Schnauze voll. Rant zu Anti-Feministen und den Medien als Enablern.

TW: Sprache/Beleidigungen/Hetze

Es ist doch zum Verzweifeln. Vor ein paar Wochen geht eine Sexismus-Debatte durch das Land. Wie auf Befehl sprießen die Anti-Feministen wie Unkraut in die Foren, auf Twitter, auf die Blogs. Sie werden temporär niedergeschrieen, nein, das ziemt sich nicht, du kannst doch nicht die Frau kritisieren die sich gerade getraut hat, von ihrer Vergewaltigung zu schreiben.

Ein paar Wochen später spricht Gauck von Tugendfuror und plötzlich geht alles. Nein, es überrascht mich nicht, nicht im Geringsten – aber es macht mich traurig und wütend. Ein kleine, nicht repräsentative Analyse aus 30 News-Artikeln zum offenen Brief an Gauck zeigt, dass trotz unserer anders formulierten PM, die meisten Medien negativ konnotierte Begriffe und Adjektive benutzen, um uns zu beschreiben (Feministinnen, aufgebracht, verärgert), gefolgt von weiteren diskreditierenden Wörtern (junge Frauen, junge *, Aktvistinnen, Netz-*). Nur wenige Artikel sprechen von neutralen Begriffen wie „Frauen“ oder „Unterzeichnerinnen“. 68%, mehr als 2 von 3 Artikeln, diskreditieren uns schon in der Überschrift.
Bildschirmfoto 2013-03-10 um 22.08.06 Bildschirmfoto 2013-03-10 um 22.10.12 Bildschirmfoto 2013-03-10 um 22.09.01 Bildschirmfoto 2013-03-10 um 22.10.26 Bildschirmfoto 2013-03-10 um 22.10.54

Was folgt, ist so absehbar, wie das Amen in der Kirche: der Shitstorm der Anti-Feministen in den Foren von Spiegel Online und dergleichen (ein Phänomen, das selbst schon in Studien belegt wurde), gerne auch vermischt mit islamophoben und ausländerfeindlichen Essenzen. Wir als Initiatorinnen des Briefs werden persönlich angegangen, beleidigt, in den Dreck gezogen. Moderation? Fehlanzeige. Nein. Was dann passiert, ist an Zynismus kaum zu überbieten: die Online-Seiten nutzen dieses abartige Feedback um künstliche Artikel draus zu basteln, die zeigen sollen, dass wir als Feministinnen, uns bei Gauck und seinen Aussagen bloß anstellen. Über 2.000 Unterschriften mit fast immer Klarnamen und unzählige Support-Kommentare unter dem Brief? Scheiß was drauf! Glückwunsch an die Trolle, ihr habt die Redaktionen wohl intellektuell überboten, und das will schon was heißen, als Gruppe, deren empathisches und intellektuelles Verständnis… naja. Sprechen wir nicht drüber.

Bildschirmfoto 2013-03-10 um 22.15.17

Bildschirmfoto 2013-03-10 um 22.16.18

Deutschland 2013: Twitter die Signifikanz absprechen, aber Foren-Kommentare zu Artikeln umbauen. Seximus leugnen, und gleichzeitig ein paar Frauen zur Projektionsfläche machen für armselige Würstchen, deren Leben daraus besteht, verzweifelt ihre Privilegien als weiße, heterosexuelle Männer zu sichern. Gott bewahre, dass sich noch einmal eine Frau, erst recht keine mit Migrationshintergrund, traut, dem höchsten weißen, heterosexuellen alten Mann Deutschlands zu widersprechen! Und die Redaktionen und Medien machen sich schulterzuckend zu Komplizen einer ganzen Bewegung, deren Ziel es ist, die Gleichberechtigung auf den Stand von 1958 zurück zu versetzen.

Bildschirmfoto 2013-03-10 um 22.15.29 Bildschirmfoto 2013-03-10 um 22.11.06

Ach, und dann kommen sie wieder alle, und schreien, wir wären mediengeil, und möchten einen persönlichen Vorteil. Sagt mir doch mal, welchen persönlichen Vorteil? Dass ich täglich Hasskommentare löschen musste? Dass ich täglich Menschen blocke, die mich beleidigen? Dass ich in Foren, in Leserbriefen, überall, zum Abschuss freigegeben bin, mit meinem Klarnamen, während diese feigen Menschen anonym rumtrollen? Und das nicht erst seit Gauck, nein, das ging so seit dem ersten Tag von #Aufschrei. Mit dem Wissen, trotz dessen, gerade deswegen, haben wir diesen Brief geschrieben. Aber nein, es wird trotzdem immer Leute geben, die das nicht checken. Die denken, es macht uns Spaß, als Schlampen, Fotzen, Huren bezeichnet zu werden, bedroht zu werden, die denken, es ist schön zu wissen, dass Menschen online, öffentlich lesbar, uns als dumm, mediengeil, bescheuert, beschämend, etc. pp. bezeichnen, wahrscheinlich während die Redaktionen sich die „lustigsten“ Posts gegenseitig zeigen.

Nein, ihr Arschlöcher. Es macht keinen Spaß. Ich könnte gut drauf verzichten.

Aber offensichtlich ist es nötiger denn je.