Frankenmina.

Oh, jetzt kommt wieder ein emotionaler Post. Etwas, das man heran ziehen kann, drauf zeigen kann, und sagen kann: guck mal, die ist nur am rumheulen, rummeckern, rumnölen, die ist so emotional und Menschen die Emotionen haben können bekanntermaßen nicht logisch denken. Oder analysieren. Oder konstruktiv sein. Und wenn ich emotionaler Post schreibe, wenn ich von Emotionen schreibe, dann meine ich natürlich das Zugeben von Trauer, von Enttäuschung, von Frust. Denn diese Gefühle, diese normalen, täglichen Gefühle, die manche in unnatürlichen Dosen erleben wenn die Kaffeemaschine ausfällt, diese Gefühle darf man nicht haben. Nicht wenn es um so ernste Dinge wie Politik geht. Oder Parteien. Oder Engagement.

Es ist natürlich irrelevant, ob ich emotional bin oder nicht. Ob ich beim Schreiben weine, lache oder gelangweilt an einem Milchkaffee nippe. Es ist irrelevant, ob ich inhaltlich etwas anmerke, oder Lob ausspreche, oder persönliche Erfahrungen teile. Was zählt, ist die Projektion und wie andere meinen Text für ihre persönliche Profilierung nutzen können (eh, heult doch). So läuft das. Das Leben und menschliche Miteinander ist bekanntermaßen ein großer Tanker, gelenkt von Gott oder Echsenmenschen, und da braucht man eben drei Jahrhunderte bis die Hexenverbrennung aufhört. Sie können nicht mehr folgen? Ach, egal, ich mach einfach mal den Wagner, oder den Fleischhauer, oder den Reents, anscheinend kann man sich ja eine Karriere mit wirren Texten aufbauen. Oder gleich mit dem persönlichen Angreifen von Menschen, um damit zeigen zu können: guckt mal, wie mutig ich bin, einer anderen Frau zu sagen, dass ich sie scheiße finde! Aber ich schweife ab. Wovon, weiß ich noch nicht.

Die letzten Wochen waren interessant. Ich lernte viel. Ich lernte zum Beispiel über Zitatfreigaben, dass man etwas auf einen Blog schreiben kann, das innerhalb von Stunden 200 Mal retweetet wird, aber wenn das auf eine seriöse Plattform wie Zeit Online übernommen wird, ist das falsch. Weil… Käsebrötchen. Ich lernte, wie viele Menschen von der SPD enttäuscht sind, und dass Hater wohl ausschließlich Twitter nutzen. Ich lernte, dass diese zutiefst empörten Menschen nicht so gerne Fakten checken, und dass sie auf Parteitagen Umwege gehen, weil sie Angst haben, du sprichst sie mal auf ihre Aussagen an. Ich lernte, dass man sich mit Initiativen und Personen profilieren kann, aber kein Rückgrat hat, den Leuten in der Öffentlichkeit die Hand zu schütteln. Ich lernte viel über Loyalitäten. Darüber, dass ein Text, der nur an der Oberfläche kratzte und immer noch Partei und Menschen in der Partei ausdrücklich lobte, ein Nachtreten ist, sobald er eine reelle Chance hat, Menschen zu erreichen. Denn, man darf nur hinter vorgehaltener Hand kritisieren, wo alle wichtig nicken, aber bloß nicht öffentlich. Außerdem lernte ich etwa 20 verschiedene Arten, wie man Menschen auf einen Austritt ansprechen kann, ohne das böse A-Wort in den Mund zu nehmen.

Keine Ahnung, was man mit diesem Gelernten anfangen kann. Unter Erfahrung verbuchen? Nun, been there, done that. Vielleicht schreibe ich ein Buch (hahahahaahaha ich stelle mir jetzt vor, wie einige gerade laut Luft einziehen. Hören Sie ihr Zischen?). Das Ding ist doch: nicht ich zündelte an Brücken, sondern andere Personen deckten sich reihenweise mit Benzinkanistern ein. Aus Unbedarftheit, schlechtem Leseverständnis oder müden Händen ließen sie alle ihre Masken fallen, und was da zum Vorschein kam war sicher nicht überraschend, aber auch nicht gerade anziehend. Aber als persona non grata  kann ich machen was ich will. Ich muss auf niemanden mehr Rücksicht nehmen, zumindest nicht mehr als auf mich Rücksicht genommen wurde. Ich kann zugucken, wie der Tanker auf einen Eisberg aufläuft, und wenn ich Bock hab, oder die Hände frei, werf ich dann vielleicht den einen oder anderen Rettungsring ins Eiswasser. Sollen sie mich als emotional verbuchen, als hysterisch, als heulend, ich werde weiter ruhig und klug meine Dinge angehen und sie überholen, während sie sich einen auf ihr Gedisse fappen. Unterschätzt mich ruhig. Das kommt mir entgegen. Letztes Jahr, als ich diesen Blog hier relaunchte, kündigte ich die Phase des Trotzes an. Die dürfte dann hiermit vorbei sein. Kein Trotz mehr, eher abgeklärtes, ruhiges und konsequentes Weiterverfolgen von Idealen, Zielen, Herzensdingen.

Herzlichen Glückwunsch. Sie haben sich ihr eigenes Monster erschaffen.