Schmerzgemeinde

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Vor ein paar Wochen hielt ich auf der #om13 einen Vortrag zu Netzpolitik, Netzgemeinde, Netzelite und sonstigen Netzelementen: „Wir und unsere Luxusprobleme – was die digitale Spaltung wirklich bedeutet.“ Das ganze kann man hier angucken und hier nachlesen. Da es im Rahmen der FSA13 (Freiheit statt Angst, eine Demo) ein paar Diskussionen gab (und ich manche davon mit diesem Artikel hier selbst auslöste) was „Freiheit“ „Netzgemeinde“ „Netz“ etc. eigentlich bedeutet, versuche ich mal meinen Vortrag in einen Post zu packen. Hat ja nicht jede Zeit und Muße und Energie, sich 45 Minuten Vortrag von mir anzuhören :) Hier also das Wrap-Up mit grundsätzlicher Analyse und ein paar schnell geschossenen Theorien.

Im Nachhall des Leistungsschutzrecht-Fiaskos veröffentlichte Sascha Lobo im März einen Artikel, der ein paar Tage lang rauf und runter diskutiert wurde: „Unsere Mütter, unsere Fehler„. Er analysiert dabei das Versagen der Netzgemeinde(tm) in den politischen Entscheidungsprozess einzugreifen. Ein generell interessanter Text, auch wenn die alte Leier „Mütter müssen als Sammelbegriff für Unwissende Technik-Internet-Netz-N00bs herhalten“ etwas Brüderl-esque daher kommt. Im Text wird einerseits die Selbstbezogenheit der „Netzgemeinde“ kritisiert, auf der anderen Seite liefert er aber auch eine Definition selbiger gleich mit:

Entgegen häufiger Behauptungen der Netzgemeinde gibt es die Netzgemeinde natürlich doch, es handelt sich um eine amorphe, im Kern jedoch überraschend meinungskonsistente Interessengruppe. Diejenigen, die sich aus persönlichem Interesse um Netzpolitik und Netzgesellschaft kümmern und deren Priorität die Erhaltung und Weiterentwicklung des freien, offenen Internet ist. [- Hervorherbungen von mir]

Die Netzgemeinde(tm) ist also formlos (ihr müsst amorph nicht nachschlagen, bitte sehr). Gleichzeitig scheint sie einen Kern zu haben, der sehr meinungskonsistent ist. Dieser Kern definiert sich dadurch, dass seine Mitglieder sich aus „persönlichem Interesse“ um das „freie, offene“ Internet kümmern, es bewachen, beschützen, aufziehen. Wie Wächter. Oder Eltern. Denn es scheint ein „richtiges“ Internet zu geben, und das ist offen und frei. Das hat auch ein bisschen was mit „wir waren hier zuerst“ zu tun und der manchmal vernommenen Legitimierung von Meinungen dadurch, dass Meinungsträgerin schon 1989 irgendwas im Internet gemacht hat. Netzhipster! Nur mit mehr Ernst. Und auch das persönliche Interesse ist von Bedeutung: Lobbyist_innen oder Menschen, die Internet beruflich machen, werden oft belächelt. Ach, diese lustigen Social Media Menschen! Die machen da irgendwas, aber Teil der Netzgemeinde, nee, das sind sie nicht. Ihr freies und offenes Internet umfasst schließlich Tracking und personalisierte Werbung. Ihbah!

Aber ist das die allgemeingültige Definition? Dem gegenüber steht zum Beispiel Wikipedia, dort findet man „Netzgemeinde“ nur im Zusammenhang mit Online Community und erfährt, dass die „Netzgemeinde“ alle Menschen mit Internetzugang umfasst. Bei Berichterstattung klassischer Medien, z.B. des NDR zur #rp13, wird die Netzgemeinde als „Blogger, Internet-Aktivisten und Social Media Experten“ erklärt. Eine ganz schöne Diskrepanz zur Definition von Sascha Lobo also – schon allein dadurch, dass der Kernpunkt persönliches Interesse am Schutz des freien Internets fehlt. Wie kommt’s?

Im Text von Sascha Lobo (oder Texten von anderen Menschen dieser „Netzgemeinde“, Sascha muss leider als Beispiel herhalten weil er so gut erklären kann und so bekannt ist) tauchen Wörter wie „Twitter Elite“ oder „digital Bohème“ auf. Ein feiner Unterschied, wie mein Freund Bourdieu bemerken würde, denn schon durch diese Wörter findet eine Abgrenzung zur Masse statt. Nicht jede mit Internetzugang scheint Teil der Netzgemeinde(tm) zu sein. Sind Fashionblogger_innen Teil der Netzgemeinde? Sind Kommentator_innen auf Bild.de Teil der Netzgemeinde?

Im Vortrag gab es an dieser Stelle ein „ugghhh…“ BILD-Leser_innen Teil der Netzgemeinde? Undenkbar! Oder? An dieser Stelle ein paar Worte zu „Elite“ und „Bohème“. Elite kann nicht jede sein. Genauer gesagt bezeichnet Elite Menschen, die Macht (über andere Menschen) direkt oder indirekt ausüben können – in Politik, Medien oder Wirtschaft. Teil einer Elite sind vielleicht 2% der Deutschen. Vor allem aber rekrutiert sich die Elite weitgehend aus sich selbst: in Habitus, sozialem Status und Bildungs- sowie Erwerbsverlauf selektiv hat ein Kind aus einer Hartz IV Familie auf Grund institutioneller Hürden so gut wie keine Chance, irgendwann Teil einer Machtelite in Deutschland zu werden – was wiederum durch das schöne Wort „Leistungselite“ gerechtfertigt wird. Na, wie schmeckt euch Twitter- oder Netzelite jetzt? Bohème ist auch so ein tolles Wort: Instagrams von Street Art und interessanten Menschen, um mal kurz an Kraftklub anzulehnen – Künstler_innen, Schriftsteller_innen, … Blogger_innen? Die Bohème ist betont unbürgerlich und zelebriert das Leben am Existenzminimum. Ergo schon einmal nichts, was jemand tun würde, der unfreiwillig am selbigen lebt. Die Bohème versteht Überleben als Kür, nicht als Pflicht.

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Und trotz allem, trotzdem gibt es immer wieder, vor jeder Demo und nach jeder Demo das Mantra: wir sind viele. Die Netzgemeinde, Netzelite, seien viele. Auch wenn wir (als vermeintliche Netzgemeinde) uns immer wieder abgrenzen und betonen wie besonders „wir“ sind, nein, „wir“, die Netzgemeinde(tm), seien viele. Und dann wundern wir uns, warum nicht mehr Leute zu den Demos kommen oder unsere Forderungen ungehört bleiben. Versteht sich die Netzgemeinde(tm) im Endeffekt als Meinungsführerin mit Deutungshoheit? Geht es um Repräsentanz oder Dominanz?

An dieser Stelle muss die digitale Spaltung thematisiert werden. Internetnutzung korreliert mit Bildung und Einkommen. Von 100 Deutschen mit Abitur sind 73 im Netz aktiv, von 100 Deutschen mit Hauptschulabschluss gerade mal 33 (Stiftung Zukunftsfragen 2012). Nichts neues, wirklich, wenn man die Wissensklufthypothese (Tichenor, Donohue, Olien 1970) bedenkt:

Je schneller der Wissensfluss, desto größer der Informationsvorsprung von gut gebildeten, finanziell unabhängigen und statushohen Gruppen.

Wenn Informationen in immer kürzeren Abständen auf uns einprasseln, können Menschen, die gut gebildet sind und sich keine Sorgen um ihr Einkommen machen müssen, diese wesentlich schneller aufarbeiten und verarbeiten. Sie kommen einfach besser hinterher. Jemand, der zwölf Stunden geackert hat, nach Hause kommt, Kind und Kegel versorgen muss und nicht weiß, ob das Geld am Ende des Monats reicht, hat weniger Nerven, sich mit Dingen auseinander zu setzen, deren Halbwertszeit weniger als 24 Stunden beträgt. Das ist übrigens auch der Grund, warum Memes auf Twitter meist nur dieselben erreichen (können) und selten über die Netzgemeindeblase hinausgehen (#Aufschrei ist ein schönes Gegenbeispiel).

Weiterhin wird aber oft vergessen, dass selbst bei den Digital Natives, ein Großteil nicht aus der Ober- und oberen Mittelschicht kommt, sondern aus Unterschicht und Mittelschicht. Warum? Einfach schon allein dadurch, dass letztere Zahlenmäßig viel größer sind. Selbst wenn der Großteil von sozial schwächer gestellten Gruppen das Internet kaum nutzt, sind diese Gruppen so groß, dass sie locker zwei Drittel der Digital Natives stellen. Noch mal kurz das Wort „Netzelite“ anschmecken…. na? Na?

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Hier auch gut sichtbar: der Großteil der Digital Natives ist nicht aus akademischen, gut bürgerlichen Milieus.
Quelle: DIVSI Milieu Studie

 

Ganze Gruppen werden von der „Netzgemeinde“ nicht berührt, weil sie nicht auf die Art und Weise angesprochen werden, die selbige oft benutzt. Die Memes der Netzgemeinde sind nicht die Memes der Netzgemeinde. „Erzähl mir von Liebe, Marx“ versteht und interessiert außerhalb unserer Filterblase niemanden – so beliebt @NeinQuarterly auch sein mag. Die Profilierung des Kerns der Netzgemeinde findet durch Akademisierung und zur Schau-Stellung des eigenen Wissens statt. Wenn etwas von der „Netzgemeinde“ in die anderen Medien wie Zeitungen oder Fernsehen dringt, sehen wir dort meist zwischen 30 und 45 Jahre alte, gut gebildete, meist männliche Menschen, die sich entweder durch Kleidung oder Auftreten oder Ausdrucksweise von allen anderen abgrenzen. Bourdieu nennt das „Habitus„. Jede hat einen und nach Bourdieus Theorie kann man seinen eigenen Habitus auch nur schwerlich bis kaum verändern, selbst wenn man die Milieus wechselt. Im Netz scheint die Netzgemeinde – um mit Lobo zu sprechen also die, die sich aus persönlichem Interesse um „ihr“ Netz sorgen und die Debatten führen – einen ganz eigenen Habitus zu besitzen, unabhängig davon, woher ihre Mitglieder nun eigentlich kommen: Fachwörter (Hegemonie, anyone?), Memes, Akademisierung, Name Dropping von Wissenschaftler_innen, usw. usf.

Dabei beschäftigt sich die Netzgemeinde meist mit sich selbst. Sascha Lobo hat einen guten Hinweis gebracht, als er YouTube ansprach. Und wenn ich jetzt Gronkh erwähne werde ich entweder ein Lächeln oder Stirnrunzeln ernten. Wer ist Gronkh? Gronkh macht Let’s Plays auf YouTubes (er spielt Spiele und erzählt dazu). Gronkh hat mal eben knapp 160.000 Follower auf Twitter und damit 10.000 mehr als Sascha Lobo. Nebenbei hat er über 2 Millionen Abonennt_innen auf YouTube. Zwei. MILLIONEN. Aufrufe (12/09/13): 757.318.105. Schon schwindelig? Er füllt ganze Events, hat ein eigenes MyVideo Format und hat leidenschaftliche Fans. Mit Kreischen und allem drum und dran. Trotzdem kennt ihn in der Filterblase „Netzgemeinde“ fast niemand. Ebenso wie Sarrazar. Oder danisnotonfire, um mal außerhalb von Deutschland zu gucken. Die Netzgemeinde(tm) kennt „ihr“ (freies und offenes) Netz so super, dass sie komplette (Sub-)Kulturen ignoriert oder gar nicht erst bemerkt. An dieser Stelle dann noch einmal die Frage: für wen spricht die Netzgemeinde(tm) eigentlich?

Die digitale Spaltung hat nicht nur was damit zu tun, dass Opa Gerd nicht mit Twitter klar kommt oder in Castrop-Rauxel das Internet langsam ist. Die Spaltung äußert sich auch durch Habitus, Kultur, Ausdrucksweise, die Art, wie und ob „wir“ Menschen mit einbeziehen, die keine Zeit für oder keinen Bezug zu „unseren“ Themen haben. Die ACTA Demo hat so gut funktioniert, weil das Thema verständlich (wenn auch mit teils falschen Fakten) runtergebrochen und von Menschen außerhalb der Netzgemeinde(tm) verbreitet wurde. Die LSR und FSA und XYZ Demos haben nicht funktioniert, weil sie eben dies nicht schafften. Und auch nicht schaffen wollen. Wenn jemand ein „ich bin so wütend, ich habe ein Schild gebastelt“ auf einer Demo sieht, ist das für Eingeweihte lustig, aber nicht mehr als selbst-referenzielle Beweihräucherung. Ja, ihr habt’s durchblickt, backt euch ein Eis drauf. Andere nicht, und sie werden’s auch nicht, wenn ihr euch wie elitäre Netzhipster benehmt, denen eigentlich nur noch die „NERD PRIDE“ Goldkette um den Hals fehlt.

Also los: inklusiver schreiben, Fachwörter erklären, Leute abholen. Mal ein bisschen links und rechts schnuppern. Bündnisse dort suchen, wo man sie nicht erwartet. Und nicht einfach annehmen, „die anderen“ würden sich nicht für „unser“ Netz interessieren. Ich bin mir sicher, dass eine 16jährige ohne Twitter-Account sich genauso leidenschaftlich auf die Straße stellt und gegen Überwachung demonstriert, wie Piratenpolitiker_innen – vorausgesetzt, wir binden sie ein. Wenn „wir“ das nicht tun, können wir noch x Texte schreiben, die sich immer wieder um uns selbst drehen, wir können klagen und wehen und uns auf den Boden werfen – es wird einfach irrelevant bleiben.

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The End.

  • Pingback: Netzgemeinde | H I E R()

  • NoCultureIcons

    Sehr schön, danke für den Übersichtsartikel. Wer mal zu viel Zeit hat, kann übrigens versuchen rauszufinden wieso das bei Wikipedia mit den Begriffen so ist wie es ist. Möglicher Startpunkt: https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Redundanz/April_2012#Netzcommunity_-_Online-Community

  • @00010111

    Breite Zustimmung! Hab im Zuge des post-FSA-Klamauks was ähnliches verbloggt, wenn auch autobiographisch gefärbt und deutlich wütender ;-)

    Das semi-autistisch vor sich hintwitternde und -bloggende digitale Klassentreffen sollte sich vielleicht wirklich mal ein bißchen konstruktivere Gedanken über die politischen Realitäten machen – und auch über die Frage, wie man diese Realitäten mit Hilfe der eigenen publizistischen Macht evtl. mal effektiver beeinflussen könnte. Leider scheint es viel wichtiger zu sein, bei jeder Minimaldifferenz zur eigenen Deutungshoheit sofort in den hysterisch-aggressiven Abschottungsmodus zu schalten und den Vorhang aus offensiver Selbstaffirmation in der eigenen Filterbubble hoch zu ziehen.

    Wäre schade, falls das alles sein sollte, was wir mit diesem Medium anfangen…

    Gruß

    @00010111

    • Mina

      D’accord, bis auf deine Verwendung von „autistisch“. Solche Verwendungen tragen dazu bei, dass diese Erkrankungen als Symbole herhalten müssen, falsch assoziiert werden und sind somit in sich auch exklusiv :/

      • @00010111

        Hm ok, im Hinblick auf erkrankte Individuen ist der Begriff
        nicht wertend, im Hinblick auf kollektive Verhaltensweisen sozialer
        Gruppen wird er es aber (und ist auch so gemeint). Insofern sorry –
        man ersetze das Wort beim Lesen gedanklich bitte durch ein
        passenderes.

  • nk

    „Andere nicht, und sie werden’s auch nicht, wenn ihr euch wie elitäre Netzhipster benehmt, denen eigentlich nur noch die “NERD PRIDE” Goldkette um den Hals fehlt.“

    Kannst Du nicht etwas tiefer stapeln? Engagement hat halt auch viel mit Begeisterung und Spaß zu tun. Zum Glück! Daher haben die vielen Selbstbezüge und Spaßschilder durchaus eine Berechtigung. Wir wollen bunt und laut sein. Kein Trauerzug, keine Demo von Anzugträgern, die ernsthaft Infoflyer verteilen. So wie das Netz ist, sollte auch die Demo sein. Dass Du irgendeinen 16-Jährigen sonst motivierst, ist nämlich ohne Beweis reines Wunschdenken. Klar muss mehr informiert werden. Aber dass eine Demo immer auch der Eigenmotivation und Mobilisierung dient, ist doch bekannt.

    Sorry, aber ich sehe mich nicht als Hipster oder prider Nerd, nur weil mir die Demo gefallen hat.

    • Mina

      Um die Frage zu beantworten: nope.

    • @00010111

      Sagt ja auch niemand, dass einem die Demo persönlich nicht
      gefallen darf. Es geht nur darum, ob die sog. „Netzgemeinde“
      wirklich weiter wie bisher auf dem selbstreferentiellen Egotrip in
      die Bedeutungslosigkeit stolpern will – oder ob man neben dem
      Abfeiern des eigenen vermeintlichen oder tatsächlichen
      Avantgardismus nicht evtl. doch auch mal ein bißchen ernsthafte
      Politik bzw. relevante (!) politische Kommunikation betreiben
      will… Gruß @00010111

  • Nun denn, steige ich auch kurz ein:

    Die von dir angesprochene Auswahl verschiedener Netzbürger für Auftritte in klassischen Massemedien, die dann meist zwischen 30 und 45 Jahren alt und meist männlich sind, hat mit einem anderen Elitendenken zu tun. Das Elitendenken der Massenmedien und das der Politik, die sonst die entsprechenden Netzbürger nicht ernst nehmen, wenn sie nicht halbwegs so auftreten wie sie selbst. Ich weiß nicht genau, ob das deinerseits als Vorwurf an die Netzgemeinde oder als Vorwurf an das massenmediale oder politische System gedacht war, aber das muss man dann doch bedenken.

    Ich glaube, dass die Netzgemeinde sich z.T. noch darüber klar werden muss, wer sie ist und was sie möchte. Daher braucht sie die starke Selbstreferentialität durchaus noch.

    Hier liegt auch ein Grund dafür, dass die Netzgemeinde so exklusionistisch scheint: Eine Gemeinschaft zeichnet sich im Gegensatz zu einer Gesellschaft durch gemeinsame Gewohnheiten und Werte aus. Wer diese Werte nicht teilt, ist nicht Teil der Gemeinschaft. Gruppen sind systemtheoretische übrigens immer exklusionistisch, denn sie definieren immer ein Innen und ein Außen. Insofern würde ich Lobo bei der „amorphen“ Gruppe nur teilweise zustimmen; ich würde es vielmehr „unorganisiert“ nennen. Aber aufgrund der fehlenden Gemeinsamkeiten kann ein BILD-Kommentator nicht dadurch Teil der Netzgemeinde werden, dass er bei BILD.de kommentiert. Dazu braucht es mehr Gemeinsamkeiten, als nur „benutzt das Netz“.
    Um einen weiteren Vergleich zu schaffen: Bei der SPD oder CDU oder sonstwo kann auch niemand einfach Mitglied werden, sondern muss das Parteibuch, die Grundsätze und das Programm akzeptieren. Er wird sonst nicht als „Mitspieler“ akzeptiert, auch wenn er formal Parteimitglied ist. Ob das gut oder schlecht ist, sei dahingestellt, aber analytisch bewegen wir uns dort auf einer ziemlich ähnlichen Ebene.

    Ich schaue mir das alles gerade von ein bisschen weiter entfernt an und warte ab, wie es sich entwickelt. Ich glaube, die Netzgemeinde ist noch sehr jung und muss viel lernen, da stimme ich dir zu.

    • Mina

      Ich hab extra auf einen langen Text zu Eliten verlinkt, den ich mal schrieb. Im Vortrag hab ich das auch noch etwas länger ausgeführt. Vielleicht findest du ja in dem weiterführenden Material das, was du hier auch schon andeutest :)

      • Ich gebe zu, ich habe noch nicht alle weiterführenden Links gelesen, weil das doch etwas Zeit braucht. Aber danke für den Hinweis! ;)

  • silke

    Hi, Mina, bin durch Twitter auf dein Blog gekommen. Gute Texte, guten Themen, sehr scharfe Beobachtung, lese ich gerne. Und jetzt dann doch mal ein Kommentar.

    Zum Thema „Netzgemeinde“, wie sie sich selbst sieht und die immer wieder zitierte Filterbubble und das digitale Klassentreffen der Nerds, Re:publica-Gäste und anderem Netzvolk und deren/Eurem Selbstverständnis habe ich schon viele Texte gelesen, die alle in die gleiche Richtung gehen wie deiner. Aber irgendwie denkt ihr das Ding nicht zu Ende, denn es ändert sich auch nach euren vielen klugen und selbstreflektierten Worten nichts an der Tatsache, dass sich die „Netzgemeinde“ weiter um sich selbst dreht.

    Sie macht es Neulingen sehr schwer, mitzumachen. Oh, bitte bloß nicht für dein Blog werben, das macht man nicht. Nicht auf deine Posts verlinken, wenn du dich an einer Diskussion beteiligst. Halt dich am besten ganz raus, denn wir kennen dich nicht und hören dir deswegen auch nicht zu. In meine Blogroll kommst du erst, wenn du auch bei Frau Meike drinstehst oder im Spreeblick.

    Wie soll es denn ein Neuling anders machen, wenn er Aufmerksamkeit haben möchte? Wenn er mitmachen will in dieser tollen kreativen Bubble? Eure Worte sind wirklich gut gemeint, aber zuende gedacht ist das alles nicht, denn ihr gebt den Neulingen keinen Raum. Das WIE, das entscheidet immer noch ihr. Grüße, @Yo_Silke

    • Mina

      Liebe Silke, bitte guck mal in meine Blogroll, da sind ganz viele Blogs die unbekannt und von Neulingen sind. Ich empfehle auf Twitter regelmäßig Profile, die nur wenige Follower haben. Und bis vor ein paar Monaten war ich selbst auch so jemand, den fast niemand gelesen hat. Das finde ich daher etwas schade, dass du das ausgerechnet an mich adressierst.

  • silke

    Oh, sorry, dass du das jetzt abbekommen hast. Ich habe auch bewusst versucht, „euch“ in der Mehrzahl anzusprechen. Sieh meinen Kommentar als Folge einer natürlichen Entwicklung, die jeder (wahrscheinlich auch du am Anfang) durchmacht, wenn er versucht, sich in der „Netzgemeinde“ zu positionieren. Viele wurschteln an ihren Blogs rum und schreiben und schreiben und kommen irgendwie nicht weiter. Geht mir auch so, sonst würde mich das Thema nicht so beschäftigen.
    Vielleicht bin ich einfach zu ungeduldig. Vielleicht mache ich vieles falsch auf meinem Weg in die „Bubble“, und vielleicht war auch mein Kommentar hier ein Fehler. Nu hab ichs aber rausgelassen und freue mich, dass du trotzdem darauf eingegangen bist.
    Ich freue mich auch weiterhin über Texte, die in diese Richtung gehen, werde sie lesen und demnächst besonnener kommentieren, und vielleicht irgendwann mal selbst aus dieser Perspektive einen schreiben.
    Sicherlich gibt es ein paar „Abgehobene“, aber so lange sich die Netzgemeinde noch in Fragen ihres eigenen Selbstverständnisses übt, so lange ist der Zug noch nicht abgefahren :-)

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