Verhältnis steht. Auch ein Problem ist, dass das Internet keine Grenzen kennt – was mach ich, wenn mich jemand über einen Account/Zugang/Proxy in Togo beleidigt/bedroht?

    Das ist auch der Grund, warum ich auf Witze über Neuland relativ allergisch reagiere. Die BK hatte durchaus Recht, da sie sich auf rechtspolitische Belange bezog – in der Beziehung ist das Internet unterreguliert und tatsächlich Neuland. Weniger Witze und mehr Gedanken zu dem Thema würde uns in mancher Beziehung evtl. weiterhelfen.
    So scheitert halt einfach die Theorie an der praktischen Umsetzung.

    • Mina

      Ich frag jetzt nicht, warum das eine anti-feministische Forderung sein soll. Kannst du ja vllt per Mail erklären.
      Nur weil das Problem groß ist, heißt es nicht, dass wir gar nicht erst nach einer Lösung suchen sollten. Ich will das nicht mehr akzeptieren.

      • pxxsxx

        Mail ist unterwegs ;-)

        Aber das hier möchte ich in die Diskussion noch einbringen:

        Die Forderung halte ich grundsätzlich für passend, allerdings ist die Umsetzung verdammt schwierig. Funktionen und Vorgehensweisen aus dem analogen Leben lassen sich halt nicht so einfach aufs internet übertragen. Vieles wird im RL schon alleine durch Ausweispflicht und physikalische Anwesenheit bei Straftaten erleichtert. Der allgemeine Tenor in der Politik (es ist nahezu egal, aus welcher Richtung) klingt mir aber zu sehr nach einer versuchten 1:1 Umsetzung ins Internet. Daher stimme ich der Kanzlerin eben vollkommen zu, wenn sie sagt, dass das Internet rechtspolitisches Neuland darstellt. Wenigstens hat sie die Eier in der Hose, das mal klar beim Namen zu nennen. Wir sollten uns nicht über diese Aussage lustig machen, indem wir sie in einen falschen Kontext ziehen, sondern sie lieber im richtigen Kontext belassen und uns mal Gedanken darüber machen, wie wir diesen Umstand ändern können.

    • http://www.scilogs.de/wblogs/blog/quantenwelt Joachim

      Strafverfolgung hat nicht nur die direkte Wirkung, alle Verbrecher zu treffen, sondern auch die Signalwirkung: “Wir nehmen Bedrohungen und Beleidigungen im Netz ernst.” Auch wenn nicht alle Hater geschnappt werden können, wird eine konsequente Verfolgung derer, die zu kriegen sind, Wirkungen haben.
      Zum Beispiel, dass sich Hater nicht mehr offen mit ihren Taten brüsten können.
      Zum Beispiel, dass Menschen, die sich mit dem Problem nicht beschäftigt haben, sehen, dass es kein Kavaliersdelikt ist.
      Zum Beispiel, dass Opfer den Mut bekommen, Taten anzuzeigen.
      Zum Beispiel, dass sich Opfer unterstützt und ernstgenommen fühlen.

      Justiz ist nicht nur für gegen Täter da, sie sollte auch für Opfer da sein.

  • Lachanfall

    Oh der Kommentarbereich ist wieder auf. Gut gut, dann kann ich meinen Kommentar von gestern ja einfach nochmal schreiben:

    Herzlichen Glückwunsch! Du hast deinen Frauenschutzraum gefunden! Deine Homepage kann ein solcher Frauenschutzraum sein, wenn du das denn so willst. Und deine Freunde, solltest du sie überzeugen können, können ihre Webseiten auch zu Frauenschutzräumen machen. Ist das nicht toll? Dieses Internet ist einfach großartig. Hier kannst du in deinem eigenen Bereich andere Meinungen ausschliessen so viel zu willst. Vielleicht schafft ihr es ja ein allgemeinen Frauenschutzraum-Zertifikat für garantiert 100% Frauenschutz zu bekommen. Ich bin zuversichtlich, dass ihr es schafft der Telekom einen Frauenschutzraumflatratetarif abzuschwatzen. 500MB im Monat dürfte dafür locker ausreichen. Dafür müsstet ihr aber auf ein eventuelles Streaming von SIXX dem Frauensender verzichten. Das wäre wohl nicht drin. Ein Frauentwitter und ein Femalebook wären sicherlich mit etwas Mühe machbar. Fragt doch mal die netten Nerds vom CCC. Die könnten dann auch gleich einen Chaos Computer Congress für Frauen organisieren. Statt Eintrittskarten gibt es direkt Creepercards. Wäre das nicht was?

    Jetzt mal den ganzen Sarkasmus bei Seite geschoben: Merkt ihr eigentlich noch, wie ihr euch selbst ausgrenzt? Ihr fordert von Menschen, dass sie auf euch zugehen sollen, aber selbst bewegt ihr euch nicht vom Fleck. Ihr sagt Männer behandeln Frauen schlecht, aber steckt damit alle Männer in die gleiche Ecke. Mit eurem “Frauen sind die Opfer, die beschützt werden müssen” steckt ihr alle Frauen in eine andere Ecke. Ist euch nicht langweilig, wenn alle nur in den Ecken stehen? Mir schon.

    • Mina

  • http://saschalobo.com Sascha Lobo

    Vor längerer Zeit hatte ich mit Kathrin Passig eine Art schwelende Meinungsverschiedenheit. Sie war der Überzeugung, jedes soziale Problem ließe sich technisch lösen. Ich hielt das für nicht richtig.

    Wir sind inzwischen (steht auch in unserem letzten gemeinsamen Buch, Internet – Segen oder Fluch) aufeinander zu gegangen, die Absolutheit (“jedes”) ist aber definitiv nicht mehr vorhanden.

    Dahinter steht eine wichtige, aber zu wenig geführte Diskussion über das Internet und die sozialen Medien, und die geht ungefähr so: Welche tatsächlich vorhandenen Probleme lassen sich überhaupt technisch lösen? Und für welche gibt es, wenn überhaupt, nur eine soziale Lösung, also eine wie Bildung, Kommunikation oder eine erweiterte Gesetzgebung?

    Natürlich ist die Trennung bis zu einem gewissen Grad künstlich. Aber der Begriff “Schutzraum” im Netz hört sich für mich zu sehr nach einer technischen Lösung für ein in erster Linie soziales Problem an. Aus meiner Perspektive hat das sogar mit Freiheit nur indirekt zu tun, was ich an einem Beispiel versuche zu erklären. Oft wird anonyme Kommunikation als Ursache für solches katastrophales, soziales Fehlverhalten gedeutet. Die wäre technisch einigermaßen einzuschränken. Mich erschüttert es aber sehr, was Leute bereit sind, unter ihrem vollem Klarnamen überhaupt zu äußern (das ist übrigens ein paraphrasierter Tweet von Frank Schirrmacher).

    In dem Moment also, wo eine zu große und zu laute Anzahl von Leuten mit Klarnamen bereit wäre, sich so fehlzuverhalten, würden eine ganze Reihe technischer Maßnahmen nur noch ihre (meist unerwünschten) Nebenwirkungen behalten und wären ansonsten weitgehend wirkungslos.

    Für mich deutet das darauf hin, dass die Lösung dieses Problems eine politische sein muss, die sozial funktioniert und technisch unterstützt wird. Das mag sich etwas nach Gelaber anhören, an anderer Stelle werde ich das aber gern mal ausformulieren.

    (Und zwar dann, wenn ich meinen lange geplanten Artikel schreibe, der den klassischen Internetkommentar als Neanderthaler der Netzgeschichte auf den Müll verweist. Die normale, gewöhnliche Kulturtechnik des Internetkommentars hat sich als untauglich erwiesen über einzelne Zufallstreffer hinaus.)

    • Mina

      D’accord. Ich gucke natürlich als Nicht-Technisch-Versierte drauf, und wenn ich “Schutzraum” schreibe, meine ich vor allem einen moralischen/politischen/ethischen/… – also das Gefühl, sich frei äußern zu können, ohne Angst oder den Zwang, schutzlos/ungefiltert alle Beleidigungen usw. einprasseln lassen zu müssen.

      Für mich wäre die Lösung auch eher politisch, daher ja die Forderung, das ab sofort immer mitzudenken – aber auch, weil ich keine große Fantasie bei technischen Dingen (und deren Machbarkeit) habe.

    • pxxsxx

      Anonymität ist defintiv nicht der Auslöser derartigen Verhaltens – da stimme ich vollkommen zu. Aber Anonymität und effektive Strafverfolgung schließen sich gegenseitig aus. Also bringt uns eine politische Lösung/erweiterte Gesetzgebung relativ wenig. Das würde ein paar Tage lang ziemliche Erfolge einfahren, dann hätte auch der dümmste Troll geschnallt, dass er sich doch lieber nicht selbst beim Namen nennt, damit ih keiner was kann.

      Das Sozialempfinden des Menschen lässt es anscheinend zu, in einer Situation, räumliche Trennung als eine Situation wahrzunehmen, in der er für niemanden fassbar ist. Ähnlich zu kleinen kindern, die sich verstecken, indem sie sich die Augen zu halten.
      Diese Wahrnehmung führt dazu, dass vieles ausgesprochen/niedergeschrieben wird, was lieber gedacht geblieben wäre… Allerdings ist diese Art der Kommunkiation auch wichtig für jegliche ergebnisorientierte Diskussion – wir haben das ähnlich bei und in der Firma. Wenn sich das kleinste Licht in der Produktion noch traut, seinen Chef ein “Arschloch” ins Gesicht zu werfen, wird offen gesprochen und eine Lösung gefunden. Daher ist auch eine “soziale Umerziehung” nicht unbedingt die optimale Lösung…

      Ich würds mal so sagen:
      Wir gestalten gemeinsam unser Internet selbst und wir habens verkackt.

  • http://vieleineinemblog.wordpress.com C.Rosenblatt

    Ich denke, es gibt Freiräume und “frei-von-Gewalt-Räume”.

    Das Internet stellt durch die niedrige Schwelle zur Nutzung für mein Gefühl bereits einen Freiraum dar, was sich aber lediglich auf die Art der Nutzung bzw. bei manchen Dingen auf den Informationskonsum bezieht.
    Als Beispiel ist es für mich ein Akt der Freiheit jederzeit YouTube aufrufen zu können und zu wählen, was ich dort schaue. Ob Katzenvideo oder Dokumentation. Das st so diese Freiheit der Wahl (die ja auch beschnitten ist durch diverses Sponsoring, oder nur im Tausch gegen meine Daten dann persönlich auf mich als InformationskonsumentIn).

    Das Internet ist aber eben auch eine Kommunikationsplattform und stellt damit lediglich eine Erweitung von Zettelchen im Schulunterricht, Telefon und Freundschaftsbüchern dar. Ich denke diese Kommunikation könnte im Prinzip gut nach Regeln der “frei (von Gewalt-)Räume” passieren.
    Doch dazu ist erforderlich, dass alle ein Interesse an und die Fähigkeit zu einem guten Miteinander und ein Bewusstsein über ihre Alltagsgewaltakte haben.
    Dieses kann erlernt werden denke ich. Vielleicht in frei (von Gewalt) Räumen außerhalb des Internets, sodass Respekt und Frieden als soziale Norm empfunden wird und auch über das Internet transportiert wird.

    Ich glaube, ich persönlich fände Report/Abuse- Buttons schwierig. Nicht weil ich glaube, das Internet würde dann unfrei oder stürbe an Input, weil sich niemand mehr traut etwas hineinzuschreiben, sondern, weil wir an der Stelle über Deutungshoheit, Definitionsmacht, Macht allgemein sprechen.
    Wer soll die gemeldeten Inhalte auf was überprüfen? Was passiert, wenn es sich um krasse Nazihetze handelt und was, wenn es sich um einen privaten Zwist handelt, der öffentlich ausgetragen wird? Wer bildet die PrüferInnen aus und in Bezug worauf?
    Wie wird es finanziert? Wie kann man sich als AutorIn rechtlich absichern- ist das dann nötig? Wird es nötig als BloggerIn eine Rechtschutzversicherung und einen Anwalt bezahlen zu können oder ist das nicht schon heute nötig?

    Ich glaube manchmal, dass die Debatte um Freiheit im Netz eigentlich unnötig ist. Wenn wir alle frei wären, würden nicht darüber reden. Wenn wir Gewalt aus dem Internet haben wollen, ist die Frage ob es eine Administrations- und damit ja auch Definitionsgewalt braucht, diese aufzulösen oder fernzuhalten.
    Ich weiß nicht, ob Gewalt eine gute Antwort auf Gewalt ist.

    Schutzmöglichkeiten und neutrale (evtl selbstgschaffene) Stellen, an denen Konflikte geklärt werden können (huu- vielleicht sogar analog) hielte ich persönlich für einen guten ersten Schritt.

    Viele Grüße

  • http://teilzeitpazifist.wordpress.com/ Steffen

    Die Nebenstraße in Mumbai bringt ein ähnliches Verhaltensbild wie das schutzraumfreie Netz mit sich: Beide sind Spiegelbild einer in Form gepressten Gesellschaft, verbunden mit dem Gefühl vermeintlicher Anonymität.
    Die Kunst, die Energie der Menschen auf positive, konstruktive Art zu nutzen, versagt zunehmend – je enger die Korsetts, geschnürt von wirtschaftlichen Interessengruppen, Religionen und zunehmend repressiver Gesellschaftsmodelle, für die darin gefangenen Menschen werden.

  • Thomas (@blitzplotz)

    Joachim schließe ich mich in allem, was er schreibt, voll an. Nur, wie lässt sich im Netz die Rufweite organisieren? @faserpiratin hätte da auf twitter nach ihrem wichtigen Vortrag sicher erheblich mehr Solidarität erfahren können. Da ich erst seit kurzem auf Twitter aktiv bin, wurde ich auf #om13gate und #maskugate erst auf die Brutalität, mit der verschiedene Hater im Netz unterwegs sind, aufmerksam und behalte dies jetzt natürlich auch im Blick. Aber Du und andere Frauen sind, wenn ein Hater auf Dich/sie anspringt, im konkreten Einzelfall zunächst allein damit konfrontiert, und da für Dich die Anonymität nicht gilt, wird es sofort unmittelbar bedrohlich.

    kathy weisst darauf hin, dass die Hater im Netz reale Menschen sind und die von ihnen auserkorenen Opfer ganz real sich selbst überlassen sind. Darum müssen wir uns auch stärker vor allem außerhalb des Netzes als reale Menschen solidarisieren, Frauen, Männer und die zahlreichen weiteren Geschlechter. Da die Hater als reale Menschen mitten unter uns sind, ist es notwendig das Haten stärker und immer öfter von immer mehr real an den Pranger zu stellen und auch außerhalb des Netzes skandalisieren. Der Ansatz von @faserpiratin auf der om13 war da ein sehr, sehr wichtiger Einstieg, für den sie und andere im Netz viel Prügel bekommen haben, #abbloggen war ja ein weiterer Schritt.
    Deine Forderung, dass Freiheit im Netz auch Deine sein muss, sollte unbedingt auch eine zentrale Forderung auf der FSA13 sein. Sie ist ja die Forderung nach der Freiheit im Netz für uns alle, die wir uns diesen Freiraum nicht von Hatern zerstören lassen wollen. Ist das geplant? Gibt es auf der Demo einen entsprechenden parteiübergreifenden Block um Dich mit Deiner Forderung zu unterstützen?
    Will sagen: Solidarität bedarf auch, dass wir uns als reale Menschen mit genau diesem Anliegen zusammentun. Ich bin dabei …

  • http://@t_k_huber Thomas Huber

    Herzlichen Dank für diesen Wutanfall. Vor allem eine Sache möchte ich unterstreichen: Dass es ein Merkmal von Privilegiertheit ist, zu fordern, 1 möge doch “drüberstehen”. So können nur Leute reden, die eben nicht tagein, tagaus dem großen und dem kleinen Sexismus, den Frustrierten und den Hatern ausgesetzt sind.

    Ich finde es ganz groß und bewundernswert, dass du es tust, und wünsche dir sehr, dass du weiter die Kraft dazu hast.

    Ich möchte mich Joachim von 10:25 anschließen, der meine eigene Hilflosigkeit angesichts der Zustände gut in Worte gefasst hat (und danke auch für die Antwort, die in Kürze zusammenfasst, was deine Erwartungen sind). Ich will das nicht mehr, wirklich nicht. Es ist nicht an mir, mich zu beklagen, denn privilegierter als ich kann 1 kaum sein (WHM). Ich will aber die Möglichkeit haben, meine Privilegien so einzusetzen, dass weniger Privilegierten dadurch geholfen wird. Und ganz ehrlich, meistens fühle ich mich klein und dumm und muss viel zu lange überlegen, was zu tun ist. Ich hoffe, dass sich das noch bessert.

  • http://thegeek.de Marc

    Dein Blog speichert die IP Adressen der Kommentatoren. Wenn etwas justiziabel wird, kannst du es zur Anzeige bringen.

    • Mina

      Mein Blog ist das geringste Problem :)

  • http://schmalenstroer.net MS

    >Ab sofort wähle ich die Partei, die sich für Schutzräume für Frauen einsetzt – online und offline.

    Um es mal ganz brutal zu sagen: Jede Partei, die so etwas verspricht, lügt. Es ist trotz NSA-Affäre extrem einfach, seine Spuren im Netz zu verbergen. Man mietet für 5€ pro Monat eine VPN-Verbindung ins Ausland und clevererweise benutzt man eine in einen Staat, der der nicht mit den deutschen Behörden kooperiert (Russland etwa oder wegen des anderer Meinungsfreiheitsverständnisses die USA). Dann kann der entsprechende Mensch fleißig trollen, bedrohen und so weiter ohne dass deutsche Ermittlungsbehörden etwas tun könnten. Alternativ kann man sich auch eine anonyme SIM-Karte für das Handy und ein 20€ Wegwerfgerät kaufen. Wenn man das nicht von zuhause nutzt, gibt es wenig, was Behörden tun können.

    Ohne eine radikale Umwälzung der kompletten Gesellschaft in Richtung Komplettüberwachung geht das schlicht und einfach nicht. Denk einfach mal darüber nach, was gemacht werden müsste, um zu verhindern, dass dir jemand beleidigende Post schickt. Im Prinzip müsste dann

    a) jeder Briefabsender sich per Perso etc. registrieren lassen und einer Sendung zugeordnet werden oder
    b) jeder Brief zuvor vom Briefträger geöffnet und auf Beleidigungen geprüft werden

    Punkt a) kannst du dann sogar umgehen, indem du deine Post aus dem Ausland verschickst. Außer du stellst gleichzeitig die Möglichkeit ein, Post aus dem Ausland zu empfangen.

  • Thomas (@blitzplotz)

    Ich will an der sehr hilfreichen Unterscheidung von Sascha
    Lobo von technischen und sozialen/politischen Fragen anknüpfen. Der
    politischen Aussage von Mina, dass für sie (und doch wohl für fast
    alle) Freiheit im Netz nur gegeben ist, wenn sie dort ohne Angst
    vor realer Bedrohung unterwegs sein kann, lässt sich natürlich mit
    dem Totschlagsargument begegnen, dass dies in letzter Konsequenz
    auf Totalüberwachung hinausliefe. Damit aber ist überhaupft nichts
    gewonnen. Die liebe Netzgemeinde macht es sich damit dann doch zu
    einfach! Mina hat betont, dass es ihr um die politische Forderung
    nach Schutzraum geht, in der mensch auch ohne ständige Bedrohungen
    kommunizieren kann und hat auch die Frage nach technischen
    Möglichkeiten gestellt. Sie hat betont, sich da nicht ausreichend
    auszukennen. Dies geht mir und wohl den meisten im Netz auch so.
    Aber liebe Netzgemeinde und vor allem ihr technisch Versierten: Ihr
    werdet euch schon Gedanken machen müssen, wie Freiheit im Netz
    möglich wird, statt Angst vor Psychopathen haben zu müssen. Eine
    sich aus der MENSCHENWÜRDE direkt ergebende Forderung lässt sich
    nicht dadurch wegdiskutieren, dass mensch evtl. mögliche kleine
    technische Lösungen mit dem Überwachungsstaat erschlägt. Und
    verdammt nochmal: Selbst diejenigen Nerds, die glauben, dass
    technische oder rechtliche Lösungen die formale Freiheit im Netz zu
    sehr einschränken würden, kann dann doch vielleicht dennoch die
    moralische Pflicht in sich spüren, sich politisch für Bedingungen
    einzusetzen, damit reale Freiheit ohne Angst im Netz möglich wird!
    Oder. liebe Netzgemeinde, seh ich das falsch? Eine Gesellschaft, in
    der nur einige wenige, sich glücklich Schätzende ohne Angst
    unterwegs sein können, kann nicht für sich in Anspruch nehmen, eine
    freie Gesellschaft zu sein. Das gilt selbstverständlich auch für
    das Netz! Also: für wirkliche Freiheit statt Angst! Gell?

  • T3o

    Das bemängelte Verhalten ist indiskutabel. Unabhängig davon
    hat Strafe und Strafverfolgung keine (erwähnenswerte) abschreckende
    Wirkung. Das zeigt sich an an der sexistischen Realität, da ja die
    genannten Dinge im Alltag immer noch geschehen. (Der Vergleich ist
    verharmlosend, deshalb in Klammern, aber weils auch eines der
    “Internet Themen(TM)” ist: bei Uhrheberechtsdurchsetzung haben
    drakonische Strafe auch nichts gebracht.) Insofern muss die Lösung
    eher im Alltag als im Internet gesucht werden. Und meine
    sexistischen Kollegen stören mich persönlich noch mehr als Idioten
    auf Twitter. (Straftaten sollten verfolgt werden. Nur den
    Regulierungsbedarf seh ich wenn vei den Unternehmen.)

  • @b415t3r0

    In den 90er war der Begriff “Netiquette” allgemein im Netz bekannt und gebräuchlich, den “Benimmregel” des respektvollen Umgangs bei der Online-Kommunikation (damals v.a. in Foren). Ist der Begriff ausgestorben, nicht mehr im allgemeinen Bewußtsein der Netzuser vorhanden? In den letzten Jahren ist mir dieser Begriff jedenfalls nirgendwo mehr begegnet, stattdessen hat das Wort “Shitstorm” nun umso populärer (i.S. von bekannt, gängig gebräuchlich).
    Ich fürchte, es kann keine (technischen) Schutzräume im Netz geben, ohne die Netzfreiheit technisch zu beschädigen. Aber jedem Netzuser muss auch wieder bewußt werden, dass es keine wirkliche (soziale) Netzfreiheit ohne Netiquette geben kann. Ein Internet, in das sich keiner mehr rein traut ist sozial kaputt.
    Es würde sicherlich nicht ausreichen, “Netiquette” wieder zu seinem populäreren Begriff zu machen, um das Problem von Hate-Speech etc. zu lösen. Aber solanger er weiter in der allgemeinen Vergessenheit schlummert, wird sich wenig ändern, fürchte ich, weil das, was uns fehlt, muss einen bekannten Namen haben damit wir es benennen und einfordern können.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Netiquette

    • http://hinterwaldwelt.blogspot.de/ hardy

      schön, daß du an die netiquette erinnerst.

      yep, so war das. aber … und das ist wohl das problem, mit dem wir lernen müssen umzugehen, das waren damals einige wenige, die wussten, wie man einen cfos treiber zwischen dos und windows installieren musste, um seinem isdn vorzugauckeln, es wäre ein analoges modem ;-)

      heute sind das viele.

      schlimmer ist wahrscheinlich, daß zu diesen vielen viele gehören, die einfach unerzogene (alldieweil vorm privatTV entsorgte) kiddies sind, die sich in diesem assholism kult suhlen. es ist halt einfacher, den drecksack raushängen zu lassen, als sich eine blöße oder eine schwäche zu geben.

      dass das alles so um diese “feminismus”-sache fokussiert, will sich mir irgendwie nicht erschliessen, sind das alles jungs, die von der alleinerziehenden mama mit müsli und reikikursen traumatisiert sich nun öffentlich auf die couch legen?

      jedenfalls halte ich hier abgrenzungen für komplett überflüssig, ist mir egal, ob mein gegenüber nun feminist ist oder nicht, eigentlich auch, ob männlein oder weiblein, je mehr hier irgendwelche differenzen ausgearbeitet werden müssen, um so größer wohl auch die neigung, sich da wüst an was zu schubbern. und die lieben feministen bitte ich darum, sich nochmal das stritgespräch zwischen alice schwarzer und esther vilar anzugucken und darüber nachzudenken, warum da die falsche “gewonnen” hat. also die rechthaberin und nicht die, die was verstehen wollte.

      der einzige vorschlag, den ich zu machen hätte: bitte seid lieb zu euren kindern, erzieht sie gut, bringt ihnen respekt bei vor anderen … dann sollte sich das problem in zwei generationen lösen.

      mit den kiddies, die gerade herumvandalieren, müssen wir irgendwie leben oder ihnen beibringen, daß sie sich ihre eigenen spielplätze suchen müssen. eine inhaltliche auseinandersetzungen mit traumatisierten heulsusen ist jedenfalls nicht möglich, und man muss nicht auf jede leimrute tappen, nur weil sie als friheit des wortes gelabelt ist.

      • Mina

        Orrrrrr. Sorry, aber. Orrrr.
        Es kommt kein Kommentar aus ohne das obligatorische “die Feministen(sic) sind selber Schuld weil – Alice Schwarzer! Rechthaberin! Ihr wollt nix verstehen!” oder wie? – eigentlich schalte ich solche Kommentare überhaupt nicht mehr frei, weil ich es müde bin, dauernd mitverantwortlich gemacht zu werden für irgendwelche Meinungen 70jähriger Frauen oder irgendwelche Strömungen oder böse böse Rechthaberinnen, die von mir aus nicht diskutieren können, whatever, aber das hat nichts mit meiner Meinung oder meinem Feminismus zu tun und es ist lächerlich, auf Grund von Einzelpersonen eine ganze Position zu verdammen. So als wäre jedes “Fotze” “ihr müsst mal durchgevögelt werden” oder Erstellen von falschen Identitäten in Alice Schwarzer begründet. Das ist doch… orrrrr. Wie gesagt.
        Veröffentlicht um das Klarzustellen. Carry on.

        • http://hinterwaldwelt.blogspot.de/ hardy

          schön, dass du dann doch noch eine kiste gefunden hast, in die ich passen könnte.

          vielleicht ist es ja dieses speedlabeling, dieses “ich weiss schon, was du für einer bist”, das ein großteil der probleme erst erzeugt. haben wir keine, die uns nicht leiden können, dann machen wir uns eben welche ..

          viel spaß damit

          • Mina

            Nein, ich habe dich nicht in eine Kiste gesteckt, sondern mich gegen dieses Argumentationsmuster gewehrt, was so immer und immer wieder auftaucht – nicht nur von dir.

          • Thomas Huber

            “Die xyz sind doch selber schuld!!1″ ist Derailing-Mottenkiste. Es gibt Argumente, die kannste ohne 2x nachzudenken einer bestimmten Haltung zuordnen.

            Meine persönlichen Erlebnisse mögen keine empirische Basis sein, aber so wie ich das sehe, suhlen sich nur sehr wenige “Kiddies” darin, Arschlöcher zu sein. Meines Erachtens sind das (formal) Erwachsene. Und ich würde einige Sachen wetten, die mir wichtig sind, dass es zumeist Männer sind. Männer, die vielleicht sogar noch die Vorzeit des modernen Feminismus miterlebt haben, und dieser “guten alten Zeit” hinterhertrauern. Und jetzt ihren Weizen blühen sehen. Oder eben jüngere Männer, die von diesen älteren Männern in dem Geist erzogen wurden, dass sie vielleicht erstmal den Kopf einziehen müsste, ihre Zeit aber schon noch kommen würde.

            “ist mir egal, ob mein gegenüber nun feminist ist oder nicht, eigentlich auch, ob männlein oder weiblein, je mehr hier irgendwelche differenzen ausgearbeitet werden müssen, um so größer wohl auch die neigung, sich da wüst an was zu schubbern” – diese Haltung lässt es an Respekt fehlen, und sie fällt wieder in das oben beschriebene Derailing-Muster. Es sollte nicht gleichgültig sein, als was jemand sich selbst definiert. Wenn Person X eine Neigung verspürt, sich wüst an den Unterschieden zu schubbern, dann ist das das Problem von Person X, und von niemandem sonst.

            Es gibt übrigens keinen Grund anzunehmen, dass das Netz zu Zeiten des cfos-Treibers oder davor eine Kuschelgruppe war. Im Gegenteil, ich habe zu der Zeit eine ganze Menge über elitär-gefühlskalten Nerdismus und seine enge Verwandtschaft zu anderen unappetitlichen Haltungen gelernt. Das waren dann auch gerne mal Leute, die, wenn man angefressen reagierte, mit unterkühlter Geste auf die Netiquette verwiesen …
            Ja, die Netiquette. Das Usenet hätte sie nicht produziert, wenn es keine Notwendigkeit für eine gegeben hätte. Aber eine Öffentlichkeit war das eben noch nicht, höchstens eine Subkultur. Heute gibt es den Shitstorm, weil die schiere Masse da ist. Und je länger ich die hiesige Diskussion und die an anderen Stellen verfolge, desto mehr gelange ich zu der Überzeugung, dass es diese von Mina geforderten Schutzräume geben muss, und zwar genau so lange, bis es geschafft ist, dass ein öffentliches Bewusstsein verbale Gewalttaten im Netz nicht nur als Bubenstreiche abtut, sondern ächtet.

            Was mich angeht, können diese Schutzräume derzeit nur in einer reduzierten Version dessen bestehen, was wir als das offene Netz kennen. Ja, ich rede von geschlossenen Communities. Von mir aus auch solchen, die für den Zugang eine RL-Verifikation benötigen, Bürgen sogar.

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  • @blitzplotz

    Danke @b415t3r0 für die Erinnerung, dass es so etwas wie Netiquette gibt. Um ein freies Netz zu schaffen, müssten wir uns wieder viel mehr für deren Einhaltung einsetzen. D.h. doch aber auch, Forderungen nach falscher Toleranz nicht nachzugeben. Netzfreiheit für alle impliziert für mich, dass Hater und Trolle nicht toleriert werden. Wenn wir uns in unseren Timelines auf sinnlose Diskussionen einlassen, räumen wir ihnen selbst unnötig weiteren Platz im Netz ein. Die (zugegeben noch unzureichende) Möglichkeit des Blockens dieser Netzbewohner sollten wir viel öfter nutzen. Und so wie etliche Folgeempfehlungen an ihre Follower geben, könnten wir uns ja solidarisch auch Empfehlungen zum Blocken von widerlichen Zeitgenossen geben, bevor uns diese terrorisieren. Z.B. so: “Ich habe #abgeblockt: @…“ Dies ließe sich ja dann mit weiteren Hashtags wie #Sexismus, #Rassismus, #Homophobie etc. kombinieren …
    Why not? Let’s do it!

  • NeoVG

    Es gab mal eine Zeit im Netz, da hat man sich mit Pseudonymen angesprochen und sich kein Stück dafür interessiert, ob sich hinter einem nun Weibchen, Männchen, Eichhörnchen oder Hund verbirgt (“In the internet, no one knows you’re a dog.”). Trolle wurden noch mit Fischen gefüttert und niemand machte sich Gedanken, warum es kein Femininum von “Troll” gibt: Es war egal. We are one, we are the network. Ein wunderbares Experiment in Sachen Post-Gender. Man definierte sich mehr über die Bevorzugung eines Betriebssystems als über irgendwelche biologischen Merkmale.

    Wo ist das hin? Wer hat’s kaputtgemacht?
    Als Ur-Netz-User schiebe ich die Schuld mal auf das jeweilige “Share”-Feature. Egal ob es um Feminismus, Veganismus, Tierschutz oder ein anderes “nicht kritikfähiges” Thema geht, seit Facebook, Twitter und unendlicher Blogvernetzung wird von allen Seiten gekeift und zurückgekeift. Je mehr gekeift wird, desto mehr geht subjektiv der frühere Frieden vor die Hunde. Egal was passiert, ständig treiben geltungssüchtige Menschen eine Sau durchs Dorf, alles wird instrumentalisiert.

    Kann ich bitte mein friedliches, altes Netz wieder zurückhaben? Als die Welt noch aufgeteilt war in “wir bestätigen uns selbst”- und “wir streiten miteinander”-Newsgroups?

    • http://hinterwaldwelt.blogspot.de/ hardy

      @neoVG

      grüße aus der vergangenheit.

      find dich damit ab, daß es nicht mehr “uns” gehört, “wir” sind ja noch verantwortungsvoll damit umgegangen, weil wir wenige waren, ein dorf, jeder kannte jeden, man hat schon aufgepasst aufeinander.

      deinen gedanken, daß f#ckbook das internet im kern verändert hat, teile ich übrigens zu 100%. naja, muss man ja im grunde, wenn mn genau so lange darauf guckt …

  • @b415t3r0

    Es war nicht meine Intention ein “früher-war-ja-alles-besser” Lamento anzustimmen, das war es nämlich nicht.

    Ich wollte nur den zur Zeit dominierenden “Shitstorms” “Rants” “Hate-Speeches” einen (früher mal etablierten) Begriff entgegensetzen, der ein Konzept an “Spielregeln” adressiert, mit dessen Hilfe das Netz wieder für alle User (sozial) funktionsfähig macht werden könnte.

    Nettiquette stellt KEINE “Denkverbote” oder Beschränkung der Meinungsfreiheit dar. Nettiquette ist schlicht und einfach ein Beleidungungsverbot, ein Verbot der sozialen Körperverletzung. Mit Nettiquette kann weiterhin (bzw. erst durch diese) auch kontrovers über jedes Thema diskutiert werden, ohne das Mensch Schaden nimmt.

    Vielleicht gibt es ja einen englischen Begriff dafür, der etwas cooler klingt als Nettiquette.

    • http://hinterwaldwelt.blogspot.de/ hardy

      ahem,

      [..] “früher-war-ja-alles-besser” das war es nämlich nicht [..]

      naja, wenn du “alles” wegläßt, kommt es doch hin …

      in der gaZ war “man” ja noch daran interessiert, von den anderen etwas zu lernen, las sie und … das war definitiv besser … da es ja nicht so viel gab, hatte man ja auch noch die zeit, darüber nahzudenken, was der andere so denkt und … optimaler fall … herauszufinden, was dieses “andere” vom “eigenen” unterscheidet. heute hat man ja alle möglichen “argumentationsmuster”, die einem helfen schon auf den ersten blick zu erkennen, wer da mit einem redet.

      im spiegelforum von compuserve frühe 90er jedenfalls lernten linke von rechten und rechte von linken, man machte sich weniger gedanken über muster – höchstens mal die eigenen – und war glücklich, wenn man verstand, was den unterschied machte.

      ich verstehe aber, daß mina hier und alle anderen heutzutage ein bißchen unter zeitdruck stehen und daß … naja, eigentlich habe ich die tage darüber sinniert wie es ist, wenn man multitasking betreibt und dabei die zeit verliert, mal über das was man tut und warum selbst zu reflektieren.

      ach ja, willkommen im hamsterrad.

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  • Zockergirl

    Hi,

    eben erst den Text entdeckt und ich kann ihn nur unterschreiben…

    Ich bin vor einigen Jahren extremst beleidigt worden, private Dinge wurden gegen mich verwendet, Adressen und Telefonnummern von mir und meinem Partner in Foren plattgetreten.
    Als ich Anzeige erstatten wollte hiess es nur “da kein Aufruf zu einer Straftat vorliegt wird die Sache im Sand verlaufen. Zumal – bis wir die Daten die wir benötigen bekämen würde es Wochen dauern, wir sind unterbesetzt [...]” Sogar die Polizisten haben beim Anblick der Ausdrucke nur den Kopf geschüttelt und fanden es mehr als frech und übel was da gelaufen ist. Aber leider eben keine Straftat…
    Freiheit ist ein dehnbarer Begriff.
    Und ich musste einfach erkennen dass MEINE Freiheit weniger wert ist als die Freiheit anderer, lauterer, asozialerer Leute, respektive die der Männer.
    Aber: nicht aufgeben ist die Devise. Den Kopf und das Wort kann man mir nicht verbieten. Aber ich diskutiere nicht mehr mit jedem – und keiner weiss mehr wer ich bin. Ausser der NSA.