„Scheiße, meine Heilerin dreht durch.“

Disclaimer: ich habe Darkest Dungeon auf Kickstarter supportet. 

Stell dir vor, du stehst beim letzten Boss. Deine Party ist relativ erfahren, die Skills sind gut gelevelt, das Gear auch gut. Dein Tank hat noch etwa ein Viertel HP, deine Damage Dealer ein bisschen weniger, das Licht im Raum wird immer schummeriger und Hunger haben sie auch alle. Der Stress ist hoch. Plötzlich holt der Gegner aus und verursacht einen Angriff, der deine Party bis an – und über ihre Grenzen stresst. Die Heilerin… hält es nicht aus und wird irrational. Nein, sie heilt jetzt nicht den Tank – sie greift lieber einen der Mobs an und zieht die ganze Party mental mit runter. Daraufhin schnappt auch der Tank über – er wird paranoid. Nein. Er will sich nicht heilen lassen. Die Heilerin mischt doch was in die Tränke! Und vorne stehen? Nein, dann sticht ihm nachher noch jemand ein Messer in den Rücken.

Klingt nach Spaß? Gut, denn das ist Darkest Dungeon in a nutshell.

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Die Gesundheitsbalken (rot) sind ja noch ganz okay. Aber die Stressbalken (weiß) werden langsam kritisch…

Darkest Dungeon ist ein Dungeon Crawler, der ein neues Gameplay Element einführt: Stress. Neben Gesundheit haben alle Charaktere auch einen Stressbalken, den die Spielerin im Auge behalten muss. Wird das Stresslevel zu hoch, kommt dem jeweiligen Charakter entweder eine negative Eigenschaft (paranoid, irrational, gemein, hoffnungslos, …) oder eine positive Eigenschaft (motiviert, zielgerichtet, …) zu. Doch: die negativen Eigenschaften überwiegen in der Wahrscheinlichkeit deutlich. Die Party sabotiert sich so schnell selbst – und dass euch Charaktere wegsterben, ist ziemlich normal. Die Macher sprechen wohl nicht umsonst von #learnbydying.

Um den Stress wieder runter zu bekommen, müssen die Charaktere sich Ablenkung in der örtlichen Stadt suchen, in die sie als Abenteurer_innen alle pilgerten um der Spielerin bei der Säuberung des geerbten Familienanwesens zu helfen – in dem allerlei Monster hausen. Dazu schickt ihr eure Held_innen in die Kneipe zum Trinken, zur Geißelung, zur Meditation oder oder oder. Komplizierter wird es, wenn zum Beispiel der Highwayman nur noch durchs Spielen seinen Stress abbauen will, er aber Spielverbot hat, weil er beim Schummeln erwischt wurde oder Spielsüchtig ist. Das kann man ihm dann im örtlichen Sanitarium weg therapieren lassen – für einen Preis. Die Charaktere sind dann für die nächste Mission blockiert – und so ist es ratsam, mehrere Heiler_innen, Tanks und andere Jobs zu haben, was das Handling der Party komplexer macht. Ach ja: manchmal verschwinden einzelne Charaktere auch einfach für mehrere Runden. Auch immer spaßig…

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Oh, shit. Der Heiler wird gemein und ausfallend. Damit wird er die anderen mit runter ziehen.

Aber keine Sorge – in der Stadt kommen mit jeder Woche (also nach jeder Mission) neue Held_innen an, die ihr anlernen könnt. Die Jobs per se sind auch interessant: neben Grabräuberinnen gibt es Okkultisten, Joker, Ritter, Bounty Hunter, und viele mehr. Was sie alle gemeinsam haben: sie sind großartig gestaltet, das Art Design lässt sich einfach sehen und ist sehr düster und atmosphärisch. Aber Darkest Dungeon ist mehr als nur schön anzusehen: die Kämpfe sind anspruchsvoll, und die Dungeons haben neben der Licht- und Hungermechanik einige andere Dinge auf Lager, die Missionen herausfordernd machen. So kann Loot zum Beispiel auch vergiftet oder mit einer Falle bestückt sein, man kann die Charaktere Bücher lesen lassen, was sie dann für immer (meist negativ) verändert, und manchmal stehen Bäume im Weg, die mit vorher gekauften Schaufeln auf Seite geräumt werden müssen. Keine Schaufel zur Hand? Kostet dann eben HP, was wiederum stresst…

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Yay, Loot das dem Helden einen positiven Buff verleiht!

Ich habe Darkest Dungeon damals gebackt, weil ich mir einen komplexen Dungeon Crawler erwartet habe, der Spaß macht und herausfordernd ist. Ich wurde nicht enttäuscht. Bei der Entwicklung konnte ich mit Abstimmen über die Charaktere/Jobs, die eingeführt werden sollten, und zu meiner großen Freude gibt es viele Heldinnen mit super Jobs, die keine überzeichnete BH-Rüstung sondern ordentliche Ausrüstung vorweisen. Die neue Mechanik funktioniert erstaunlich gut, und auch die Kämpfe sind unterhaltsam und anspruchsvoll. Dadurch, dass die Charaktere nur Missionen annehmen, die für sie noch herausfordernd sind (= sie nicht overpowered sind), bleibt das Spiel auch langfristig schwierig. Es gibt noch viel mehr zu sagen, aber das Spiel befindet sich ja noch in der Entwicklung, und diese Teile hebe ich mir dann für einen erneuten Blick nach Vollrelease auf.

Das Spiel ist momentan im Early Access Modus, und ist dafür erstaunlich umfangreich und stabil. Im Vergleich dazu, was andere Firmen so als Early Access raushauen, kann sich Darkest Dungeon wirklich sehen lassen.

Darkest Dungeon ist derzeit nur bei Steam erhältlich (19,99€, Mac und PC).

 

Titelbild: ©Darkest Dungeon, Red Hook Studios

  • Daniel

    Das klingt sehr cool, jetzt muss ich es mir doch anschauen. Danke für das Review. :)