Ich hab keine Worte mehr, die meinen Frust, meine Abscheu und meine Verzweiflung akkurat wieder geben könnten.

Ein Mann in einer Bar, sichtlich betrunken. Neben ihm sitzt eine Frau. Er starrt ihr auf den Busen und spricht die Größe ihrer Brüste an. Greift ihre Hand, überschreitet die körperliche Distanz und presst seine Lippen auf ihre Haut. Fordert sie eindeutig auf, mit ihm zu tanzen. Sie weicht immer weiter zurück. Er kommt auf sie zu, das Gesicht nah an ihrem, zu nah. Er greift nach ihr.

Eine Geschichte, wie sie tagtäglich in Deutschland zehntausendfach passiert. Grenzen werden überschritten, Frauen bedrängt. Körperliche Nähe wird gesucht, wo keine erwünscht ist. Manchmal wird die unsichtbare Barriere überschritten, und Frauen werden gegen ihren Willen angefasst – ein Griff um die Hüfte, die Hand leicht tiefer am Rücken als es professionell wäre, ein lockerer Po-Klatscher, und in den schlimmsten Fällen rücksichtsloses Anfassen bis hin zu erzwungenem Geschlechtsverkehr. Aber auch mit Worten lassen sich Grenzen überwinden: ungefragte Kommentare über Geschlechtsmerkmale wie Busen und Po, wiederholte Aufforderungen, bis hin zu eindeutigen Kommentaren, die an sexuelle Belästigung grenzen.

Als Annett Meiritz vor mehreren Tagen über den erlebten Sexismus in der Piratenpartei berichtete, waren viele schnell damit, die Geschehnisse zu verurteilen. Unerhört, unglaublich, aber auch leider nicht schockierend, schließlich sei mit der Piratenpartei ja Sexismus ohnehin verknüpft. Nun werden Vorwürfe gegen FDP Spitzenmann Brüderle laut. Die Reaktionen hier?

1. Das Opfer beschuldigen (Victim-blaming)

Ich wundere mich, dass die junge Journalistin offensichtlich über ein Jahr gebraucht hat, um ihr Erlebnis zu verarbeiten. (Wolfgang Kubicki)

2. Ablenkung (Derailing)

Ich war bei den angeblichen Vorgängen nicht dabei. Es kommt mir aber so vor, als versuche der ‘Stern’ eine große Schippe Dreck auf den liberalen Spitzenkandidaten zu werfen, und hofft dabei, dass schon irgendwas hängen bleibt. (Philipp Rösler)

3. Der Täter als Opfer

Wenn diese Art von Journalismus darauf abzielt, einen Menschen und seine Familie mit einem rücksichtslosen Schlag unter die Gürtellinie zu beschädigen, hat er eine Wegmarke überschritten. (Elke Hoff)

Das ist Deutschland in 2013: eine Geschichte, die fast jede Frau persönlich schon erleben musste, in unterschiedlicher Ausprägung, wird klein geredet, als Kampagne verteufelt, unglaubwürdig gebrandmarkt und als Angriff statt Tatsachenbericht verkauft. Sexismus als Alltag. Mehr noch: muckt gefälligst als Frauen nicht auf, haltet die Schnauze, und habt euch nicht so. Das sind doch Komplimente!

Aber der Fall Brüderle im krassen Kontrast zur Piratenpartei zeigt noch etwas auf: es geht um Machtstrukturen. Hätte die oben geschilderte Situation Frau Meiritz mit einem männlichen Mitglied des Piratenvorstands geschildert, hätte es doch keine Frage gegeben – eindeutiger Sexismus in dieser wirren, verufenen Partei. Es hätte Rücktrittsforderungen gegeben und er hätte sich entschuldigen müssen. Und bei Brüderle? Als Spitzenkandidat wäre er bei einer Neu-Auflage der schwarz-gelben Regierung stellvertretender Kanzler. Es kann nicht sein, was nicht sein darf – etwas bedroht seine Position, sein Ansehen. Zum Glück für die FDP ist es bloß eine Frau, eine Journalistin noch dazu (wobei es hier auch interessant ist, dass den Artikel eine Frau und ein Mann gemeinsam schrieben, aber nur die Frau angegriffen wird) – und damit wird es ganz leicht sich dem Thema zu verweigern.

Natürlich kann man bei so einem Thema als Beschuldigter kaum gewinnen – aber souverän wäre doch gewesen, hätte Brüderle gesagt: Ja, ich hab zu viel getrunken, ich bin aufdringlich geworden, das tut mir sehr leid, ich wollte die Frau nicht bedrängen, das wird nie wieder vorkommen und ich schäme mich dafür.

Warum das nicht passiert ist? Weil Sexismus in Deutschland immer noch salonfähig ist, weil offensichtlich in der Meinung einiger FDP Spitzenkräfte die Tatsache, dass eine junge Frau von ihren Erfahrungen berichtet schlimmer ist, als die Erfahrungen selbst. Weil Geschlechterungleichheiten stark mit Macht verknüpft sind – denn sind wir mal realistisch: die Geschichte wird umso schlimmer, weil die Frau in einem beruflichen Abhängigkeitsverhältnis zu Brüderle stand. Weil die Mächtigen einen Teufel tun werden, um solche Machtstrukturen aufzubrechen. Weil die deutsche Gesellschaft die längst überfällige Sexismus Debatte, die in den USA beispielsweise Anfang der 90er Jahre durch den Fall Anita Hill statt fand, immer weiter vor sich her schiebt.

Wir brauchen eine Debatte über Sexismus. Wir müssen das Tabu endlich loswerden.

Nach dem Artikel von Frau Meiritz schrieb ich auf Twitter: jede Frau wird spontan fünf solcher Erfahrungen mitteilen können. Denn das ist unser Alltag. Die Szene oben? Unzählige Male erlebt. Gestern las ich dann in meiner Timeline, dass einer Frau eine Beförderung gegen Sex angeboten wurde. Das ist in Deutschland wohl nicht mal strafbar. Wo lebe ich denn? Es kotzt mich so an. Es ist zum verrückt werden. Beschämend, dieses Land, schockierend, seine Politiker_innen.

Ach, und zu dieser kläglichen Partei von Sexismus-relativierenden Vollidioten: sie sollten sich vielleicht mal ein paar Minuten in Ruhe mit ihren Töchtern, Enkelinnen, Nichten, Freundinnen, … zusammen setzen und sie zu ihren Erfahrungen befragen. Und danach sollten sie sich ganz lange ganz intensiv schämen.

 

130 Kommentare

  1. Manon

    Amen!
    Mich hat es nicht mal wirklich verwundert, dass niemand sich die Mühe gemacht hat Brüderles Verhalten zu verurteilen und dass alle nur auf den Boten geschossen haben. Traurig.

    Wir brauchen ein deutsches @EverydaySexism & müssen uns mehr solidarisieren. Das Thema braucht viel mehr Aufmerksamkeit.

    • c3p

      Also ich halte eindeutig Brüderle für den Täter.
      Bzw. ich bin immer wieder überrascht, was für einen Scheiß manche ins Netz ergießen, wenn es um solche Reizthemen wie Naher Osten oder Sexismus geht.
      Da gibts nix zu relativieren, wenn er es war, hat er sich zwar nicht strafgesetzlich falsch verhalten, aber mit Sicherheit gesellschaftlich und muss auch die Dreck ausbaden den er angerichtet hat.
      Als Mann ist es einfach recht schwer diese Dinge nachzuvollziehen, da sie einem selbst eben nicht passieren und man sie auch kaum im Bekanntenkreis mitbekommt. Insofern wäre eine Karte mit Vorfällen oder ähnliches vielleicht wirklich eine gute Idee, die aber nur funktioniert wenn genug mitmachen.

      • c3p

        Achja, ich bin eigentlich ja immer für bestrafen und verzeihen, aber in diesen Themen, in dennen es keine Gesetztesstrafe gibt, ist bloßstellen, das einzig richtige!

        • sebastian

          @ c3p

          Sexuelle Belaestiguung kann auch Maenner treffen, auch alles schon zig mal erlebt.

          • Tommy

            In der Sexismusdebatte ist dafür allerdings kein Platz. Als Mann, dem dies wiederfährt, stößt man da bei Vorgesetzten und beim Recht auf taube Ohren.
            Aber soll (uns) mal nicht stören. Bin natürlich gespannt, ob sich zumindest in einer Richtung etwas bewegt

    • Harry Haller

      Das hier hat auch eine Frau geschrieben:

      http://www.theeuropean.de/birgit-kelle/5805-bruederle-debatte-und-sexismus

      In manchen Fällen ist diese Sexismus-Kritik gerechtfertigt, in manchen Fällen an den Haaren herbeigezogen und nimmt schon groteske Züge an. Mit allen Mitteln der sophistischen Kunst werden monokausale Arguemtne zurechtgespitzt, ohne die eigene Fraktion kritischer unter die Lupe zu nehmen bzw. zu differenzieren. Dann würde man begreifen, dass pauschal alle Frauen in Schutz genommen werden, auch die, die es WIRKLICH mit ihrer Aufmachung drauf anlegen und sich eigentlich nicht über entsprechende Reaktionen wundern dürften. Ein bisschen mehr neutrale Objektivität könnte in dieser Debatte nicht schaden, wenn man damit was erreichen möchte. Und nein, ich stehe damit keinesfalls einer Gleichberechtigung entgegen (das wäre eines der typischen Unterstellungen, verkauft als Argument).

      • Mina

        Wer bestimmt was gerechtfertigt ist? Sie?
        Davon, dass angeblich pauschal alle Frauen in Schutz genommen werden, kann ich – auch angesichts der Zitate im Text – nichts merken.

      • Also Haller, das ist ja wohl Mumpitz erster Güte. “Pauschal alle Frauen in Schutz nehmen” ? Wo fehlt’s denn? Da muss man gucken, wer so einen Unsinn verzapft: Natürlich kommt das aus der Quelle von theeuropean. Wenn man von diesen Typen ein bisschen mehr gelesen hat, kommen einem Brüderle, Rösler, Kubicki und Konsorten als Heilige daher.

  2. Janusz

    Danke für diesen erneuten Hinweis auf die Art und Weise wie mit Sexismus leider immer noch umgegangen wird. Anstatt zu überlegen was wohl in der Situation schiefgelaufen ist und daraus zu lernen sich vor zu nehmen es beim nächsten Mal besser zu machen wird versucht das ganze zu relativieren.

    Ich hoffe das Herr Brüderle sich besinnt und eine Entschuldigung wie in diesem Artikel vorgeschlagen vorbringt.

  3. Dass sogar eine Frau sich nicht entblödet, diesen heftigen Vorwürfen ungeprüft entgegenzutreten, zeigt um so deutlicher, dass Machterhalt über allem steht.

  4. “Hätte die oben geschilderte Situation Frau Meiritz mit einem männlichen Mitglied des Piratenvorstands geschildert, hätte es doch keine Frage gegeben – eindeutiger Sexismus in dieser wirren, verufenen Partei. Es hätte Rücktrittsforderungen gegeben und er hätte sich entschuldigen müssen. Und bei Brüderle?”

    Und genau das ist das Thema: es handelt sich um eine Überschneidung eines wichtigen Themas mit einer Inthronisation. Und ganz richtig: bei einem möglichen Vizekanzler muss der Wähler schon wissen, worauf er sich einlässt.

    Aber es ist ein Tabubruch bei bekannten (angesehen kann man bei Brüderle jetzt nur bedingt schreiben) Politikern diesen Sexismus zu thematisieren – aber es wird höchste Zeit. Andere Länder sind da schon weiter und enden für Politiker mit Gefängnisstrafen.

  5. laprintemps

    Danke, danke, danke.

    Ja, es ist zum Kotzen, ja, ich habe es auch unzählige Male erlebt.

    Einen wichtigen Punkt möchte ich auch noch machen, den du schon angedeutet hast: Wäre der Artikel von Annett Meiritz möglich gewesen, wenn es sich um die SPD/CDU gehandelt hätte? Ich weiß es nicht. Der Tabubruch war imho nur möglich, weil sie über die Piraten schrieb. Ich bin jetzt noch froher, dass sie es getan hat, denn es war bestimmt motivierend für Laura es nun auch zu tun.

    Gerade las ich bei dem mansplained-tumblr, dass eine schrieb, dass die männliche Hegemonie darauf basiert, dass wir(tm) zu freundlich sind die peinlichen Männer bloßzustellen. Wir haben Mitleid! Und das ist wirklich wahr, eine Marotte des weiblichen im Patriarchat. Denn die Männer profitieren davon, zehren von dem “ach, das ist doch süß und der alte Mann und so …”

    Aber das ist es nicht – es ist Dominanzausübung.

    Es reicht.

    • Miss Wednesday

      Nee, Mitleid nicht direkt, eher so eine Art Fremdschämen. Einerseits, weil einem das selber so peinlich ist, andererseits, weil man sich auch für den Typen schämt… Von ‘so einem’ angegrabscht oder dumm angelabert zu werden.
      Ist aber auch verschieden von Mensch zu Mensch, denke ich. Und natürlich kommt’s auch oft auf die Situation an. Aber Scheiße ist es immer.

  6. Cristina

    Danke! Also wirklich.
    Gerade im Bezug auf Grenzenüberschreitung. Dieses Thema beschäftigt mich immer wieder, besonders wenn ich mich selbst dem auseinandersetzten muss, weil ich es beobachten muss oder es mir selbst wiederfährt und wenn ich über meinen Frust und fast schon Unmacht reden möchte, werde ich belächelt. Man muss sich als Frau demütigen lassen und wird, beschwert mal sich darüber, als arrogant abgestempelt.

  7. laprintemps

    Danke, danke, danke.

    Ja, es ist zum Kotzen, ja, ich habe es auch unzählige Male erlebt.

    Einen wichtigen Punkt möchte ich auch noch machen, den du schon angedeutet hast: Wäre der Artikel von Annett Meiritz möglich gewesen, wenn es sich um die SPD/CDU gehandelt hätte? Ich weiß es nicht. Der Tabubruch war imho nur möglich, weil sie über die Piraten schrieb. Ich bin jetzt noch froher, dass sie es getan hat, denn es war bestimmt motivierend für Laura es nun auch zu tun.

    Gerade las ich bei dem mansplained-tumblr, dass eine schrieb, dass die männliche Hegemonie darauf basiert, dass wir(tm) zu freundlich sind die peinlichen Männer bloßzustellen. Wir haben Mitleid! Und das ist wirklich wahr, eine Marotte des weiblichen im Patriarchat. Denn die Männer profitieren davon, zehren von dem “ach, das ist doch süß und der alte Mann und so …”

    Aber das ist es nicht – es ist Dominanzausübung.

    Es reicht.

    (achja und what about teh menz in 5….4….3….)

  8. Danke für den Artikel. Vor allem für die klare Identifizierung von Sexismus als politischem Instrument, hier gegen die bourgeoisiekritische Piratenpartei und gegen die machtkritischen Teile der Presse.

  9. Hannes Klöpper

    Alles richtig – aber die Mühe auf die “Warum jetzt?” Frage einzugehen hätten Sie sich schon machen müssen. Denn das Timing wirft natürlich fragen auf. Schlimmer noch, es leistet der Behauptung Vorschub, dass der Vorwurf sexueller Belästigung für eigene Zwecke missbraucht wird, was wiederum der Trivialisierung Vorschub leistet.

    • menschelnd

      @Hannes Klöpper
      die Frage “Warum jetzt?” mag ja interessant sein…
      …gestellt werden MÜSSEN – muss sie nicht – und schon gar nicht im Zusammenhang mit dem Thema “Sexismus”.

      allerdings kann ich der Auffassung, welche Sie (und andere) vertreten, insoweit folgen;
      Durch das Herstellen dieses Zusamennhanges besteht das Risoko, dass die Diskussion um Sexismus trivalisiert wird…
      …weil mit dem trivialen Thema “Zeitpunkt” vom relevanteren Thema “Sexismus” – abgelenkt wird.

      Es sind schlicht – zwei unabhängige Themen – denen inhaltlich nur gerecht werden kann, wer sie jeweils für sich bewegt.

  10. bluebcke

    Sexismus gibt es leider nicht nur in der Politik. Ich war vor zwei Jahren auf einer Konferenz des BVMed zum Thema Social Media. Als ich den Geschäftsführer des BVMed nach dem Wlan fragte, bot er mir erst einmal einen Platz auf seinem Schoß an!!! Zuerst war ich ziemlich sprachlos. Danach habe ich auf Twitter meiner Verwunderung und Abscheu Luft gemacht. Es wurde ziemlich oft retweetet. Dachte so eine praktische Social Media Demonstration passte gut zum Thema :-)
    An alle Frauen: Lasst Euch nicht von meist “alten Säcken” blöd anlabern, anmachen, angrabschen etc. Entlarvt solches Verhalten und stellt die Sexisten bloß!

    • Sissi

      “Als ich den Geschäftsführer des BVMed nach dem Wlan fragte, bot er mir erst einmal einen Platz auf seinem Schoß an!!!” (bluebcke)

      wtf???? Ich versuche mir das vorzustellen, habe aber ernste Probleme damit, dass ein vernünftiger Mensch so etwas tut. Anscheinend sind viele wohl nicht vernünftig.

      Der werte Herr sollte als betriebliche Weiterbildungsmaßnahme vllt. mal an einem Benimmkurs teilnehmen und sich ein wenig mit unseren Gesetzen beschäftigen.

    • Habanero

      An alle Frauen: Lasst Euch nicht von meist “alten Säcken” blöd anlabern, anmachen, angrabschen etc. Entlarvt solches Verhalten und stellt die Sexisten bloß!

      Mit dem Spruch diskreditierst du dich selbst. Also “alte Säcke” sind also
      grundsätzlich böse Sexisten. Heisst das, dass in dem Fall die jungen Säcke charmante Komplimente verteilen…

      • menschelnd

        @Habanero
        1. du stellst die Behauptung auf, dass “bluebcke” sich selbst diskreditiert – (d)eine Begründung kann ich nicht erkennen.

        2. im Weiteren entwickelst (interpretierst?) du die Aussagen von “bluebcke” weiter…
        zum einen ersetzt du ihr Wort “meist” mit deinem Wort “grundsätzlich”
        und
        ziehst im Anschluss ausschließlich deine Schlussfolgerung…-…argumentativ unterstellst du ihr somit eine Aussage, die sie selbst nicht gemacht hat.

        Bleibt für mich die Frage, was ist das Ziel deines Kommentares?

        • Stefan

          Hallo,
          die Formulierung ‘alte Säcke’ ist in erheblichem Maße sexistisch.
          Es wundert mich, daß Du das nicht erkennst.

          Stefan

  11. Isa

    Ich gebe dir ja vollkommen Recht und dennoch würde es mich interessieren, wie du reagiert hättest, wenn es um Gabriel oder Steinbrück gehen würde!

  12. Jupp Heidi

    Also erst einmal finde ich es richtig, Sexismus im Alltag entgegen zu treten – egal, durch wen er ausgeübt wird. Womit sich jedoch ins eigene Fleisch geschnitten wurde ist die Tatsache, dass dieser Vorfall jetzt ein Jahr danach öffentlich gemacht wurde, kurz nachdem Brüderle als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl gekürt wurde. Indirekt wurde das auch als Begründung genannt. Jedoch war Brüderle auch vor einem Jahr schon ein hohes Tier in der Partei und hatte noch nicht lange seinen Posten als Bundeswirtschaftsminister geräumt. Dass diese Vorwürfe gerade jetzt, wo er wieder auf dem aufsteigenden Ast ist, publik gemacht wurden, bekommt dann eben ein solches “G’schmäckle”. Ob man das will oder nicht. Damit ist der Vorfall an sich nicht zu entschuldigen. Des Weiteren wird immer wieder gesagt, dass es solche Vorfälle dutzende Male passieren. Ich denke, um in der Sache voranzukommen ist es daher angebrachter, auch wirklich jeden einzelnen Vorfall zu dokumentieren und publik zu machen – ungeachtet von Partei, Posten oder Familienstand, um den Anschein von Hintergrundinteressen zu vermeiden und wirklich eine Verbesserung in Puncto Alltagssexismus zu erreichen.

    • menschelnd

      @Jupp Heidi

      Zitat:
      “…bekommt dann eben ein solches ““G’schmäckle”. Ob man das will oder nicht….”

      ich denke; NUR wenn man das will

      (siehe ergänzend – oben – meinen Kommentar zu @Hannes Klöpper)

  13. Axel

    Ich stimme grundsätzlich zu. Insbesondere was den Umgang (Gegenangriff statt Reue) damit angeht. Wenn Brüderle Grenzen des Anstands und mehr überschritten hat, muss dafür gerade stehen. Punkt.

    Aber: Das oben liest sich so, als gäbe es Sexismus nur von (meist betrunkenen) Männern gegen Frauen. Das ist Klischee und falsch. Als Mann wird man inzwischen auch verbal aufs derbste von Frauen angemacht. Nicht selten fasst auch eine Frau ungefragt in nem Club an meinen Arsch und grinst breit, wenn ich mich umdrehe. Als gefestigte Persönlichkeit kann ich das ganz gut ertragen und verbale Offensiven eloquent parieren. Und sowas tun nicht die Damen, die meine Primärinstikte triggern, sondern eher die, die ich nicht wahrnehmen würde. Nur so. Ansonsten haste ja Recht mit dem was du schreibst.

    • menschelnd

      @Axel
      du selbst siehst dich persönlich nicht, als Betroffenen…
      …wieso findest du es wichtig für *Männer* als Betroffene zu argumentieren ???

      in dem Beitrag wird die Perspektive von *Frauen* dargestellt – nicht mehr und nicht weniger!

      du selbst formulierst:
      Zitat: “…Das oben liest sich so, …”
      d. h. DU liest dieser Interpretationsmöglichkeit aus dem Text…

  14. -

    Ich finde dieses Aufbauschen albern. Derlei Szenen spielen sich doch jeden Abend in Clubs und Bars ab, zwischen Bekannten wie zwischen Unbekannten. Die Journalistin war damals schon 29, wird also dergleichen sicherlich schonmal erlebt und Zeit gehabt haben, sich über eine angemessene Reaktion in zukünftigen Fällen Gedanken zu machen.

    In dem Moment wo am Ende eines Abends mit Alkohol Flirtversuche stattfinden geht es nicht mehr um Politiker oder Journalisten, es geht nur noch am Mann und Frau (oder auch gleichgeschlechtlich um total genderneutral zu bleiben). Da geht es auch nicht um den Mann als lüsternen Akteur und die Frau als Opfer, ich habe das als Mann genauso auch schon anders herum erlebt.

    Die Journalistin ist beruflich mit Sicherheit nicht von einem einzigen Politiker abhängig. Anstatt die ganze Situation an Brüderle festzumachen (obwohl sie das wie die meisten Menschen schon in anderen Situationen erlebt hat) hätte sie sich auch (wie die meisten Menschen, wenn sie vielleicht gar nicht gewusst hätten dass das Herr Brüderle ist) einfach denken können “Männer sind doch alle gleich.”, “Schon wieder so ein betrunkener Idiot.” oder “Betrunkene Politiker sind halt auch nicht besser als betrunkene Normalos.”

    Sexismusdebatte wie in den USA? Da wird alles Sexuelle in der Öffentlichkeit totgeschwiegen, was soll daran erstrebenswert sein?

    Ich jedenfalls mache kein Drama daraus, wenn mich eine Frau angräbt, die nicht mein Typ ist. Die Story wird höchstens lustiger im Freundeskreis, wenn man eine bekannte Persönlichkeit plötzlich menschlich erlebt.

    • “Ich jedenfalls mache kein Drama daraus, wenn mich eine Frau angräbt, die nicht mein Typ ist.” – merkste selber, ne? m(

    • Sophie

      ”In dem Moment wo am Ende eines Abends mit Alkohol Flirtversuche stattfinden geht es nicht mehr um Politiker oder Journalisten, es geht nur noch am Mann und Frau”

      Sexuelle Erniedrigung ist also ein Flirtversuch?

      ”Sexismusdebatte wie in den USA? Da wird alles Sexuelle in der Öffentlichkeit totgeschwiegen, was soll daran erstrebenswert sein?”

      Weil man sexuelle Erniedrigung, Belästigung und Gewalt kritisiert, will man totale Asexualität in der Öffentlichkeit erreichen? So welche Aussagen bestätigen einfach wie sehr sich nicht wenige Männer mit einer gewaltigen, übermächtigen und erniedrigenden Sexualität deffinieren die sich vor allem frauenfeindlich äußert und das Weibliche als gering schätzt. Sie identifizieren sich so sehr mit einer frauenfeindlichen und erniedrigenden Sexualität, dass sie anscheinend noch nicht einmal in der Lage sind, sexuelle Erniedrigung und Flirt zu unterscheiden. Und wenn man dann die sexuelle Erniedrigung kritisiert, will man Asexualität…
      Man(n) lerne den Unterschied zwischen Grapschen und Schenken….

    • Anne

      “Die Journalistin war damals schon 29, wird also dergleichen sicherlich schonmal erlebt und Zeit gehabt haben, sich über eine angemessene Reaktion in zukünftigen Fällen Gedanken zu machen.”

      Ich bezweifle (leider) stark, dass ich in ein paar Jahren mit erfahrenen und erwachsenen 29 Jahren (Ironie!!!) weiß, wie ich auf dumme Anmache, Begrabschen, etc. reagieren soll. Den ich bin jedesmal wenn ich solche Situationen beobachte oder erlebe fassungslos über die Dummheit, Dreistigkeit und Unverschämtheit mancher Menschen.
      Oder bin ich nur einfach zu naiv?

    • menschelnd

      @-

      zum einen finde ich es schade, dass sie volkpmmen namenlos sind oder drückt der “-” etwas konkretes aus?

      ein paar inhaltliche Veständnisfragen:
      1. Wer bauscht was auf?
      2. Was sind “derlei Situationen”
      3. Wenn du dich auf die Journalistin Frau Laura Himmelreich beziehst? – Was war an ihren konkreten Reaktionen ggü. Herrn Brüderle nicht angemessen?

      zum Thema Alkohol und “typisch *Männer'” habe ich weiter unten kommentiert

  15. Ich gebe Dir völlig recht, vor allem, was Deine Überschrift betrifft!
    Ich erkenne leider jeden Tag auf’s Neue, wir sind für “ewig UND 3 Tage” die einsamen Rufer in der (Männer)Wüste!!!

  16. miriam

    Doch, Frau Dingens, Du hast sehr wohl Worte dafür. Vielen Dank.

    Und weil in den Kommentaren hier und überall sonst das Timing in Frage gestellt wird: Hier wurden Grenzen verletzt. Eine unangenehme Situation, die offen artikuliert wurde. Zu welchem Zeitpunkt es der Mensch, dessen Grenzen überschritten wurden, für richtig hält, darüber zu sprechen, kann sich nicht an dem orientieren, was andere für angemessen halten. Diese Entscheidung wird nach eigenen Maßstäben getroffen.

    Es gibt kein Standardverfahren, wie man mit so einem Erlebnis umzugehen hat, keine Fristen und keine Gesetze, wie schnell man den Mund aufmachen muss, um noch ernst genommen zu werden. Es schadet jetzt der FDP? Ach Gottchen. Da muss sich die Partei wohl bei ihrem Spitzenmann bedanken, der hat den Schaden angerichtet und der ist für die Geschichte verantwortlich. Niemand sonst.

  17. Janusz

    An Axel und – ihr habt recht es geht hier nicht um Politiker sondern um Männer und Frauen. Hier hat sich ein Mann gegenüber einer Frau in einer Art und Weise verhalten, dass Sie sich gestört gefühlt hat und Sie hat dies verbal und durch Ihre Körpersprache dagegen gewehrt. Der Mann hat sich dafür aber nicht interessiert und anstatt jetzt den Mann dafür anzugreifen wird die Situation verharmlost oder versucht das ganze als Unwichtig dar zu stellen.

    Unabhängig davon was euch geschieht solltet Ihr darüber nachdenken das hier Grenzen überschritten wurden. Das sind vielleicht nicht die Grenzen die ihr für wichtig erachtet wenn Ihr in der Disko begrabscht werdet aber Grenzen sind nun mal von Person zu Person unterschiedlich und müssen beachtet werden.

    Durch eure Kommentare unterstützt ihr den Sexismus des Herrn Brüderle und sagt einer Person die eine unangenehme Situation empfunden hat ich verstehe nicht wie es dir ergangen ist belästige mich bitte nicht mit deinen Problemen da kann man nichts machen rede bitte nicht darüber. Gerade solche Kommentare führen dazu das viele Opfer von Diskriminierung sich nicht trauen über ihre Erlebnisse zu sprechen. Denkt da mal drüber nach.

    • Axel

      @Janusz: Ich habe doch deutlich und zurerst geschrieben: “Ich stimme grundsätzlich zu. Insbesondere was den Umgang (Gegenangriff statt Reue) damit angeht. Wenn Brüderle Grenzen des Anstands und mehr überschritten hat, muss dafür gerade stehen. Punkt.”

      Gerade der liberale Grundgedanke (welch Ironie): “Meine Freiheit hört da auf, wo die des anderen anfängt” wird bei Belästung verletzt. Die jeweiligen Auswirkungen mögen unterschiedlich sein – das spielt in der Bewertung erstmal keine Rolle. Da gibt es keine Zweifel und keine Verharmlosung.

      Worum es mir ging ist die Stereotype: Frau=Oper von Belästigung, Mann=Täter.

      Das ist einfach falsch, wie einige hier auch schreiben. Wie jeder damit umgeht – egal ob Mann oder Frau – ist seine Sache und sicher auch eine Frage des Selbstbewusstseins etc. Der/die eine ist traumatisiert nach einem Übergriff (Arsch angefasst o.ä.) andere denken sich “tsts” und gut ist. Hiermit will ich nichts legitimieren! Ich will nur darauf hinweisen, dass auch Frauen Männer auf die selbe Weise bedrängen und belästigen.

  18. -

    Ich finde es durchaus legitim, diesen Zeitpunkt, für die Veröffentlichung des Beitrages zu wählen. Jede Diskussion darüber relativiert den eigentlichen Skandal.

    Wenn jemand freiwillig eine Bühne betritt, muss er auch aushalten, wenn die Scheinwerfer auf ihn gerichtet werden.

    Als Mann muss ich fast täglich erleben, wie Vorgestzten (auch Männern in höchstbezahlten Positionen) in übelster Weise sexistische Entgleisungen über die Lippen gehen und Untergebene dieses Demütigen immer wieder hinnehmen.

    Niemand ist bereit, sich ernsthaft zu wehren. Es ist, wie in diesem Fall, immer das gleiche Spiel. Wenn jemand den Mund auf macht, richtet sich die geballte Entrüstung der Gesellschaft zuerst gegen das Opfer selbst.
    Mal ganz abgesehen, von ernsten beruflichen Nachteilen, die damit verbunden sein könnten.

  19. Dirk

    Mit einer Debatte über Sexismus bin ich einverstanden. Auch bin ich der Meinung, dass das geschilderte Verhalten untragbar ist. In jeder Situation, aber besonders, wenn im Hintergrund auch noch ein Machtgefälle Politiker – Journalistin besteht.
    Und jetzt das Aber:
    Ich finde es unmöglich, jede Behauptung erst einmal als uneingeschränkt wahr zu betrachten, weil sie einem ins Konzept passt.
    Die Geschichte hat ein fragwürdiges Timing, das kann man nun wirklich schlecht leugnen. Aber wenn die Veröffentlichung schon so lange auf sich warten lässt, warum kommen keine Bestätigungen von dritter Seite darin vor? Angeblich hat sich doch jede der Anekdoten in der Öffentlichkeit abgespielt, mit vielen umstehenden Personen. Wer von denen äußert sich wie dazu? Warum steht das nicht im Artikel? Oder steht das alles im Artikel, und man hat es bloß in der Online-Berichterstattung vergessen (ich lese den Stern nicht)?
    Falls dem so ist, dann nehme ich alles nach dem Aber zurück.
    Falls nicht, bleibt für mich ein sehr fader Beigeschmack, und der Wunsch, auch für (unsympathische) Politiker möge die Unschuldsvermutung gelten.

    • Mina

      Genauso muss die Unschuldsvermutung für die Journalistin gelten: und mal ehrlich, dass die Geschichte so passiert ist, scheint mir persönlich glaubhafter, als dass der Stern so unter der Gürtellinie etwas erfindet.

      Es gibt ein paar solcher Kommentare, ich verzichte darauf, sie alle freizuschalten, weil ich eben den auch im Text kritisierten Strategien wie das Opfer zu beschuldigen, vom Thema abzulenken usw. nicht noch mehr Platz geben möchte. Danke für euer Verständnis. :)

      • Sissi

        Ja, die Unschuldsvermutung sollte für jeden gleichermaßen gelten.

        Interessant ist hier die Twitter-Seite der Autorin Laura Himmelreich. Ich möchte hier zwei Tweets von Frau Himmelreich zitieren:

        “Warum kommt erst jetzt die Geschichte? Weil es relevant ist, wenn das “neue Gesicht” der FDP veraltete Klischees lebt.”
        “Weil eine Geschichte über das “neue Gesicht” der FDP nun eine andere Relevanz hat.”

        Die Veröffentlichungstermin ist also klar mit den politischen Gegebenheiten verbunden, aber es ist auch die Aufgabe der Presse, die Politik zu kontrollieren und Fehlverhalten anzuprangern.
        Beispiele findet man dazu in der Vergangenheit genug, man darf aber auch nicht außer Acht lassen, dass die Presse genauo Politiker puscht und absägt, da durch Stories eben Auflage gemacht wird. Jeder arbeitet mit klaren Zielen, die Politiker benutzen die Presse und die Presse die Politiker.

        Hier gilt es vor allem, den Wähler über die gelebeten Moralvorstellungen eines Spitzenkandidaten aufzuklären.

        • stiefelchen

          Soviel zum “Machtgefälle” Politiker-Journalistin.
          Ich würde sagen, die können sich durchaus auf Augenhöhe begegnen: auf beiden Seiten besteht die Macht, den anderen auf missbräuchliche Weise existentiell zu bedrohen und auch zu vernichten.

  20. Danke für den Beitrag. Als ich gestern zufällig auf einen Beitrag darüber auf welt.de gestoßen bin, dachte ich, meinen Augen nicht zu trauen, als ich die Kommentare dazu gelesen habe. Da ist mir die Galle hochgekommen. Ich dachte wirklich, wir wäre in D 2013 weiter. Zu den von dir angesprochenen Gegenreaktionen, möchte ich noch einige hinzufügen – wie gesagt aus den welt.de – Kommentaren:

    – er hat halt etwa szu viel getrunken, kann ja mal passieren
    – sie soll froh sein, dass sie überhaupt einer anmacht
    – sie hat angefangen, privat zu werden, als sie sein Alter zum Thema gemacht hat, so etwas tut man nicht
    – warum macht sie keinen offiziellen Interviewtermin mit ihm, sondern trifft sich mit ihm an einer Hotelbar
    – wenn man als junge Frau sich um die Uhrzeit allein mit einem Mann trifft, soll man sich nicht wundern…..

    also: sie ist selbst schuld, sollte sich freuen, das ganze nicht so ernst nehmen und ihren Beruf nicht so ausüben, wie es JEDER männliche Journalist tun kann.

    2013 in Deutschland, nicht schlecht….. Wir sollten einfach dankbar sein, dass wir nicht mehr an den Haaren in die Höhle gezerrt werden *ironie off*

  21. Pingback: Nachtwächter-Blah » Für die veröffentlichte Meinung gibt es zwei A…

  22. Dirk

    Der letzte Absatz ist unfair, weil ich keine der Strategien verfolge. Aber schön zu sehen, dass Täter- und Opferrolle schon fest verteilt sind.

    • Mina

      Der letzte Absatz ist gar nicht an dich gerichtet, oder spricht man dich generell mit der Mehrzahl an? ;)

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  24. Sebastian Lisken

    An alle, die aus dem Timing der Veröffentlichung ein Kalkül ablesen wollen: was hättet ihr denn gesagt, wenn das vor einigen Wochen gewesen wäre, also im Wahlkampf in Niedersachsen? Ihr hättet euch ebenso aufgeregt, nur mit einer anderen Begründung. Rainer Brüderle war schon vor einem Jahr eine wichtige Figur in der FDP.

  25. Gestern las ich dann in meiner Timeline, dass einer Frau eine Beförderung gegen Sex angeboten wurde.

    In den späten 80ern versuchte ich als junge Frau, eine (erste) Wohnung zu finden. Ein Vermieter meinte, das sei eine WG, und er erwarte es nicht nur, daß ich es OK finde, wenn er in Unterwäsche durch die Wohnung läuft. Er erwarte außerdem hin und wieder einen “Gefallen”. Darüber, welcher Art diese Gefallen sein sollten, ließ er auf Nachfrage keinen Zweifel offen.

    Im letzten Jahr erfuhr ich über Twitter, daß ein solches Verhalten von einigen männlichen Vermietern immer noch an den Tag gelegt wird. Deutschland hat in rund 30 Jahren also nichts dazugelernt.

    • Mina

      Als ich vor anderthalb Jahren recht verzweifelt eine Wohnung in HH suchte, sagte mir ein Makler, “man könne sich ja mal näher kennen lernen” und “abends zusammen setzen”, dann würde er sicher “schneller etwas finden”.

  26. die Geschichte wird umso schlimmer, weil die Frau in einem beruflichen Abhängigkeitsverhältnis zu Brüderle stand.

    Die Journalistin arbeitet nicht für Brüderle, sondern für eine Redaktion, die offenbar hinter ihr steht.

    • Mina

      Korrekt, und dennoch: sie ist von ihm in so fern abhängig, dass sie Informationen von ihm benötigt für ihren Job.

      • Ja, schon. Aber Abhängigkeitsverhältnis… bei so einem Begriff stelle ich mir eher eine Redaktion vor, die FDP-Hofberichterstattung macht und der Redakteurin sagt, dass sie zum Brüderle schön artig sein muss, weil es ohne den nicht geht. Oder eine Journalistin, die korrupt ist und sich von der FDP schmieren lässt und die Kohle braucht, weil sie Schulden hat.

  27. Klaus

    “Brüderle – einer der anpackt”

    könnte die konservative Presse so schön titeln ^^

    Diese ist übrigens eine der wichtigsten Variablen in dieser mangelnden Berichterstattung über dieses Thema

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  34. Wie gut, dass du doch noch Worte gefunden hast. Mir fehlen ebenfalls oftmals vor Abscheu die Worte, vor allem, wenn jegliches Unrechtsbewusstsein fehlt. Ja, das hier ist Deutschland und das hier ist 2013. Aber schauen wir uns doch nur mal die Fernsehsendungen an, die allabendlich und ganz selbstverständlich bei uns laufen: Da werden munter die Frauen getauscht, da reisen Männer auf der Suche nach der Ware Frau in den Osten, da werden die schönsten wandelnden Kleiderständer gesucht… Tröstlich finde ich nur, dass es – wie man auch hier an den Kommentaren sieht – genügend andere Männer gibt, die Grenzüberschreitungen erkennen und benennen können!

  35. Lucy

    Danke für den Artikel.
    Für diejenigen es komisch finden, wenn eine Frau nicht sofort was sagt: Mir ist das auch mal so gegangen. Ich war einfach total geschockt, weil ich den Übergriff von dieser Person überhaupt nicht erwartet hatte, weil ich nie davon ausgegangen bin, einmal in so einer Situation zu landen. Da hab ich mich erstmal überhaupt nicht mit dem was passiert war auseinander gesetzt nur so konnte ich erstmal damit klar kommen. Also hab ich auch niemandem davon erzählt. (Ich glaube auch viele hätten mir gar nicht geglaubt, weil ich nicht dem typischen Bild eines Opfers entspreche. Und so eine Reaktion hätte mich dann noch mehr belastet.)

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  37. Sehr guter Artikel!

    Immer diese verfluchte “blaming the viktim” der konservativen – bloss weil manche dinge sonst nicht in ihre heile welt passen muss frau immer an allemshuld sein…

    • Mina

      Ach, ich glaube, das liegt nicht an Konservativen oder Linken oder sonst einer politischen Strömung, sondern einfach am Menschenbild der jeweiligen Personen.

  38. Dirk

    Vielen Dank für den bisher besten Beitrag, den ich dazu gelesen habe. Sehr gut auf den Punkt gebracht, die entscheidenden Machtfragen erfaßt. Und als Mann kann ich sagen, es gibt inzwischen doch einige Männer, die dieses unsägliche Gehabe zutiefst verabscheuen und an Strukturen arbeiten, wo solches Verhalten nicht möglich ist oder zumindest klar sanktioniert wird. Toll, dass diese längst überfällige Debatte in Gang kommt.
    Vielen Dank den mutigen Frauen, die sich wehren. Und wenn es nach 20 oder 50 Jahren ist. Ich vermute, wenn Herr Brüderle sich privat entschuldigt hätte, wäre es nicht öffentlich gemacht worden. Schade, dass er diese lange Bedenkzeit von einem Jahr hat verstreichen lassen, um sein Fehlverhalten zu korrigieren.

      • Mina

        Ist das relevant? Ich frage mich: hat Brüderle sich schon entschuldigt? So wird ein Schuh draus.

        • Ich persönlich halte es schon für relevant.

          Meine werte Mutter pflegte stets zu sagen: “Politik fängt in der Beziehung an.”
          So möchte ich gerne ein Beispiel in der Perspektive hier erbringen.

          Ich beobachte in meinem Freundeskreis oftmals das in einer funktionierenden Partnerschaft die Frau offensiver handelt und z.B. oft berechtigterweise eine Entschuldigung einfordert wenn der Manne mal was verbockt hat.
          In einer nicht funktionierenden verhält sich die Frau eher passiv und wartet das der Mann sich endlich entschuldigt, da staut sich über die Zeit dann einiges an.
          Das gleiche gilt natürlich auch in der Konstellation wenn Frau etwas verbockt hat.

          Ich will den Herrn Brüderle z.B. keinesfalls in Schutz nehmen, er ist eine Person öffentlichen Interesses und hat sich entsprechend zu Verhalten, aber ich maße mir auch an zu sagen das auch der Brüderle nur ein Mann ist und wir Männer merken manchmal etwas zu spät und hoffen das Gras drüber wächst.
          Da ist dann doch wiederum die Dame gefragt in dem Moment zu reagieren?

          • Mina

            Die Ausrede “Männer merken das zu spät” ist doch billig. Das ist genauso wie “Männer sind zu doof um den Haushalt zu machen”.
            Erstmal sollte es natürlich gar nicht zu so einer Situation kommen. Falls doch kann es immer sein, dass die Frau in dem Moment zu perplex, zu beschämt, zu ängstlich ist, etwas zu sagen. Die #Aufschrei Debatte auf Twitter hat doch gezeigt: Frauen sehen immer wieder schon früh, dass es gar nichts bringt, sich zu wehren, manchmal macht es das sogar noch schlimmer. Gut, wenn die Frau in dem Moment etwas sagen kann, ist das natürlich super, und glaub mir, ich persönlich versuche es auch immer – mal besser, mal schlechter. Generell jedoch: falls Herr Brüderle – oder wer auch immer – so reflektiert ist, dass er merkt, dass er da eine Grenze überschritten hat, dann hätte er doch nicht seine halbe FDP so auf die junge Frau losgelassen, oder? Es kommt mir eher so vor, als würde er da gar nichts schlimmes drin sehen, und das ist ja das eigentliche Problem…

          • Sophie

            Diese Aussage ”Aber wir sind doch nur Männer” macht alles nur noch schlimmer!
            Damit geben sich diese Männer ja ein Zugriffsrecht auf die Frau auf Kosten ihrer Menschenwürde. Die Frau wird zum Objekt degradiert und ist kein Subjekt mehr. Sondern nur ein sexuelles Objekt welches Männer ein Anspruch haben bedienen zu dürfen.

  39. Pingback: Von Grenzüberschreitungen und der Anstößigkeit sexuellen Begehrens – #Aufschrei

  40. Salama

    Danke für den super Artikel!
    Habe ihn gleich mal geteilt.

  41. Pingback: Danke #aufschrei | Journelle

  42. Michael

    Vielen Dank für den Beitrag und das Aufzeigen der Missstände. Ist mir sehr peinlich als Mann. Aber ich finde es gut sich dagegen zu wehren und durch öffentliche Diskussion diese Übergriffe einzudämmen und gesellschaftlich zu ächten. Ich werde mich auch selbst noch genauer beobachten.

    Neben dem Verharmlosen spielt offensichtlich auch Alkohol und die späte Stunde für solche sexistischen Übergriffe eine Rolle (sicher nicht immer). Ich weiß nicht ob ich zu weit gehe, wenn ich sage, dass es für manche Männer auch zu verführerisch ist, wenn Frauen sich zu freizügig anziehen? Das beflügelt ja nun auch die Fantasie, die sich dann in übergriffigen Worten, Blicken oder Grapschen ungezügelt Bahn bricht. Einerseits wird es von Frauen als Freiheit verstanden, sich so freizügig wie möglich anzuziehen, andererseits hat das auch eine Wirkung auf das andere Geschlecht, dass (soweit ich das sehe) sexuelle Triebe weniger im Griff hat als Frauen.

    • Mina

      Hmm, keine zynische Frage: bekommen Männer eigentlich nicht beigebracht, wie sie solche Triebe dann gegebenenfalls zügeln können? Fühle mich unwohl dabei, dass immer auf Triebe zu schieben. Das sind ja keine Tiere.

      • NeoVG

        (PS: Kommentare werden hier schon arg selektiv freigeschaltet, hm? Soll das Stimmungsbild nicht durcheinander kommen? Konfirmatorisches Hypothesentesten, ne?)

        • Mina

          Alle Kommentare, die den im Artikel selbst beschriebenen Taktiken (Derailing, Victim Blaming, Täter Opfer Umkehr) entsprechen, schalte ich nicht frei.

          Genauso wenig, wie das, was hier so beschrieben ist: http://antjeschrupp.com/nicht-freigeschaltet/ Dazu gehört bei gut 40 Kommentaren in der Warteschlange 2., 4, 5., 6., 7., 8., 9. und 10. – du kannst ja gerne selbst reflektieren, zu was deinen Kommentare passt, wenn du dir schon die Zeit nimmst, immer wieder neue, gleich aufgeregte, im Tonfall nicht minder gereizte Kommentare zu verfassen.

        • Sophie

          Der Mann hat kein Anspruch auf Sex! Das kann es nicht geben denn das wäre ein Vergewaltigungsrecht. Sein Trieb erledigt sich auch wenn er masturbiert. Wenn er nicht mehr kann ohne die Frau sexuell anzugreifen dann soll er in die Toilette verschwinden, masturbieren und gut ist!

        • menschelnd

          @Hendrik G.
          Wen meinst du mit “Wir”?
          Welche Triebe meinst du?

          Fakt = Tatsache -> Tatsachen sind bewiesen – Auf welche Beweise beziehst du dich?

      • Michael

        Beigebracht bekommen sie das eher nicht, nach meiner Erfahrung. Da wirst Du doch als Junge eher gelobt, “wenn Du eine rumgelegt hast”.

        Ich glaube es ist eine Frage des Respekts und Anstands sich da zügeln zu können. Mit einer guten Freundin, mit der ich mich zum Thema Vergewaltigung unterhielt hörte ich, dass sie einen Bekannten hat, der es einfach nicht in den Griff kriegt, wenn Frauen im Sommer so leicht bekleidet sind. Das macht ihn wahnsinnig nach eigener Aussage. Von daher kam diese Überlegung.

        Eine befreundete Psychologin (schon Rentnerin) bestätigte mir, dass es für Männer schwerer ist, ihre Triebe im Griff zu haben als Frauen.

        Nun das sind erst mal keine wissenschaftlichen Beweise oder so. Es war nur ein Gedanke, der aber unterschwellig schnell als Rechtfertigung von sexistischen Übergriffen herhalten könnte.

    • Janusz

      Und schon sind wir wieder beim Victim Blaiming. Ein kultivierter Mann der angeblich zur politischen Elite dieses Landes ist nicht in der Lage seine Triebe oder seinen Alkoholkonsum so einzuschränken das er keine Grenzen überschreitet?
      Am besten tragen alle Frauen nur noch Burka dann ist das Problem gelöst oder?

      Ich wünsche mir das wir in einer Gesellschaft leben würden in der sich Frauen kleiden können wie sie möchten ohne dann gleich selber schuld zu sein wenn sie sexuellen Übergriffen ausgesetzt sind.

      • Michael

        Man kann natürlich jede Überlegung in eine Kategorie stecken um in einer Sackgasse des Denkens gefangen zu bleiben.

        In diesem Fall sind sie: a) Mann ist kultiviert und hat sich unter Kontrolle (eine sehr verallgemeinerte Idealvorstellung und wohl kaum in Einklang mit der Realität) b) sich freizügig anzuziehen bewirkt nichts und man muss deshalb auch nicht darauf achten.

        Ich weiß nicht ob man bei solchen Verallgemeinerungen der Sache und ihren Ursachen näher kommt.

        Offensichtlich gibt es Männer, die ihre Triebe und Anmachen (und die Art der Anmache) nicht im Griff haben. Das ist nun mal eine Tatsache.

        • menschelnd

          @Michael zu beiden Kommentaren

          Stichwort “Tatsachen” siehe mein Nachfrage an Hendrik G.
          die Offensichtlichkeit, dass es *Männer* gibt, die ihre Triebe nicht im Griff haben – dann sollten sie sich Hilfe suchen, um sich anderen Menschen ggü. angemessen sozial Verhalten zu können – dafür gibt es (zB:) Psychologinn_en

          Diese stellen im Übrigen keine allgemeine Tatsachen fest, sondern individuelle Verhaltensweisen – ggf. bestehenden Zwängen – fest und geben Hilfestellung mit dem gestörten Sozialverhalten gesu(e)nder umzugehen.

          die unter a) und b) von dir wiedergeben “Aussagen” sind allgemeine und gesellschaftkonforme Erwartungen an das soziale Verhalten jedes_r Einzelnen – sie stellen somit auch allgemeingültige – einzuhaltende Grenzen dar…
          …denn in Gruppenkontexten ist nicht das Fehlverhalten einzelner maßgebend.

          dies Sozialverhalten funktioniert übrigens zwischen dem-Menschen-(vermeintlich)-unterlegenen Lebenwesen hervorragend.
          kleine ironisierende Anmerkung: die haben keine helfenden Psychologinn_en – da sind die Konsequenzen der Gruppen unmittelbarer und nachhaltiger.

    • Sophie

      Der Trieb des Mannes geht nicht vor der Unversehrtheit der Seele eines Menschen!!
      Zu sagen die Frau hat selbst schuld, sie hat es provoziert ist zu sagen der Mann hat ein Zugriffsrecht auf den Körper der Frau, welches er masturbatorisch benutzen darf, weil sie attraktiv aus schaut und er sich sexuell angezogen fühlt.
      Das ist keine Art. Männer glauben sie haben einen Anspruch auf Sex und damit geben sie sich aber ein Vergewaltigungsrecht. Das kann nicht sein! Kein Mensch auf dieser Welt hat einen Anspruch auf Sex!

      Wenn ein Mann daran interessiert ist seine Sexualität zu kommunizieren:
      Tja dann Mann lerne den Unterschied zwischen Geben und Grapschen zwischen Schenken und Stehlen zwischen Teilen und der Frau den Druck machen der Mann habe das Recht den weiblichen Körper masturbatorisch zu gebrauchen, zwischen sexuellen Wesen und sexuellen Objekt.

      Vielleicht sollte man an dieser Stelle nicht vergessen zu erwähnen. Herr Brüderle ist verheiratet!

  43. Phil

    “Respekt”
    Dieser Begriff kommt mir in der Diskussion zu kurz. Hier wurden Situationen beschrieben, in denen respektlos mit einem anderen Menschen umgegangen wurde. Das hat zu Verletzungen geführt.

    Es wird viel kategorisiert, ohne zu erklären, was die Kategorien “Sexismus”, “Grenzüberschreitung” usw. _konkret_ bedeuten. Die bloße Kategorisierung ist auch eine Form von “derailing”, denn sie lenkt vom tatsächlichen Schaden ab, indem sie verallgemeinert. Die Verletzung rührt doch nicht daher, dass eine Handlung abstrakt als “sexistisch” bezeichnet werden kann. Verletzend sind die respektlosen Übergriffe in eine persönliche Schutzzone, die Demütigung durch Machtausübung, und in manchen Fällen sind es wohl auch ganz einfach Beleidigungen.

    Natürlich ist es wichtig, die sexuelle Komponente von Machtausübung kritisch zu betrachten. Aber auch das erklärt nicht den Kern der Verletzungen und führt so nicht zu Ideen, wie Beteiligte in solchen Situationen besser reagieren könnten.

    Ich denke und empfinde gelegentlich sexistisch, rassistisch und völkistisch. Das sind nicht die einzigen Gedanken und Empfindungen, und sie stehen meist nicht im Vordergrund. Das halte ich für normal und unterstelle, dass es den meisten Menschen so geht. Ein Problem wird erst dann daraus, wenn ich diese Wahrnehmungen nicht hinterfrage, sie nach außen dringen lasse und Schaden damit anrichte.

    Damit sind die hier im Forum und in der öffentlichen Debatte geführten kategorischen Feststellungen nicht falsch oder wertlos, ich finde nur, es geht noch genauer. Was ist passiert? Worin besteht die Verletzung? Wie kann das verhindert werden? Wer kann was tun?

    Es geht besser. Seid präzise!

    • Michael

      Ich glaube, die Sache ist weit komplexer als bisher überdacht.

      So ist es mE nicht nur eine Machtspiel, sondern es kann oder spielt auch gesellschaftlich toleriertes Anbaggern hinein – auch wenn es hier zu anzüglich und auch “grenzüberschreitend” passierte. Ja und wo ist “die Grenze”, die überschritten wird? Ist nicht schon der Blick auf die Brust eine Grenzüberschreitung oder erst wenn der Blick sich dort 3 Sekunden oder 20 Sekunden hält? Und warum fällt der Blick dorthin? Weil der der Ausschnitt so groß ist, weibliche Merkmale bewusst präsentiert werden? Dieses wird auch noch gesellschaftlich honoriert (ich denke da an den rießengroßen Ausschnitt der Bundeskanzlerin). Also da wird doch auch nach Aufmerksamkeit gesucht, oder? Die Reize werden doch bewusst inszeniert.

      Der Stern gibt immerhin zu, dass sie bewusst Journalistinnen für bestimmte Recherchen einsetzen, weil dann die Männer eher aus sich herauskommen … auch eine Grenzüberschreitung?

      Der ganze gesellschaftliche Hintergrund baut mittlerweile auf Sex, selbst Yoghurt, Internetprodukte (wie Alice) werden mit nackten Frauen beworben werden. In jeder Talkshow wird man zu Sex befragt, viel zu viel dreht sich um dieses Thema. Das kann auch ein gesellschaftlicher Prozess sein, dass manche die Orientierung verlieren, was geht und was nicht …

      Ein weites Feld. In jedem Fall wünsche ich mir auch eine weitgreifendere und tiefere Diskussion.

      • Michael

        Ja, das wäre die Lösung: Die “Burka” für den Mann, damit “wir in einer Gesellschaft leben … in der sich Frauen kleiden können wie sie möchten.” (Janusz).

        Warum sollten Frauen sich verhüllen, wenn Männer schwach werden? Die Männer müssen ihre Augen verhüllen. Finde ich logisch – wenn man denn so (eingleisig) denkt.

        Das Problem ist wohl eher, dass es darum geht, realistisch miteinander zu leben und einen akzeptablen Verhaltenscodex oder ethische Standards zu finden und diese zu kommunizieren. Ethische Standards, die ein Zusammenleben mit möglichst wenig (gar nicht wird es wohl kaum geben) Übergriffen ermöglicht. Dazu gehört auch (wie es die ZEIT) aufzeigt, dass Frauen Grenzen setzen und andere (Zeugen von Übergriffen) sie beim Grenzenziehen unterstützen.

        Das ganze dreht sich also vor allem auch um Ethik, die Ethik des Einzelnen und unserer Gesellschaft insgesamt.

        Dass Brüderle definitiv zu weit gegangen ist und so ein Verhalten nicht akzeptabel ist, ist für mich klar. Nur wenn die Presse bewusst Frauen als Journalisten einsetzt und Frauen sich auch gerne freier präsentieren und ihre “Reize” inszenieren, wo ist da “die Grenze” zu ziehen. Die freie Präsentation lädt zum hingucken ein, vom Hingucken kommen Gedanken, Gedanken formulieren sich in Worten … – es sei denn Mann hat sich unter Kontrolle (was späte abends und unter Alkohol eher unwahrscheinlich ist).

        Ist nicht schon der Blick auf die Brust eine Grenzüberschreitung oder erst wenn der Blick sich dort 3 Sekunden oder 20 Sekunden hält?

        Der Stern gibt immerhin zu, dass sie bewusst Journalistinnen für bestimmte Recherchen einsetzen, weil dann die Männer eher aus sich herauskommen … Grenzüberschreitungen muss man schon auch in ihrem komplexeren Zusammenhang und Entstehen begreifen. Es ist doch schon grenzwertig, dass der Redaktionen bewusst für bestimmte Anlässe junge Redakteurinnen bei bestimmten Männern oder Problemen einsetzen, damit sie “mit ihren Reizen” mehr Informationen bekommen …

        • Mina

          Ich hatte das mit der Burka eher sarkastisch verstanden, nicht ernst gemeint.

        • Sophie

          ”Die freie Präsentation lädt zum hingucken ein, vom Hingucken kommen Gedanken, Gedanken formulieren sich in Worten … – es sei denn Mann hat sich unter Kontrolle (was späte abends und unter Alkohol eher unwahrscheinlich ist).

          Ist nicht schon der Blick auf die Brust eine Grenzüberschreitung oder erst wenn der Blick sich dort 3 Sekunden oder 20 Sekunden hält?”

          Wie gesagt lernen sie den Unterschied zwischen Grapschen und Geben. Ich als Frau präsentiere mich nicht, sondern ich BIN!!! Wenn ein Mann Frauen nur als Präsentationen wahrnimmt, dann sollte er mal seine Wahrnehmung überdenken!

          ”damit sie “mit ihren Reizen” mehr Informationen bekommen …”

          Wenn einige Männer sich zum Hampelmänner ihrer Hoden machen, dann haben sie selber Schuld. Sie sind hier kein Opfer, denn dieses geschieht auf der Basis der Freiwilligkeit. Die Frau zwingt ihn nicht Informationen zu geben. Und auch dass Männer sexuell attraktiven Frauen mehr Informationen geben ist ebenfalls sexistisch. Das tun sich Männer aber selber an….

        • menschelnd

          @Michael
          noch einmal – obwohl hier von mehreren schon angemerkt.

          wir brauchen keine weiteren bzw. neu-definierte Grenzen.

          1. die Grenzen stehen fest und sind durch die_den Einzelnen definiert.
          2. als Handelnde_r habe ich die Verpflichtung mich der Grenzen anderer zu versichern

          Du willst einer Frau auf ihre Brust schauen?
          Dann frag dich doch erst einmal, Warum?

          Wenn nicht die Antwort darauf – dich schon von deinem Vorhaben abbringt, dann interessiere dich dafür, was die Frau will.

          Hierfür haben wir die vielfältigen Möglichkeiten der Kommunikation…
          …und…
          …Kommunikation beginnt über Blickkontakt – WENN du also feststellen willst, ob und was dein Ggü will – suche den Kontakt genau dort – du wirst die bemerkenswerte Erfahrung machen, wie verständig und einvernehmlich Menschen selbst nonverbal miteinander Kommunizieren können – ergänzend gibt es dann die Sprache.

          diese Regeln und somit Grenzen sind wahrscheinlich noch viel schlichter zu verstehen (und anzuwenden), als (fikive) Triebe zu kontrollieren.

  44. Alf

    Die Autorin kann leider Sexualität und Sexismus nicht auseinander halten. Der Typ in der Kneipe ist heterosexuell, betrunken und geil, nicht sexistisch. Schau doch mal in einer Schwulenbar vorbei, was da mitunter so abgeht – sind das dann Männerhasser?

    • Mina

      Jemanden zu bedrängen, der eindeutig kein Interesse zeigt, und ungefragt auf Geschlechtsmerkmale zu kommentieren, hat mit Sexualtiät nichts zu tun. Natürlich geschieht so etwas überall, unabhängig vom Geschlecht.

    • Sophie

      ”Der Typ in der Kneipe ist heterosexuell, betrunken und geil”

      Und deswegen haben so welche Typen ein Recht Frauen sexuell anzugreifen?

      • Alf

        @Mina: Mit was denn sonst?
        @Sophie: Wer schreibt das denn? Bitte genauer lesen.

        • Mina

          Zum Beispiel mit Machtausübung, Rücksichtlosigkeit, Respektlosigkeit.

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  46. Pingback: 24 Stunden später | Ach komm, geh wech!

  47. Kleine inhaltliche Anmerkung: Den Brüderle-Artikel haben nicht ein Journalist und eine Journalistin gemeinsam geschrieben. Nur der Artikel auf stern.de stammt aus der Feder eines gemischt-geschlechtlichen Autorenduos. Das Original ist nur im Print-Stern erschienen und stammt nur von Laura Himmelreich. Das zur Klärung…

  48. Michael

    Glaube eher nicht …

    Im Übrigen, wie verlogen die Presse ist, beweist Stern gerade auf der Online Präsentation. Da gibt es einen Artikel zur Sexismus Debatte “Beweg dich, Mann!” und gleich darunter einen Artikel “Olivia, wring deine Brüste aus”.

    Diese Scheinheiligkeit ist schwer zu ertragen. Ich denke am Ende geht es der Stern-Readaktion auch nur im Quote und Klickzahlen. Solche Doppelmoral schadet einer ehrlichen Debatte. Mehr Selbstrelfexion würde der Presse gut tun.

  49. Ptz

    Mal angenommen wir Männer wären wirklich nicht ‘besser ‘als Tiere. Könnten unsere Triebe nicht besiegen. Nur mal angenommen es wäre so…. Und dann?

    • Sophie

      Na und?
      Er hat trotzdem nicht das Recht zu vergewaltigen.
      Der Trieb des Mannes geht nicht über die Unversehrtheit der Seele eines Menschen. Das ist ja abartig, sowas zu verlangen. Gerade weil es Männer gibt, die meinen sie hätten einen Anspruch auf Sex nur weil sie ein Trieb haben, haben wir das Problem.
      Wozu gibt es Masturbation?
      Und wenn der Mann merkt, er wird gemeingefährlich, dann soll er etwas schlucken oder sich kastrieren lassen!

  50. Michael

    Ich heiße das Verhalten von Herrn Brüderle nicht gut und es ist noch schräger, da er verheiratete ist.

    Ich lasse mir allerdings nicht unterstellen, dass ich sagen würde “Frau sei selbst Schuld” – ganz im Gegenteil.

    Von Schuldzuweisungen halte ich rein gar nichts. Ich versuche eher zu verstehen, wie Ereignisse sich aus vielfältigen Dingen zusammensetzen und entstehen. Wenn ich das besser verstehe, sehe ich auch klarer wo eine Lösung liegen kann. In Schuldzuweisungen sicher eher nicht.

    Ich teile auch nicht diese Ansicht:

    “Das ist keine Art. Männer glauben sie haben einen Anspruch auf Sex und damit geben sie sich aber ein Vergewaltigungsrecht.”

    So denke ich nicht und ich weiß nicht ob frau das so verallgemeinern kann.

  51. Michael

    Nun, ich weiß natürlich nicht was einer Frau durch den Kopf geht, die eine möglichst freizügige Garderobe anzieht. Wo der Blick dann auf … fällt. Aber der Blick fällt dann eben nun mal darauf und verweilt gegebenenfalls und dann geht die Kette los …

    Ich nehme Frauen nicht als Präsentation wahr ;-) aber im Blick eines Mannes, der auf den großzügigen Ausschnitt fällt (ein sehr beschränkter Blick und Auszug) “präsentiert” sich da etwas sehr vordergründig. Darauf muss Mann dann reagieren und bei später Stunde und Alkohol wird das vielleicht etwas schwerer …

    “Wenn einige Männer sich zum Hampelmänner ihrer Hoden machen, dann haben sie selber Schuld. Sie sind hier kein Opfer, denn dieses geschieht auf der Basis der Freiwilligkeit. Die Frau zwingt ihn nicht Informationen zu geben. Und auch dass Männer sexuell attraktiven Frauen mehr Informationen geben ist ebenfalls sexistisch. Das tun sich Männer aber selber an….”

    Also ich stimme Ihnen völlig zu, das Männer sich sehr sehr oft gegenüber Frauen zu pupertierenden Hampelmännern machen. Offensichtlich haben sich da nicht so viele im Griff. Es sind eben unreflektierte und unkontrollierte Reflexe, die da ablaufen können. Es wäre weit besser das im Griff zu haben – haben aber nicht alle. Von daher bin ich ein Befürworter einer klaren Ansage – falls das geht: “Hallo, das geht jetzt aber zu weit.” Das war auch ein Vorschlag den die ZEIT hatte.

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  54. Uwe Mannke

    Steinmeier hat für mein Gefühl am intelligentesten reagiert. http://www.business-on.de/weser-ems/nach-bruederle-affaere-steinmeier-ruft-insbesondere-politiker-zu-professioneller-distanz-auf-_id28468.html.

    Im übrigen haben wir das Strafrecht und das Risiko, öffentlich Ansehen einzubüßen. Brüderle schweigt, wenn die Vorwürfe falsch wären, hätte er sich wohl schon geäußert. Er wird sein Verhalten korrigieren müssen. Vielleicht war es tatsächlich richtig dass er genau jetzt eine öffentliche Ohrfeige bekommen hat. Allerdings ist seine Eignung für die Bundespolitik nicht an diesem Fall zu messen. Mal sehen, ob Frau Himmelreich hier noch mit einer guten Recherche aufwarten kann.

  55. FrauZunder

    Wenn ein Mann einer Frau an den Busen grabschen sollte, ist es eine logische Folge, diesem Mann eine zu klatschen.
    Wer von euch Mädels ist denn bitte noch so erzogen, dass man in so einem Fall still hält?

    • Mina

      Das hat doch nichts mit Erziehung zu tun. Manche Frauen sind körperlich überlegen, manche Männer machen das in Gruppen, manchmal steht man in einem Abhängigkeitsverhältnis, z.B. beruflich. Es lässt sich immer leicht sagen hätte wäre könnte, aber oft ist es in der Situation dann doch noch mal ganz anders.

  56. dan

    dieser Vergleich des Ausschnitt “präsentieren” = kann als Einladung missverstanden werden

    ist peinlich und albern, denn es auch bloß nichts anderes als “victim blaming” – nur subtiler getarnt! -.- Selbst wenn eine Person irgendwo nackt auftaucht, muss sie nicht mit Kommentaren oder gar mehr rechnen. Auch in der Sauna wird (zum Glück in den meisten Situationen) Anstand gewahrt, auch wenn da alles “präsent” ist.

    Und dass hier keine Schuld auf eine Frau mit Dekolleté zu schieben ist, müsste inzwischen eingentlich klar geworden sein. Man_frau könnte das grenzüberschreitende Verhalten an einer ganz einfachen Frage klar machen:
    Warum verhält sich die grenzüberschreitende Person gerade hier so – und nicht etwas beim Anblick seiner Schwester oder Chefin, die das gleiche Outfit mit tiefem Ausschnitt trägt? Ganz einfach: weil hier Machtfragen im Spiel sind. Es gibt nun mal Menschen, bei denen offenbar angenommen wird, dass es okay sei, sich (ungewollt) sexistisch zu äußern oder zu verhalten.

    Die hier kommentierten Männer* KÖNNEN sich nämlich durchaus respektvoll verhalten, aber sie er_finden leider zuweilen abstruse Gründe, es nicht zu tun (späte Uhrzeit, Alkoholpegel, “gewagte” Kleidung der Frau, bla bla kotz).

    Das ist respektlos. Und zwar immer!

    • Michael

      Danke Dan.

      Mir geht es nicht um Schuldzuweisungen noch Rechtfertigung für Fehlverhalten. Ereignisse setzen sich komplex zusammen und aus vielen Ursachen und Bedingungen.

      Das Verhalten von Brüderle ist inakzeptabel für mich. Wenn allerdings Redaktionen bewusst junge Journalistinnen einsetzen “um die Schwäche” einzelner Politiker auszunutzen, ist das ein Beitrag zum Übergriff, der auch eine Rolle im Ganzen spielt.

      Ich möchte auch noch einmal klar stellen, dass ich mich nicht auf das Ereignis beziehe, wenn ich sage, dass wenn Frauen sich sehr freizügig anziehen, dies Wirkungen auf Männer hat (und ja wohl auch eher haben soll). Für Männer, die sich weniger im Griff haben und dann bei später Stunde und Alkohol, ist das eben ein Stein im Gesamtpuzzle des Ereignisses. Das würde ich nicht ignorieren. Die Frage ist nur wie man das gewichtet. “Victim Blaming” würde “die Schuld” dann der Frau geben und den Mann als Opfer darstellen. Im Falle des diskutierten Ereignisses: da liegt aus meiner Sicht die Verantwortung bei Brüderle. Er hat mE einen groben Fehler gemacht und nicht die Journalistin. Es ist mE richtig, dass das angesprochen wird und als nicht akzeptabel angesehen wird.

      Du kannst meine Gedanken / Überlegungen als subtiles “Victim Blaming” bezeichnen und wahrscheinlich sehen das auch andere so. Für mich ist es nur ein geringerer Teil im Gesamtbild.

      (Dass ich das überhaupt einbrachte hatte ganz andere Ursachen, nämlich das “Geständnis” eines Mannes gegenüber einer Freundin, der fast verrückt wird im Sommer, wenn sich alle Frauen so freizügig anziehen. Das löst also auch etwas aus und einigen fällt es offenbar sehr schwer damit umzugehen. Das rechtfertigt aber nicht Übergriffe oder süffisantes Auftreten. In Bezug auf Kleidung: Im Zusammenhang mit dem Kopftuch-Verbot las ich Beiträge von Frauen, dass sie das Kopftuch mögen, weil sie sie schützt – vor den lüsternen Blicken von Männern. Es gibt da also ein Problem … mE ist es nur durch Kommunikation und Lern- Veränderungswillen bzw. ethische Leitlinien /Vereinbarungen zu lösen.)

      Aber dabei will ich’s in dieser Debatte belassen.

      • Michael

        Ach so, nun wäre für mich auch die Frage nach Lösungen. Also bei mir haben sich bisher folgende Lösungsmöglichkeiten ergeben, was mann oder frau tun kann/könnte:

        Mann:
        – sich in den Griff kriegen (öffentliche Scham ist ein echtes Heilmittel – eben weil sie weh tut – um Einsicht für Selbstkontrolle zu entwickeln)
        – sich besser kennenlernen: wenn ich weiß, dass meine Gedanken/Sinne/Sprache/Körper durchdrehen zu später Stunde und unter Alkohol, dann muss ich drauf achten, solche Situationen zu meiden oder mich rechtzeitig aus solch einer Situation zu lösen (dazu kann man sich Handlungsalternativen vorstelllen und mental einüben: ‘wenn das und das wieder zusammenkommt, dann werde ich nicht so … , sondern so … reagieren’)
        – mehr Bewusstsein für übergriffige, sexistische Sprache zu entwickeln (passiert hoffentlich auch durch die Debatten derzeit)
        – sich Grenzlinien ziehen, die man nicht überschreitet (also Herr Kubicki z.B.: eben nicht Nachts unaufgefordert bei einer Journalistin an der Tür klopfen – erst recht nicht wenn man verheiratet ist)
        – und wie Steinmeier das so schön sagte: “professionelle Distanz wahren”

        Frau:
        – wenn es geht solche Dinge direkt ansprechen oder sofort danach – und selbst später noch, sich dazu Verbündete suchen, die einen klar unterstützen
        – öffentlich machen um den Täter zu beschämen und zu Einsicht und Korrektur zu bringen – eine Entschuldigung wäre auf alle Fälle angemessen vom Übegriffigen
        – Situationen im Vorfeld einschätzen und eine Handlungsalternative zu haben (und sei es ein auswendig gelernter Standardsatz, Geste oder zB abrupt zu gehen und die Person stehen zu lassen)
        – Die eigenen Männer und männlichen Freunde darauf aufmerksam machen, wenn sie sexistische Sprache verwenden (Sensibilisierung)

        Ich hoffe das hört sich nicht arrogant an.

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  60. menschelnd

    Hallo Mina,

    für mein Verständnis hast du ausreichend treffende Worte gefunden – und ich denke auch für jede_n sonst (mindestens) durchschnittlich intelligenten Menschen.

    vorab meine Haltung,
    dein Beitrag ist nicht diskutabel – auch nicht relativierend *PUNKT*
    Dort wo Kommentartorinn_en dies tun, bestehen eben abweichende Meinungen zu deiner – allerdings weichen diese dann auch von deinem Thema ab….

    @all
    Jede Argumentation, die ggf. eine Zustimmung äußert und dann mit einem “aber” fortsetzt – relativiert sich erst einmal selbst – und nicht den kommentierten Beitrag.

    Beispiele “relativierender” Argumente:
    Alkohol
    Männern passiert dies auch
    Timing des Ursprungsbeitrages (v. L. H.)
    Männer sind so

    zu einigen “ABER”-Kommentare – möchte ich anmerken;

    ich bin biologisch geboren, als Mann – das habe ich nicht beeinflussenn können
    ich bin sozialisiert, als Mensch – daran habe ich den größten Anteil
    übrigens – in den gleichen patriarchalischen Grundstrukturen :-(

    Insofern distanziere ich mich davon (nicht nur hier durch Kommentare) auf Grund meines biologischen Geschlechts gleichgesetzt zu werden – mit vermeintlich männlichen (Zwangs)Verhalten, reduzierenden Denk- und Reflexionfähigkeiten und dem Ausgeliefertsein an Alkohol, …

    Es gibt nichts zu diskutieren! und kein “ABER”
    Sexismus ist eine diskriminierende Umgangsform, die ausschließlich auf einer hierarchieschen Struktur – also auf Machtgefälle – basisert.
    Wer dies, als seine Handlungsgrundlage nutzt, will unterdrücken – also den eigen Willen anderen aufzwingen
    Hierbei spielt keine Rolle, ob dies (vordergründig) bewusst oder unbewusst geschieht, denn es ändert nichts an der diskriminierenden Wirkung, welche (vorrangig) anderen Schaden zufügt. – Ich trage für alles was ich tue die Verantwortung und für die Folgen die Mitverantwortung.

    Noch eine Ergänzung an die *männliche* Betroffenheit – es bleibt auch hier die eigene Entscheidung, sich mit allgemein gehaltende Einschätzungen anderer zu identifizieren.

    ein sehr passendes Beispiel:
    Ich habe mich noch nie, als Vergewaltiger empfunden, wenn gesagt wird “alle Männer sind potenzielle Vergewaltiger”
    UND
    Ich habe verstanden, wenn ich in einer einsamen Situation hinter einem Menschen laufe, dass ich – also meine Anwesenheit – als potenzielle Gefahr wahrgenommen wird.
    DIES macht mich betroffen, weil ich nicht möchte, dass andere sich durch meine Anwesenheit bedroht fühlen.

    Als ich dies verstanden hatte – es AKZEPTIERT habe, konnte ich nach Lösungen suchen und entsprechende Situationen vermeiden – mindestens auflösen.

    NEIN hier ist nichts “nauturbedingt”
    und
    JA, die Situation ist veränderbar – das Schlüsselwort ist Empathie, welche in jedem Menschen angelegt ist – und dort wo sie auf Grund des persönlichen Lebensverlaufes nicht ausgeprägt ist, kann sie jederzeit entwickelt werden.

    Ich weiß wovon ich rede – denn ich habe sie mir hart erarbeiten müssen.

    UND

    Ich flrite für mein Leben gern – mehr mit Frauen, als mit Männern – frage nach Telefonnummern, ob sie mit mir tanzen will, etc. – dies tue ich, weil es mir Spaß macht – ich mich dabei wohl fühle.
    ABER, wie will ich mich wohlfühlen, wenn mein Ggü. sich mit mir nicht wohl fühlt – DIES werde ich (wohl) nie verstehen…

    menschelnde Grüße

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  64. MZ

    ZItat:”Ach, und zu dieser kläglichen Partei von Sexismus-relativierenden Vollidioten: sie sollten sich vielleicht mal ein paar Minuten in Ruhe mit ihren Töchtern, Enkelinnen, Nichten, Freundinnen, … zusammen setzen und sie zu ihren Erfahrungen befragen. Und danach sollten sie sich ganz lange ganz intensiv schämen.”

    Eine komplette Partei als kläglich und von “Sexismus-relativierenden Vollidioten” zu bezeichnen ist keineswegs guter Stil.

    Ich schlage vor, Sie selbst sollten mal mit etwas Abstand das lesen, was Sie schreiben und sich dann ggf. “ganz lange ganz intensiv schämen”.

    • Mina

      So wie die FDP (Ausnahmen gibt es natürlich immer und ich möchte nicht jedem Mitglied Reflektionsfähigkeiten absprechen) sich seit Tagen verhält, bleibe ich bei der Aussage. Glorreiche Ausnahme ist natürlich Frau Koch-Mehrin. Und schämen muss ich mich für den Artikel wirklich nicht :)

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