Schlagwort: piraten

Are you professional or not?*

In den letzten Wochen, post-Wahlausgang und pre-Koalitionsverhandlungen, konnte man einiges über die (vermeintlichen) Zustände der verschiedenen Parteien lesen. Einige Runden traten geschlossen zurück, andere fielen in eine Schockstarre, wieder andere sparten sich die interne Analyse gleich ganz. Zur SPD verlor ich schon einige Worte, und ja, ich weiß, ihr atmet schon tief ein weil ihr glaubt, jetzt kommt wieder ein feministischer Nörgelartikel konstruktives Feedback zur Partei, aber keine Sorge, mir geht’s heute mal nicht um die Männer(tm) und ihre Netzwerke(tm) Homosozialität, sondern um was ganz anderes: den Professionalisierungsgrad politischer Organisationen.

In der letzten ZEIT war ein Interview mit Harper Reed, seines Zeichens verantwortlich für die Analysen zu Wähler_innenverhalten in Obamas letzten Wahlkampf. Auf eine Frage hin antwortete er, dass er in Deutschland von Mitarbeitern Peer Steinbrücks angesprochen wurde, der SPD bei der Datenanalyse zu helfen, er jedoch ablehnte (u.a. auch weil er sich mit der deutschen Politik und den Werten der SPD zu wenig auskannte, fair enough). Ich kam ein bisschen ins Grübeln, und erinnerte mich daran, wie gehyped alle 2009 auf Obamas ersten Wahlsieg geblickt hatten und im Wahlkampf so super modern mit diesem neuen Twitter und mittelneuen Facebook hantierten. 2012 war Social Media mehr oder weniger gesetzt, eine gründliche Big Data Analyse blieb jedoch aus. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein, ich möchte auf dieses Symptom jetzt auch gar nicht so detailliert eingehen (dafür fehlt mir auch zu viel Wissen, was genau im Detail besprochen wurde). Symptom? Jupp, genau. Symptom.

Die SPD wollte 2011 mit ihrer Parteireform die „modernste Partei Europas“ werden. Erst gestern kam wieder ein Newsletter, in dem es hieß: „Wir setzen Standards für eine moderne Mitgliederpartei, an denen sich andere in Zukunft orientieren werden.“ Starke Worte für eine Partei, der es nach wie vor an Diversität (in x-Dimensionen), Flexibilität und in weiten Teilen Modernität (was auch immer das heißt) fehlt. Doch die homosoziale Verhaltensstarre und kognitive Dissoziation sind nicht nur Hindernisse auf dem Weg zur modernen Partei –  sie sind Symptome für mangelnde Professionalität, also der Professionalisierung als Weg weg von einer Klüngelrunde, in der miteinander bekannte Personen Politik machen, hin zu einer offenen, transparenten, professionellen (lesbar als: sachlich-konstruktiven) Organisation, in der gleiche Chancen und Einflussmöglichkeiten herrschen.

Aus der Organisationstheorie und dem Strategic Management kennt man verschiedene Koordinationsformen innerhalb von Organisationen, mit Hilfe derer sich Individuen absprechen und so die gemeinsame Erschaffung von etwas ermöglichen. Dieses „etwas“ könnte, auf Parteien übertragen, z.B. ein Wahlkampf sein – aber auch kollaborativ entstehende Anträge, eine Parteireform oder ein interner Strukturwandel. Bei den Koordinationsformen sind für Parteien vor allem „Regeln und Vorgaben“ sowie „Routinen“ hervorzuheben. Weiterhin werden Parteien über eine strikte Hierarchie gesteuert, über der ein Parteivorstand mit angebundenen Querschnittsfunktionen sitzt. Unter dem PV gibt es wiederum Landesorganisationen mit jeweils eigenen Querschnittsfunktionen. Über all dem liegt die Satzung (Stichwort Regeln und Vorgaben).

Das Problem an dem Koordinationsmechanismus „Regeln und Vorgaben“ ist: er eignet sich besser für standardisierte Aufgaben und Tätigkeiten (z.B. Personalwahlen) und gibt wenig Spielraum für flexible Entscheidungen – für eine Partei im Wahlkampf also eine denkbar schlechte Wahl, ebenso wie für eine Partei, die sich modernisieren möchte. Wird eine Organisation über „Routinen“ gesteuert, setzt dies andererseits enge Zusammenarbeit und gegenseitige Abhängigkeit zwischen Individuen voraus. Bei einer Organsiationsform mit etwa 500.000 Individuen eine schier undenkbare Koordinationsform, sie könnte jedoch ggf. in einem kleinen Team funktionieren – würde man nicht genau diese homosoziale Konstellation aufbrechen wollen auf dem Weg hin zur Modernisierung.

Aber es gibt noch mehr Probleme: wie stellt man Kooperation in einer Partei sicher, die voller Agency-Problematiken steckt? Kurzer Exkurs zur Principal-Agent-Theory: ein Principal (Auftraggeberin) beauftragt einen Agent (Auftragnehmerin) mit einer Leistung. Zwischen beiden herrscht eine Informationsasymmetrie, in dem Sinne, dass der Agent einen Wissensvorsprung gegenüber dem Principal hat. Da beide ihren individuellen Nutzen maximieren möchten, wird der Agent diesen Vorsprung wohl ausnutzen. Meist wendet man diese Theorie bei Verträgen an (wenn ich z.B. bei einem Gebrauchtwagenhändler ein Auto kaufen möchte, hat dieser einen Wissensvorsprung und wird diesen durch höhere Preise ausnutzen…), aber auch bei organisationstheoretischen Überlegungen. Bei einer Partei ist sie dann relevant, wenn es darum geht, den eigenen Status, eine (Wieder-)Wahl oder schlicht die eigene Stelle zu sichern. Dies funktioniert in beide Richtungen: Mitarbeiter_innen, die mit Analysen beauftragt werden, haben einen Wissensvorsprung ggü. der Vorgesetzten, und die Parteivorsitzenden, die von der Basis mit einer Parteireform beauftragt werden, haben einen Wissensvorsprung ggü. der Basis. Und so weiter…

Die Agency-Problematik taucht in allen Formen menschlicher Interaktion auf und ist hierarchieunabhängig. Als Lösungsansatz für eine Partei eignen sich geteilte Werte  wohl besser als die üblichen Kontrollmechanismen und finanziellen Anreize. In Unternehmen nennt man das oft „Leitbild“, in Parteien ist es der inhärente Selbstzweck. Theoretisch, zumindest. Denn ohne gänzliche Kontrollmechanismen verkommt eine Partei schnell zu einer Organisationsform, die z.B. offene Stellen überhaupt nicht mehr ausschreibt und die Agenten (Entscheider_innen) ihren Wissensvorsprung gegenüber der Organisation so ausnutzen können, dass diese meist über (persönliche) Netzwerke besetzt werden. Wo wir wieder bei der Homosozialität wären. Organisationen, die ihre Agency-Probleme hauptsächlich über geteilte Werte lösen sind übrigens Kirchen, Mafia-Vereinigungen und Apple.**

Parteien versuchen diesen Konflikt überdies hinaus durch ihre Hierarchien (und damit verbundenen Personalwahlen) zu lösen. Dass Wahlen in Parteien und die Übernahme politischer Ämter per se nicht so gleich und gerecht sind, wie sie auf den ersten Blick theoretisch erscheinen, kann man sehr gut bei Swartz und natürlich Bourdieu nachlesen. Hierarchien in Parteien erfüllen jedoch noch einen weiteren Zweck, der über die Möglichkeit der politischen Partizipation hinaus geht: sie dienen als Kontrollinstrument durch Bürokratie. Dies lässt sich an der SPD beispielsweise gut durch das kontinuierliche einfach nicht Zustande-Kommen der virtuellen Ortsvereine ablesen, oder den unmöglich hohen Quoren bei Mitgliederbegehren und -entscheiden. Weber basierte Bürokratie einst u.a. auf hierarchischen Strukturen, Koordinierung und Kontrolle, standardisierten Beschäftigungen und Normen sowie der Formalisierung. Eine Partei ist sicherlich eine besondere Form der Bürokratie, nichtsdestotrotz ändert es nichts an ihrem bürokratischen Charakter.

Die bürokratische Form wurde in den letzten Jahrzehnten in vielen Organisationen jedoch vermehrt von organischen Organisationsformen abgelöst. Diese sind durch weniger formalisierte Strukturen, weitere, vielfältigere Jobbeschreibungen und flexible, mulitdirektionale Interaktionen gekennzeichnet. In der informellen Hierarchie von Parteien mag dies bereits durchaus im Hintergrund so geschehen, während die formelle Hierarchie und Aufgabenverteilung den derzeitigen Status der jeweiligen Hierarchien erhält und unprofessionelles, sprich nicht-sachbezogenes und nicht immer konstruktives, Verhalten fördert. Viele Unternehmen und andere Organisationen haben jedoch erkannt, auch unter Einbezug von verhaltenspsychologischen Erkenntnissen, dass eine bürokratisch-hierarchische Organisation oft weniger produktiv, effizient und gerecht arbeitet als eine organische Organisation. Als Vorreiter für organische Organisationen werden oft Unternehmen aufgeführt, die zu New Economy Zeiten (durch)starteten: Google beispielsweise mitsamt flacher Hierarchie und Fokus auf Work-Life-Balance.

Der Einbezug sogenannter weicher Faktoren wie Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Diversitätsförderung oder die Möglichkeiten von Homeoffices, haben die Organisationsentwicklungen der letzten Jahrzehnte geprägt. Eigentlich geht sie jedoch schon viel weiter zurück: in den frühen Arbeitersiedlungen in Rheinland und Ruhrgebiet baten große Konzerne ihren Arbeiter_innen und Familien großflächige Erholungsmöglichkeiten in Form von Schwimmbädern, Kinderbetreuung oder auch Parks. Nicht zuletzt die Sozialdemokratie in ihrer frühen Form trug dazu bei, der reinen Reduktion von Menschen auf ihre Arbeitskraft in Deutschland Einhalt zu gebieten. Umso verwunderlicher ist es, warum rein deutsche Organisationen in großen Teilen – sowohl in Wirtschaft, Medien und Politik – internationalen Counterparts nun oft hinterherhinken, was die Modernisierung oder Professionalisierung der Arbeitsumgebung angeht. Konzepte wie Homeoffice scheinen schwer auf die starre hierarchische Bürokratie übertragbar zu sein, insbesondere im Bereich der Politik. Und nicht zuletzt das Umgehen in der eigenen Organisation der selbst geschaffenen Regeln und Vorgaben für andere Organisationsformen, z.B. im Bereich des AGG, verhindern das Entstehen organischer Strukturen und stabilisieren so die fixen formellen und informellen Entscheidungswege.

Das Problem der mangelnden Professionalisierung in der deutschen Politiklandschaft ist jedoch weniger ein Problem der Organisationsform als ein Problem des strategischen Managements, wie nicht zuletzt das Beispiel der Piratenpartei zeigt. Es scheint in deutschen, p0litischen Organisationen taktische Überlegungen zu Gremien, Gliederungen und Funktionen zu geben, stets jedoch höchstens mittelfristig geplant und an personelle Konsequenzen gebunden. Eine strategisch sauber implementierte Vision, wie Politik sich als Einheit selbst organisieren sollte – und damit zwangsläufig auch interessanter für habituell nicht verankerte Gruppen werden könnte – fehlt. Auf dem Weg zu moderner Politik und Anreizen für politische Partizipation muss daher weiter gedacht werden als Quoten und Arbeitsgruppen: eine institutionelle Änderung bedarf einer anderen Geisteshaltung, einer Vision und vor allem strategischem Management. Kurz: es bedarf Professionalität.

Die deutschen politischen Organisationen werden weiterhin so lange vor Innovation verschlossen bleiben und folglich eine Legislaturperiode später die von professionelleren Organisationen erarbeiteten Tools übernehmen, wie sie weiterhin an Symptomen herumdoktern. Eine schwindende Mitgliederzahl und steigende Homosozialität sind nur die logische Folge.

 

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* Der Titel ist eine Referenz auf Christian Bale.

** neben Apple wären noch NGOs zu erwähnen, die auch oft über gemeinsame Werte gesteuert werden. In der Aufzählung klingt es aber lustiger ohne die Zunahme von NGOs. Es sei mir verziehen.

Für weitere Infos könnt ihr euch
Grant (2005): Contemporary Strategy Analysis, sowie
Swartz (2012): Grundzüge einer Feldanalyse der Politik nach Bourdieu
reinziehen. Viel Spaß!

Ein neues Kaliber

fems

bam

Am Samstag war die Openmind Konferenz, kurz #om13, in Kassel. Teilnehmer_innen verschiedener Parteien diskutierten über Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kunst… und das alles sehr konstruktiv, freundlich und tolerant. Jasna Strick hat einen Vortrag über Hate Speech gehalten, in dem sie Screenshots von Erniedrigungen, Bedrohungen und Beleidigungen zeigte, die feministische Aktivist_innen im Laufe der letzten Monate bekamen. Teils ist das harter Stoff, wenn da z.B. eine Schwangere bedroht wird. Der Vortrag verlief sehr ruhig, und über große Teile lässt Jasna die Kommentare einfach für sich sprechen. Ansehen kann man das ganze hier.

Was im Nachgang passierte ist ein Lehrstück für sich. Lehrsam, weil es viel über anti-feministische und frauenverachtende Strukturen offen legt, lehrsam, weil es zeigt, wie durch bestimmte Narrative manipuliert wird. Ich versuche im Folgenden die Mechanismen auseinander zu dividieren.

1. Doppelstandards.
Ein Teil der Kritik an Jasnas Vortrag lautete, dass Twitternamen und -fotos von Hatern öffentlich zu sehen waren. Es wurde verlangt, Beiträge auszublenden oder den ganzen Vortrag runterzunehmen – interessante Forderungen einer Gruppe, die Blocken als Zensur bezeichnet. Dabei wird augenscheinlich verdrängt, dass alle mit #aufschrei getaggten Replies ohnehin auf verschiedenen öffentlichen Seiten zu sehen sind oder waren und mit dem bewussten Benutzen eines Hashtags auch gezielt auffindbar gemacht wurden – von den Verfasser_innen selbst. Weiterhin wird verschwiegen, dass eben diese Hater oftmals Links zu Seiten wie Berufszyniker.com verbreiteten, eine Seite, die mittlerweile offline ist (einen Teil kann man noch hier nachlesen) und mit viel Mühe Klarnamen, Arbeitgeber_innen und ehrenamtliche Tätigkeiten verschiedener Frauen gegen ihren Willen auflistete. Eine ganz andere Dimension, als selbstgewählte Twitterpseudonyme und -profile, bei denen selbst Namen und Bilder nicht einwandfrei zu verfizieren sind, zu screenshotten.

2. Es trifft immer die Frauen
Eine im Vortrag zitierte Frau berichtete kurz darauf, dass sie Drohungen erhalten hätte auf Grund der Sichtbarkeit ihres Tweets im Vortrag. Diese Drohungen schienen sich nicht auf Twitter abzuspielen, sondern im nicht-öffentlichen Raum. Es ist bemerkenswert, dass in einem Vortrag, in welchem so viele Aussagen verschiedener Personen vorgestellt wurden – und eben nicht bewertet wurden – dann die Frau herausgepickt wird, um angegriffen zu werden. Aus welchem Umfeld die Drohungen kamen ist derzeit noch unklar, verurteilt wurden sie sofort von allen aktivistisch und Konferenz-Beteiligten. Eine Mit-Veranstalterin bot Unterstützung per Mail an und drückte ihr Bedauern aus. Wie es sein muss.

 

3. Erbsünde Feminismus
Obwohl es nun eine Frau traf, die sich Drohungen ausgesetzt sah und damit ähnliche Erfahrungen wie diejenigen machte, an welche die vorgestellten Hass-Tweets gerichtet waren, griff hier ein anderes Narrativ. Fast sofort wurde der Vorfall so geframet, dass gezielt (falsch) verkündet wurde, die Drohungen kämen aus dem #om13 oder #aufschrei Umfeld. Man würde sich auf eine unschuldige junge Frau einschießen. Dass die Beteiligten selbst über Monate mobbten, drohten, beleidigten, fällt wieder unter den Mechanismus „Doppelmoral“. Und noch einen Schritt weiter: durch gezielte Täter-Opfer-Umkehr wurde Jasna beschuldigt, gehetzt zu haben und an den Pranger gestellt zu haben. Dieser Mechanismus stützt sich im Wesentlich darauf, dass jede Person, die mit Feminismus in Verbindung gebracht wird, zur Diffamierung freigegeben wird – wer feministisch ist, der glaubt man nicht. Das konnte man bspw. dann beobachten, als anti-feministische Personen Onlinemedien anschrieben um Feminist_innen als Lügner_innen zu brandmarken. Für die Partei der Piraten reicht es hier schon, einen Vortrag über frauenfeindliche Hate Speech zugelassen zu haben. Die Pirat_innen würden sich auf eine Frau stürzen. Teile der Piratenpartei taten genau dies – indem sie Jasna angriffen.

4. Narrativ Unschuldslamm
Sowohl die Drohungen an @ochdomino als auch die Hate Speech, die Jasna vorstellte, sind für sich genommen jeweils schreckliche Ereignisse. Ein interessanter Mechanismus ist, dass die Wahrnehmung durch das Narrativ „einer Frau gegen eine überwältig große Gruppe von Pirat_innen und Aktivist_innen“ von ihren vorherigen Taten so weit verändert wurde, dass der eigentliche Grund für Jasnas Vortrag – Hate Speech von anti-feministischen Gruppen – vollkommen in den Hintergrund trat. Es fand eine Reinwaschung  und nachträgliche Legitimierung statt. Indem wieder einmal erzählt wird, dass feministische Gruppen eine für sich stehende Frau bedrohen, zensieren und anprangern würden, werden so vorher getätigte abfällige Aussagen (vermeintlich) legitimiert. Im Sinne von: guckt, die sind so böse, sie hatte schon recht mit ihren Äußerungen. Verstärkend hinzu kommt das Framing als „moderate Kritik“. Zur Erinnerung: es ging um Bezeichnungen als „Hipster-Fötzchen“, Frauen wurden als „faschistoid“ bezeichnet, und wenige Stunden nach dem #om13 Vortrag gab es noch ein „fette XYZ“ in Richtung Jasna. Bedauernswerterweise sind die Blogposts von @ochdomino zu #Aufschrei gelöscht, liegen mir aber in Teilen noch vor. Es ist insofern bedauerlich, dass hier keine transparente Aufarbeitung mehr stattfinden kann. Beim auslösenden S-Bahn Vorfall im Mai, nach welchem @ochdomino titelte, dass Feministinnen #aufschrei kaputt machen würden, kann die Veränderung des Narrativs bereits beobachtet werden:

twitterscreenshotscreenshotks(Der Twitter-Screenshot liegt mir auch unverpixelt vor, und der untere Screenshot ist aus dem Webarchiv von kleines-scheusal.de)

Zusammen mit den Mechanismen „Erbsünde Feminismus“ und „Doppelmoral“ werden Aktivist_innen und die Dinge, die sie erleben, wieder unsichtbar gemacht. Es passt genau ins Bild der feministischen Weltverschwörung, in der irgendwelche „Radikal-Feministinnen“ andere Frauen unterdrücken und Männer hassen. Worum es eigentlich ging – monatelanges Mobbing, Drohungen, Beleidigungen – wird relativiert und somit weggewischt. Auch die sofortige Distanzierung und das Hilfeangebot per Mail wurde verschwiegen, da es nicht ins Narrativ der hetzenden feministischen Szene passte. Dies ist ein bekannter Vorgang und wahrlich nichts Neues.

Was neu ist: wie sehr sich eine Partei hat verrückt machen lassen. Und dies war clever von Seiten der Anti-Fems: kurz vor der Bundestagswahl mal eben ein Gate bei der Piratenpartei heraufbeschwören und alle kirre machen. Durch Unbeteiligte, die wohl ohne ausreichende Kenntnis der Szene kurzschlusshandelten und den Vortrag auf privat setzten, steigerte sich alles weiter hoch.

Was bleibt.

Die deutsche anti-feministische Szene bedroht, beleidigt, diffamiert seit Monaten öffentlich und privat feministisch Aktive. Anscheinend wurde dies nicht sichtbar genug gemacht, wenn sich große Teile von Unbeteiligten so leicht manipulieren lassen. Offensichtlich muss noch deutlicher gemacht werden, wie oft Arbeitgeber_innen angeschrieben, angerufen und angeschrieen werden, dafür, dass sie Feminist_innen beschäftigen. Ganz dringend müssen wir noch lauter darauf aufmerksam machen, wenn Hater sich wünschen, dass Schwangeren etwas passiert und Frauen mit Vergewaltigung gedroht wird. Es muss begriffen werden, dass dies nicht irgendwelche harmlose Trolle im Internet sind, die keine Auswirkung auf das „echte“ Leben haben – sondern dass dieses Netzwerk von Anti-Feminist_innen Menschen verändert und beeinträchtigt. Das wichtigste ist jedoch, dass vielleicht alle verstehen, wie viel Anti-Feminismus eigentlich kaputt macht: es schadet allen Frauen, egal ob Nicht-Feministin, Feministin oder Anti-Feministin.

 

Die Basis ist tot, lang lebe die Basis!

chicken

Quelle Ethermoon

Nach der Niedersachsen Wahl schrieb ich:

Bei den Piraten wird sich jetzt zeigen, ob jemand auf Bundesebene Verantwortung übernimmt und ob sie es schaffen, sich inhaltlich und strukturell neu auszurichten. Wenn das in den nächsten Wochen gelingt, könnte es im September noch klappen. Wenn nicht, dürften sie sich wohl erledigt haben.

Verantwortung hat niemand übernommen – aber sie wurde vielen zugeschoben. Wenige Wochen später ist die Partei mitten in der Selbstzerfleischung. Während einige tapfere Pirat_innen versuchen inhaltlich und strukturell voran zu treiben, spielen die Führungskräfte, die eigentlich genau dabei jetzt so zielgerichtet unterstützen und lenken müssten, kleine Machtspielchen.

Das fängt beim Versenden von Droh-SMS an, geht über selbige Veröffentlichung, bis hin zu den aktuellen Entwicklungen mit Misstrauensvoten per Lime Survey (wtf?) und Gegenanträgen. Dabei offenbart sich das tiefste Problem der Partei: es gibt ein zu kleines Gerüst an Personal, auf das sich die Partei nach außen stützen kann, die Basis ist de facto totgestellt (bestimmt wird die politische Agenda der Piraten seit Monaten durch Vorstöße und Themensetting der „Köpfe“, also des BuVo und der gewählten Abgeordneten), absichernde Hierarchien wie in anderen Parteien, die filtern, sanktionieren, rügen und begrenzen fehlen. Auch das gehört zum Konzept: dort, wo die fehlenden Hierarchien einst inspirieren und kreieren sollten führen sie seit längerem genauso zu Chaos und Destruktion.

Dies ist einerseits systemimmanent, also unvermeidlich, andere Organisationen mit flachsten Strukturen haben aber in der Vergangenheit gezeigt, dass dieser sehr leane Organisationstyp auch praktisch lenkbar ist. Anscheinend fehlt es jedoch dem Führungsteam an Vision, Leitbild und Ziel: persönliche Interessen konkurrieren bei den Piraten immer wieder mit „der Basis“, das Personal ist (inzwischen auch) offen zerstritten und Themensetting kann nicht erfolgen, da die Basis auf Grund von mangelhafter Struktur (siehe bspw. die Konzeption von Parteitagen), Trollen und Egos nicht liefern kann.

Um das Problem zu lösen versucht sich die Partei nun an ihrem Allheilmittel: sie befragt die Basis. Diese wird aber nichts lösen können: um ein strukturelles Problem zu beheben braucht es erst einmal einen Lösungsentwurf. Den kann man nun schmerzhaft, monatelang, jahrelang, durch eine Basis entwickeln (lassen), oder man vertraut (sic!) ihn einem Team an. Dies sollte eigentlich der Bundesvorstand sein. Eigentlich.

Die panische Angst der Piraten vor Führung zeigt gerade jetzt in der Krise, dass sie eine irrationale, schädliche Reaktion ist. Anstatt sich geschlossen aus dem Wirrwarr führen zu lassen läuft ein Teil den Blinden hinterher, während andere wie aufgeregte Hühner nach Ideen picken, ab und zu ein Körnchen finden, aber weiter im Stall verweilen. Der Flausch lässt Federn.

Und nach so viel Huhnanalogien mach ich mir jetzt erstmal ein Spiegelei.

Ich hab keine Worte mehr, die meinen Frust, meine Abscheu und meine Verzweiflung akkurat wieder geben könnten.

Ein Mann in einer Bar, sichtlich betrunken. Neben ihm sitzt eine Frau. Er starrt ihr auf den Busen und spricht die Größe ihrer Brüste an. Greift ihre Hand, überschreitet die körperliche Distanz und presst seine Lippen auf ihre Haut. Fordert sie eindeutig auf, mit ihm zu tanzen. Sie weicht immer weiter zurück. Er kommt auf sie zu, das Gesicht nah an ihrem, zu nah. Er greift nach ihr.

Eine Geschichte, wie sie tagtäglich in Deutschland zehntausendfach passiert. Grenzen werden überschritten, Frauen bedrängt. Körperliche Nähe wird gesucht, wo keine erwünscht ist. Manchmal wird die unsichtbare Barriere überschritten, und Frauen werden gegen ihren Willen angefasst – ein Griff um die Hüfte, die Hand leicht tiefer am Rücken als es professionell wäre, ein lockerer Po-Klatscher, und in den schlimmsten Fällen rücksichtsloses Anfassen bis hin zu erzwungenem Geschlechtsverkehr. Aber auch mit Worten lassen sich Grenzen überwinden: ungefragte Kommentare über Geschlechtsmerkmale wie Busen und Po, wiederholte Aufforderungen, bis hin zu eindeutigen Kommentaren, die an sexuelle Belästigung grenzen.

Als Annett Meiritz vor mehreren Tagen über den erlebten Sexismus in der Piratenpartei berichtete, waren viele schnell damit, die Geschehnisse zu verurteilen. Unerhört, unglaublich, aber auch leider nicht schockierend, schließlich sei mit der Piratenpartei ja Sexismus ohnehin verknüpft. Nun werden Vorwürfe gegen FDP Spitzenmann Brüderle laut. Die Reaktionen hier?

1. Das Opfer beschuldigen (Victim-blaming)

Ich wundere mich, dass die junge Journalistin offensichtlich über ein Jahr gebraucht hat, um ihr Erlebnis zu verarbeiten. (Wolfgang Kubicki)

2. Ablenkung (Derailing)

Ich war bei den angeblichen Vorgängen nicht dabei. Es kommt mir aber so vor, als versuche der ‚Stern‘ eine große Schippe Dreck auf den liberalen Spitzenkandidaten zu werfen, und hofft dabei, dass schon irgendwas hängen bleibt. (Philipp Rösler)

3. Der Täter als Opfer

Wenn diese Art von Journalismus darauf abzielt, einen Menschen und seine Familie mit einem rücksichtslosen Schlag unter die Gürtellinie zu beschädigen, hat er eine Wegmarke überschritten. (Elke Hoff)

Das ist Deutschland in 2013: eine Geschichte, die fast jede Frau persönlich schon erleben musste, in unterschiedlicher Ausprägung, wird klein geredet, als Kampagne verteufelt, unglaubwürdig gebrandmarkt und als Angriff statt Tatsachenbericht verkauft. Sexismus als Alltag. Mehr noch: muckt gefälligst als Frauen nicht auf, haltet die Schnauze, und habt euch nicht so. Das sind doch Komplimente!

Aber der Fall Brüderle im krassen Kontrast zur Piratenpartei zeigt noch etwas auf: es geht um Machtstrukturen. Hätte die oben geschilderte Situation Frau Meiritz mit einem männlichen Mitglied des Piratenvorstands geschildert, hätte es doch keine Frage gegeben – eindeutiger Sexismus in dieser wirren, verufenen Partei. Es hätte Rücktrittsforderungen gegeben und er hätte sich entschuldigen müssen. Und bei Brüderle? Als Spitzenkandidat wäre er bei einer Neu-Auflage der schwarz-gelben Regierung stellvertretender Kanzler. Es kann nicht sein, was nicht sein darf – etwas bedroht seine Position, sein Ansehen. Zum Glück für die FDP ist es bloß eine Frau, eine Journalistin noch dazu (wobei es hier auch interessant ist, dass den Artikel eine Frau und ein Mann gemeinsam schrieben, aber nur die Frau angegriffen wird) – und damit wird es ganz leicht sich dem Thema zu verweigern.

Natürlich kann man bei so einem Thema als Beschuldigter kaum gewinnen – aber souverän wäre doch gewesen, hätte Brüderle gesagt: Ja, ich hab zu viel getrunken, ich bin aufdringlich geworden, das tut mir sehr leid, ich wollte die Frau nicht bedrängen, das wird nie wieder vorkommen und ich schäme mich dafür.

Warum das nicht passiert ist? Weil Sexismus in Deutschland immer noch salonfähig ist, weil offensichtlich in der Meinung einiger FDP Spitzenkräfte die Tatsache, dass eine junge Frau von ihren Erfahrungen berichtet schlimmer ist, als die Erfahrungen selbst. Weil Geschlechterungleichheiten stark mit Macht verknüpft sind – denn sind wir mal realistisch: die Geschichte wird umso schlimmer, weil die Frau in einem beruflichen Abhängigkeitsverhältnis zu Brüderle stand. Weil die Mächtigen einen Teufel tun werden, um solche Machtstrukturen aufzubrechen. Weil die deutsche Gesellschaft die längst überfällige Sexismus Debatte, die in den USA beispielsweise Anfang der 90er Jahre durch den Fall Anita Hill statt fand, immer weiter vor sich her schiebt.

Wir brauchen eine Debatte über Sexismus. Wir müssen das Tabu endlich loswerden.

Nach dem Artikel von Frau Meiritz schrieb ich auf Twitter: jede Frau wird spontan fünf solcher Erfahrungen mitteilen können. Denn das ist unser Alltag. Die Szene oben? Unzählige Male erlebt. Gestern las ich dann in meiner Timeline, dass einer Frau eine Beförderung gegen Sex angeboten wurde. Das ist in Deutschland wohl nicht mal strafbar. Wo lebe ich denn? Es kotzt mich so an. Es ist zum verrückt werden. Beschämend, dieses Land, schockierend, seine Politiker_innen.

Ach, und zu dieser kläglichen Partei von Sexismus-relativierenden Vollidioten: sie sollten sich vielleicht mal ein paar Minuten in Ruhe mit ihren Töchtern, Enkelinnen, Nichten, Freundinnen, … zusammen setzen und sie zu ihren Erfahrungen befragen. Und danach sollten sie sich ganz lange ganz intensiv schämen.

 

5 Spontan-Thesen zur Niedersachsen-Wahl

Uff, sehr spannend. Paar kleine Spontan-Thesen um die Zeit bis zur nächsten Hochrechnung zu überbrücken:

1.) Zeichen für Rot-Grün stehen gut – trotz des Wirbels um Peer ein solch knappes Ergebnis zu erzielen lässt hoffen. Jetzt die Strategie grade zurren und kämpfen und es läuft.
2.) Die FDP sollte und kann nicht abgeschrieben werden. Auch für September nicht. Abzuwarten bleibt, wie die Grabenkämpfe um Rösler gelöst werden.
3.) Bei den Piraten wird sich jetzt zeigen, ob jemand auf Bundesebene Verantwortung übernimmt und ob sie es schaffen, sich inhaltlich und strukturell neu auszurichten. Wenn das in den nächsten Wochen gelingt, könnte es im September noch klappen. Wenn nicht, dürften sie sich wohl erledigt haben.
4.) David McAllister hat wohl mit Abstand den schlechtesten Slogan aller Zeiten genutzt. (I’m a MAC? Wer nen Mc will, soll zu McDonalds gehen.)
5.) Umfragen sind nett, aber nie zu überschätzen (wer hätte die FDP bei 10% gesehen?)

Die Piratenpartei sollte Familien-, Gleichstellungs- und Bildungspartei werden.

tl;dr
Die Piraten haben großes bisher ungenutztes Potenzial in den Bereichen Gleichstellung, Familie, Bildung. Das sollten sie schleunigst anfangen auszunutzen.

Ich kann es nicht glauben, aber ich schreibe schon wieder einen Text über die Piratenpartei.

Am 6. Oktober war das Frauenbarcamp in Berlin (zu welchem ein eigener Lobartikel gehören müsste, denn das war die wundervollste angenehmste konstruktivste Atmosphäre eines Workshops/Tagung/Barcamps die ich jemals miterleben durfte; und jeder einzelne Vortrag war für sich genommen interessant und toll – ganz ganz großes Kompliment, und ich freue mich sehr auf nächstes Jahr), und in einer Session hat Laura Dornheim etwas zur Piratenpartei und Feminismus erzählt, und sich das Feedback der Runde angehört. Während wir da so saßen und über Frauen und Politik allgemein und Feminist_innen und Piratenpartei konkret sprachen, dachte ich irgendwann: ja, das ist es. Die Piratenpartei muss Familien-, Gleichstellungs- und Bildungspartei werden.

HÄÄÄÄÄÄ?!

Zugegeben, es liegt nicht so direkt auf der Hand, vor allem, wenn man sich dem Image verschreibt, dass die Piraten immer noch und immer wieder aufgedrückt bekommen, und welches in Teilen sicher auch zutreffen mag (eben so, wie es nicht von der Hand zu weisen ist, dass ein Großteil der SPD aus einer sehr viel älteren Generation stammt). Aber es gibt sehr viel Potential. Sehr viel. Meine Begründung:

1. Die Piraten haben das Personal
Eine kurze Diskussion innerhalb der SPD zu Frauenplena, und ich wünschte mir, die SPD wäre was Geschlechterthematiken und Gleichstellungsproblematiken angeht, auch nur annähernd so weit wie viele Pirat_innen. Ja, klar, es gibt dort so Leute die dann „Tittenbonus“ in die Welt hinaus schreien, aber was es bei den Piraten noch viel mehr gibt: das Korrektiv der Masse. Feminismus, in seinen Strukturen, in seinen Inhalten, im allgemeinen Verständnis, ist dort viel besser angesiedelt als in allen anderen Parteien. Dort sitzen Leute, die sich mit der Thematik wirklich auseinander gesetzt haben, und nicht müde werden, immer wieder auf Benachteiligungen, sexistische Kackscheiße usw. usf. hinzuweisen. Und dies sind keineswegs die unbekannten kleinen Dorfpiraten aus Brandenburg, sondern Menschen, die sich ein Standing erarbeitet haben und so einen Shitstorm vom Tittenbonus zum Penenbonus umdrehen. Der ganze Gedanke „wie will ich leben“ ist natürlich nicht nur einer, der sich mit Gleichstellung beschäftigt, nein: als nächstes käme da die Familie und der ganze Bereich der Bildung. Wenn eine Partei die Summe der Fähigkeiten ihrer Mitglieder ist, dann liegt nichts näher, als sich mit Gleichstellung zu beschäftigen. Denn…

2. Die Inhalte sind noch nicht (prominent) besetzt
Ja, natürlich gibt es schon Ansätze zu Gleichstellung, und ich meine hier nicht nur Geschlechterthematiken. Es geht um Inklusion, um Diskriminierung, um Benachteiligung – die Diskussion, die die Piraten zu rechten Spinnern und sonstigen Arschlöchern schmerzhaft führen mussten während wir alle genüsslich zusahen, die steht uns eigentlich auch noch bevor. Immer wieder. Denn solche Themen bespricht man nicht einmal, und dann ist die Sache gegessen. Man muss sich immer wieder mit Sexismus, Rassismus, und allen anderen -ismen auseinander setzen. Das sehe ich so bisher in den anderen Parteien noch nicht. Die Piraten haben ihre Position dazu jetzt gefunden, der nächste Schritt ist, diese programmatisch auch zu fordern und durchzusetzen. Ich kenne zugegeben das Programm der Piraten nur ansatzweise, aber was mich bisher schon beeindruckt hat (Beispiele): Gleichstellung von psychischen und physischen Erkrankungen in der Gesellschaft oder der Ansatz Europaschulen nicht nur für Französisch oder Englisch, sondern auch Türkisch, Russisch usw zu machen. Oder ganz einfach der Blogeintrag von Christohper Lauer. Das ist übrigens so ein Text, den hätte ich von einem SPD Mitglied erwartet. Aber was macht die große sozialdemokratische Partei? Sie setzt sich mit dem Thema Bildung auseinander, die chancengleicher werden soll, und was fordert sie da? Ungenaues Wischiwaschi und im Text von Gabriel und Nida-Rümelin glatt mehr Eigenverantwortung der Bürger die tollen Bildungsangebote zu nutzen. LE FUCK? Die Abschaffung von Gymnasien und die Einführung von nur noch einer Schulform traut sich sowieso keiner mehr zu fordern. Hier, Piraten. Macht da mal was. Ernsthaft. Die Bildungsexperten sind sich bei den meisten Themen übrigens weitestgehend einig, und die Forderungen sind seit Jahrzehnten dieselben. Vorwissen, das die Piratenpartei schnell aufholen kann, und wo sie sicher mehr Chuzpe hat für die Mittelschicht eventuell unangenehme Dinge zu fordern als die Etablierten. Ich kann nicht glauben, dass ich das schreibe. Oh hai Frustration.

3. Es spricht mehr Leute an als Netzpolitik
Auch das schreibe ich wieder mit einem weinendem Auge. Natürlich ist Netzpolitik ein Feld, dass in alle anderen Politikfelder abstrahlt – sei es Innenpolitik (Vorratsdatenspeicherung) oder Bildungspolitik (Laptops in Schulen u.ä.). Aber man kann damit leider noch keine Blumentöpfe gewinnen. Nicht unbedingt, weil die Masse der Bürger_innen sich damit nicht beschäftigt (obwohl das stimmt), sondern auch, weil man hier nur schwer Differenzen zu anderen Parteien abstecken kann. Bei Familien-, Frauen- und Bildungspolitik schon. Und noch was: man kann umso schöner die Versäumnisse anderer Parteien aufdecken und sich selbst profilieren. UND als letztes noch: nicht jede/r Bürger_in hat sich schon mal mit Urheberrechtsproblemen oder Vorratsdatenspeicherung beschäftigt, aber jeder von uns war in der Schule (Gruß an Precht), kennt Geschlechterklischees (Gruß an Mario Barth) und hat eine Familie – wie auch immer diese geformt sein möge (Gruß an die CSU). Diskussionen darüber, Bahnhöfe behindertengerecht zu machen, betreffen übrigens dann auch ältere Menschen, die nur noch mit Stützen laufen können und für die viele Treppen ein Graus darstellen. All das, unmittelbar anwendbar, das sind einfache Themen, emotionale Themen, nicht so abstrakt wie LSR, VDS und ACTA.

Fazit
In einer Partei, wo man sich Transparenz verschrieben hat und diese unermüdlich fordert wäre es klug, die Transparenzscheinwerfer mal auf die Lebenssituationen der Deutschen zu werfen und all die Missstände aufzuzeigen und programmatisch anzugehen. Die Piraten haben da gute Leute sitzen, die schon untereinander vernetzt sind (ein übrigens riesiger Vorteil) und sich viel Fachwissen erarbeitet haben bzw. das nötige Wissen schnell aufholen können. Das gilt es anzuwenden. Fraglich ist, ob der jetzige Bundesvorstand zu dieser potenziell dynamischen kreativen Partei passt, und ob sie sich trauen sich diese Themen  – und sei es nur für die nächsten zwei, drei Jahre – auf die Brust zu schreiben. Ich fände es schön, denn es würde sicherlich genausoviel Bewegung in dieses Themenfeld bringen wie der damalige Kick Off zur etablierten Netzpolitik. Vielleicht entwickeln sich die Piraten auch einfach zu einer Partei mit wechselnden Schwerpunkten.

Drop it like a pirate – das Erfolgsrezept der Piraten, entschlüsselt!

In den letzten Monaten gab es viele Analysen zu den Wahlerfolgen und Umfragehochs der Piraten. Netzpolitische Vereine wurden gegründet, Twitter-Accounts erstellt und Club Mate Kästen geleert, und dennoch: ein erfolgreiches Kopieren ihrer Erfolge bleibt derzeit aus.

Ist ja auch klar.

Ihr seid das alles ganz falsch angegangen. Hier also jetzt eure To Do Liste:

  1. Vergesst eure Inhalte. Löscht einfach euer Wahlprogramm bis auf wenige Schlagwörter – das liest doch eh keiner. Die Piratenpartei in NRW schafft es sogar komplett ohne Programm auf 6-8% in den Umfragen. Wofür sie stehen? Ja, hier, dingens! Transparenz! Freiheit! Weißte, ne! Und Bundesweit, wo das Programm eine Hand voll Stichpunkte enthält, schaffen die Piraten es sogar auf bis zu 12%. Die Inhalte müssen dann auch gar nicht für eure Partei stehen – klaut euch einfach aus den Ideen anderer Parteien was zusammen. Passt schon.
  2. Sucht euch ein paar Wörter aus, die gut sind, die alle vertreten, gegen die niemand was sagen kann, und münzt einfach alles darauf. So was wie Freiheit. Oder Transparenz. Oder Demokratie! Wiederholt sie möglichst oft. Inhaltsleere Nomen kann man nämlich nicht angreifen – es ist ja keine Substanz da, die man kritisieren könnte. Ich persönlich würd ja Käsekuchen wählen. Wer hat bitte was gegen Käsekuchen? Eben.
  3. Wenn ihr euch dann für ein paar Schlagwörter ohne unterfütterten Inhalt entschieden habt, seht zu, dass ihr eben dies den anderen Parteien abstreitet. Denn nur bei euch läuft es transparent demokratisch mit Spaß an der Freud! Und wer wählt schon diese anderen Parteien wenn sie demokratiefeindliche intransparente kleine Putins sind? Und statt Käsekuchen alte Plätzchen servieren? Siehste. Keiner.
  4. So weit so gut? Super. Jetzt seid ihr die allergeilsten. Schließlich seid ihr die einzige Partei die für etwas sinnvolles steht. Man könnte sogar sagen, ihr habt die Demokratie neu erfunden. Gerettet gar! Und damit das auch jeder versteht – es mag ja Leute mit anderen Meinungen geben, Gott bewahre – müsst ihr das jetzt bei jeder Gelegenheit raushängen lassen. Noch mal kurz: ihr seid geil, die anderen sind scheiße. Mehr als scheiße. Alles kleine personifizierte Übel.
  5. Damit das gut funktioniert, dürft ihr euch jetzt auch Twitter und einen Blog einrichten. Da dürft ihr euch dann mehrmals täglich, zumindest aber wöchentlich, einen darauf runterholen wie geil ihr seid. Und wie lecker Käsekuchen ist. Am besten filmt ihr euch noch und packt nen Kommentar drunter, der aufzeigt wie altmodisch und engstirnig die anderen sind.
  6. Glückwunsch! Jetzt könnt ihr euch Mitglieder rekrutieren. Einfach die irrsten und merkwürdigsten Menschen auflesen, die keiner in anderen Parteien haben wollte. Guckt auch erst gar nicht wofür die stehen oder was die vorher gemacht haben. Etwaige kleinere Skandale die sich daraus ergeben sind doch gratis Publicity für euch.
  7. Aprospros Publicity: ihr müsst euch jetzt ständig im Gespräch halten, am besten mit Personalthemen. Aber bloß nicht auf Inhalte gehen! Nee. Einfacher und besser ist es, direkt persönlich zu werden. Außerdem lenkt das von der Inhaltsleere ab. Ach, und wenn das mal jemand anprangert, dann fordert einfach irgendetwas total unwichtiges, was aber auf den ersten Blick total geil wirkt: Tanzverbot abschaffen Einkommenssteuer abschaffen zum Beispiel.
  8. So. Jetzt dürfte euch eigentlich nichts mehr im Weg stehen um gewählt zu werden. Ich wünsche viel Spaß mit den mehreren Tausend Euro Steuergeldern im Monat die ihr dann für Käsekuchen und Mettbrötchen und vielleicht sogar Mediatoren ausgeben könnt.

NRW12: Vorerst erheitert

Ich geb ja zu, dass mich die NRW Neuwahl vollkommen unvorbereitet getroffen hat. Seit einem Jahr wohn ich jetzt in Hamburg, und so sehr ich Hannelore Kraft mag, so wenig hab ich mich mit der Politik in NRW beschäftigt. Die Abschaffung der Studiengebühren hab ich positiv zur Kenntnis genommen, das wars dann auch schon. So weit so gut zum Disclaimer. Nun folgt eine vollkommen unfundierte persönliche Einschätzung zur NRW Neuwahl 2012…

OMG

WIE GEIL!!!!111EINSELF

Rot-Grün steht in den Umfragen so gut da wie lange nicht mehr, und auch wenn die Medien vom „Scheitern“ der Koalition sprechen so ist dies wohl das Beste, was zumindest der SPD auch auf Bundespolitischer Ebene in der letzten Zeit passiert ist. Gut, Wahlkampf ist auch in anderen Bundesländern, aber gegen so ein Schwergewicht wie NRW spielen das Saarland oder Schleswig-Holstein dann doch eher eine untergeordnete Rolle. NRW, traditionell ja SPD Terrain, zieht in den Umfragen hoffentlich kräftig die SPD auch im Bund nach oben, in der neuesten Infratest/dimap Sonntagsfrage zur Bundestagswahl liegt die SPD schon wieder bei 30%.

Da ist es plötzlich, dieses leicht optimistisch bis verhalten euphorische Gefühl als Soze. Zum Bundesparteitag im Dezember letztes Jahr hatte ich schon einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie es sich anfühlt in einer Partei zu sein, die einfach mal durch ein positives Grundgefühl auf sich aufmerksam macht, und nicht durch schlechte Umfragewerte, innerparteiliche Streitereien oder sonstiges Mimimi. Ja, ich hab Bock, ich freu mich auf die nächsten Wochen, ich bin gespannt was die Genossen in NRW so reißen, und ich träume ein bisschen vor mich hin, dass die NRW Wahl auf andere Bundesländer abfärbt. Zu sagen, dass man SPD wählt, und dabei in der Mehrheit zu sein… wie war das denn, damals…

Nun ja, zurück zu NRW. Ich finde die Taktierereien der verschiedenen Oppositions-Parteien sehr interessant. Die Union meint tatsächlich sie könnte den Ministerpräsidenten stellen (hihi. süß), welcher jedoch gleichzeitig nur Bock hat ins coolste Bundesland Deutschlands zu ziehen wenn er es auch wird (DAS ist mal Committment! Schlage Röttgen für den RTL Commit Award vor). Die FDP schickt Lindner (ja, genau. Derselbe Lindner, der neulich erst als Generalsekretär der FDP hingeschmissen hat) in einer Art letztes Aufbäumen gegen das Abrutschen in die Irrelevanz. Die Linke macht… keine Ahnung. Ehrlich gesagt ignoriere ich die Linke immer. Die macht halt ihr eigenes Ding im isolierten Sandkasten. Bleiben noch die Piraten. Ich bin sowas von neugierig für was für eine Strategie sie sich in NRW entscheiden werden. Auf Twitter lese ich immer wieder Vorstöße in eine Richtung, Wahlkampf gegen Rot-Grün zu machen. Gut. Ich warte mal ab bevor ich versehentlich in den Rant-Modus drifte, denn für so eine Entscheidung könnte ich locker 5 Rage-Rant-Blogs schreiben, jeweils mit anderen inhaltlichen Schwerpunkten =D

Es bleibt also spannend. Ich lehn mich mal aus dem Fenster, schmeiß die Würfel und sag:

SPD 40%
CDU 32%
Die Grünen 12%
FDP 5%
Piraten 5%
Linke 3%
Sonstige 3%

Liebe Piratenpartei, wir müssen reden.

Ich habe gehört, dass du gerne offene Briefe schreibst. Also schreibe ich dir diesen Brief, auch wenn es eigentlich ein Blogeintrag ist, in der Hoffnung, dass er nicht ungelesen untergeht.

Liebe Piratenpartei, unsere Beziehung war schon immer etwas kompliziert. Gleich zu Anfang habe ich mich in deinen Idealismus verliebt, eine Eigenschaft, die ich selbst viel zu sehr in mir trage und die mich wohl auch gerade zu diesen Zeilen veranlasst. Was für ein Anblick: eine junge, frische, idealistische Partei, frei noch von politischen Zwängen, mit Forderungen die wohl so alt sind wie die Demokratie selbst, und welche dennoch als revolutionär hochstilisiert wurden: Transparenz, Freiheit, Wahrung der Grundrechte. Ein kleiner Teil meines Herzens fühlte eine zaghafte Anlehnung an Rousseau als dieser schrieb: „Solange die Bürger nur solchen Bestimmungen unterliegen, denen sie selbst zugestimmt haben oder denen sie doch aus freier und vernünftiger Einsicht zustimmen könnten, gehorchen sie niemand anderem als ihrem eigenen Willen.“ Eine Partei mit moralischem Fingerzeig gar, dabei jedoch so wundervoll auf das neue Lebensmedium Internet fokussiert, dass ein kollektiver Seufzer des Sich-Verstanden-Fühlens durch die jüngeren Generationen ging. Und auch wenn mein politisches Herz für immer einer anderen Partei gehört, doch, ich war ein bisschen verliebt.

Mit gönnendem Erstaunen verfolgte ich dann letztes Jahr deinen Erfolg in Berlin. Einige fehlende Inhalte würden sich noch geben, so hoffte ich – und wohl auch einige andere. Zumindest die, die sich überhaupt mit den Inhalten beschäftigten und dich nicht als reine Protestpartei wählten. Mit dem Erfolg kam die Bekanntheit. Du bekamst ein Gesicht – verschiedene Gesichter – und nach und nach tauchten verschiedene Akteure auf, in Interviews, in Artikeln, in Blogeinträgen und auf Twitter. Gespannt wartete ich auf dich: jetzt, bald, jetzt würden doch endlich Ankündigungen kommen? Aussagen zur gegenwärtigen, alles andere als guten Politik der Regierung vielleicht? Konstruktive Kritik? Ein bisschen Rousseau mit einem Hauch Fichte?

Was kam, waren Trolle in Scharen. In Foren, auf Blogs, von Twitter ganz zu schweigen – ständig, so scheint es, muss jegliche Aussage anderer Parteien zu Themen, die eventuell als Piratenterritorium gelten könnten, auseinander genommen und vor allem zerstört werden. Die Freiheit des Denkens wird ganzen Bevölkerungsgruppen abgesprochen, weil sie vermeintlich die falsche Meinung oder Gesinnung besitzen. Trolle, so nennst du sie, nicht kontrollierbar, so entschuldigst du sie, irrelevant da keine Parteimitglieder, so rechtfertigst du sie. Wirklich?

Und jetzt liebe Piratenpartei, muss ich mal Tacheles reden.

Diese Realitätsverweigerung muss endlich aufhören.

Ja, du lebst davon, dass du anders strukturiert bist. Wo alteingesessene Parteien nur Ortsgruppen haben hast du das Internet als schnelle Kommunikationsplattform für dich instrumentalisiert und vor allem etabliert (etwas, worum dich sicher in den nächsten Jahren noch viele beneiden werden). Du bist zersplittert, keine Frage, eine so junge Partei mit so vielen unterschiedlichen Aktiven, Passiven, Sympathisanten und Anhängern. Aber du bist auch einzigartig zentral, denn du lebst, atmest und nutzt mit einer Leichtigkeit ein Medium, welches seit Jahren räumliche Grenzen irrelevant werden lässt. Und genau diese Mischung ist das gefährliche.

Ein wenig wirkst du wie eine wilde Horde Kinder aus verschiedenen Altersklassen, unzähmbar, aber sehr, sehr laut.

Liebe Piratenpartei, du musst endlich lernen, zu führen.

Du kannst nicht zusehen wie lauter Trolle deine Vorschusslorbeeren zerstören in dem sie dich durch unkluge, respektlose und teilweise böswillige Aussagen diskreditieren. Du kannst nicht einfach sagen „das können wir nicht kontrollieren, das sind keine Aktiven“, die Schultern zucken und weiter machen (womit eigentlich?). Dies sind auch Piraten, Mitgliedschaft hin oder her, und wenn du nicht möchtest, dass Trolle in deinem Namen sprechen, dann musst du das verdammt noch mal laut und deutlich klarstellen. Sanktionieren (ein Wort, vor dem du wohl zurückschreckst). Die Trolle sind laut? Dann müssen die Nicht-Trolle eben lauter sein, wenn du sie schon nicht zum Schweigen bringen kannst (in einer Nicht-Machiavelli-ähnelnden Art und Weise).

Liebe Piratenpartei, du musst dich etwas in Demut üben. Es reicht nicht aus, einfach nur „Pirat“ zu sein, nein, du musst dir endlich eingestehen, dass du nun in der Politik angekommen bist, und dass damit auch Pflichten einhergehen. Wie beispielsweise das Liefern von Inhalten. Ich habe mir dein Parteiprogramm durchgelesen. Gut, es ist noch etwas dürftig, und ganz entspricht es natürlich nicht meinen eigenen Wertevorstellungen, aber das ist in diesem Kontext zweitrangig: das, was du hast, musst du besser platzieren. Stattdessen fasse ich einmal kurz zusammen, was mir von deiner Arbeit der letzten zwölf Monate hängen geblieben ist: SPD Gebashe wegen VDS, Streit um Fahrräder, Streit um Räume, irgendwelche Insider mit Offenbings und Eichhörnchen auf Twitter, irgendwas mit Postgender, BGE Beschluss, Debatte über sich selbst, Trolle Trolle Trolle, Streit um Hochzeiten, Selbstdarstellung verschiedenester Mitglieder der Parteiführung, Gezicke, mehr Gebashe anderer Parteien, Shitstorms en masse, Emma Verbrennung, Empfindlichkeiten bei Kritik an der Partei, Aufgegeile an der eigenen Publicity, mehr Gezicke, mehr Trolle.

Was ich sagen will: jede Partei braucht eine ordentliche Führung, auch du, auch wenn alles aus der Basis kommt. Das muss nichts schlechtes sein. Hab keine Angst davor. Mach es bitte einfach besser. Es ist gut, dass es sichtbare Mitglieder gibt, Journalisten können nicht einfach „die Basis“ befragen.

Liebe Piratenpartei, ich mag dich immer noch. Ich gehe in diesem Brief nun absichtlich nicht auf deine Inhalte, sondern nur auf deine Struktur und Führung ein. Nur eins noch: eine Partei, die für sich ausgerufen hat Postgender zu sein, wirkt unglaubwürdig, wenn die sichtbarsten weiblichen Mitglieder so sehr mit ihrem Geschlecht kokettieren, dass die Vorstellung einer Geschäftsführerin zu einer „Privat bei“-Fotostrecke aus der Bravo verkommt. Und ja, es ist fragwürdig warum Journalisten das so ausschlachten, aber ja, es ist auch fragwürdig warum du als Partei das nicht besser steuerst – oder steuern kannst.

Liebe Piratenpartei, ich möchte nicht unfair sein, ich weiß, meine Ansprüche an dich sind hoch, sehr hoch, für so eine junge Partei. Versteh das einfach als Kompliment. Einer Partei wie der CSU würde ich nicht einmal 15 Sekunden widmen um ihr auch nur einen Tweet zu schreiben.

Zum Schluss noch ein paar Worte von Rousseau, die sich unabhängig von Parteizugehörigkeit wohl jeder Mensch öfter zu Herzen nehmen sollte:
„Wo gibt es noch einen Menschen der Natur, der ein wahrhaft menschliches Leben führt, der die Meinungen der anderen für nichts achtet und der sich nur von seinen Neigungen und von seiner Vernunft leiten läßt, ohne Rücksicht darauf, was die Gesellschaft, was das Publikum billigt oder tadelt? Man sucht ihn vergebens unter uns.“

In Freundschaft,
Mina