Ein neues Kaliber

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Am Samstag war die Openmind Konferenz, kurz #om13, in Kassel. Teilnehmer_innen verschiedener Parteien diskutierten über Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kunst… und das alles sehr konstruktiv, freundlich und tolerant. Jasna Strick hat einen Vortrag über Hate Speech gehalten, in dem sie Screenshots von Erniedrigungen, Bedrohungen und Beleidigungen zeigte, die feministische Aktivist_innen im Laufe der letzten Monate bekamen. Teils ist das harter Stoff, wenn da z.B. eine Schwangere bedroht wird. Der Vortrag verlief sehr ruhig, und über große Teile lässt Jasna die Kommentare einfach für sich sprechen. Ansehen kann man das ganze hier.

Was im Nachgang passierte ist ein Lehrstück für sich. Lehrsam, weil es viel über anti-feministische und frauenverachtende Strukturen offen legt, lehrsam, weil es zeigt, wie durch bestimmte Narrative manipuliert wird. Ich versuche im Folgenden die Mechanismen auseinander zu dividieren.

1. Doppelstandards.
Ein Teil der Kritik an Jasnas Vortrag lautete, dass Twitternamen und -fotos von Hatern öffentlich zu sehen waren. Es wurde verlangt, Beiträge auszublenden oder den ganzen Vortrag runterzunehmen – interessante Forderungen einer Gruppe, die Blocken als Zensur bezeichnet. Dabei wird augenscheinlich verdrängt, dass alle mit #aufschrei getaggten Replies ohnehin auf verschiedenen öffentlichen Seiten zu sehen sind oder waren und mit dem bewussten Benutzen eines Hashtags auch gezielt auffindbar gemacht wurden – von den Verfasser_innen selbst. Weiterhin wird verschwiegen, dass eben diese Hater oftmals Links zu Seiten wie Berufszyniker.com verbreiteten, eine Seite, die mittlerweile offline ist (einen Teil kann man noch hier nachlesen) und mit viel Mühe Klarnamen, Arbeitgeber_innen und ehrenamtliche Tätigkeiten verschiedener Frauen gegen ihren Willen auflistete. Eine ganz andere Dimension, als selbstgewählte Twitterpseudonyme und -profile, bei denen selbst Namen und Bilder nicht einwandfrei zu verfizieren sind, zu screenshotten.

2. Es trifft immer die Frauen
Eine im Vortrag zitierte Frau berichtete kurz darauf, dass sie Drohungen erhalten hätte auf Grund der Sichtbarkeit ihres Tweets im Vortrag. Diese Drohungen schienen sich nicht auf Twitter abzuspielen, sondern im nicht-öffentlichen Raum. Es ist bemerkenswert, dass in einem Vortrag, in welchem so viele Aussagen verschiedener Personen vorgestellt wurden – und eben nicht bewertet wurden – dann die Frau herausgepickt wird, um angegriffen zu werden. Aus welchem Umfeld die Drohungen kamen ist derzeit noch unklar, verurteilt wurden sie sofort von allen aktivistisch und Konferenz-Beteiligten. Eine Mit-Veranstalterin bot Unterstützung per Mail an und drückte ihr Bedauern aus. Wie es sein muss.

 

3. Erbsünde Feminismus
Obwohl es nun eine Frau traf, die sich Drohungen ausgesetzt sah und damit ähnliche Erfahrungen wie diejenigen machte, an welche die vorgestellten Hass-Tweets gerichtet waren, griff hier ein anderes Narrativ. Fast sofort wurde der Vorfall so geframet, dass gezielt (falsch) verkündet wurde, die Drohungen kämen aus dem #om13 oder #aufschrei Umfeld. Man würde sich auf eine unschuldige junge Frau einschießen. Dass die Beteiligten selbst über Monate mobbten, drohten, beleidigten, fällt wieder unter den Mechanismus „Doppelmoral“. Und noch einen Schritt weiter: durch gezielte Täter-Opfer-Umkehr wurde Jasna beschuldigt, gehetzt zu haben und an den Pranger gestellt zu haben. Dieser Mechanismus stützt sich im Wesentlich darauf, dass jede Person, die mit Feminismus in Verbindung gebracht wird, zur Diffamierung freigegeben wird – wer feministisch ist, der glaubt man nicht. Das konnte man bspw. dann beobachten, als anti-feministische Personen Onlinemedien anschrieben um Feminist_innen als Lügner_innen zu brandmarken. Für die Partei der Piraten reicht es hier schon, einen Vortrag über frauenfeindliche Hate Speech zugelassen zu haben. Die Pirat_innen würden sich auf eine Frau stürzen. Teile der Piratenpartei taten genau dies – indem sie Jasna angriffen.

4. Narrativ Unschuldslamm
Sowohl die Drohungen an @ochdomino als auch die Hate Speech, die Jasna vorstellte, sind für sich genommen jeweils schreckliche Ereignisse. Ein interessanter Mechanismus ist, dass die Wahrnehmung durch das Narrativ „einer Frau gegen eine überwältig große Gruppe von Pirat_innen und Aktivist_innen“ von ihren vorherigen Taten so weit verändert wurde, dass der eigentliche Grund für Jasnas Vortrag – Hate Speech von anti-feministischen Gruppen – vollkommen in den Hintergrund trat. Es fand eine Reinwaschung  und nachträgliche Legitimierung statt. Indem wieder einmal erzählt wird, dass feministische Gruppen eine für sich stehende Frau bedrohen, zensieren und anprangern würden, werden so vorher getätigte abfällige Aussagen (vermeintlich) legitimiert. Im Sinne von: guckt, die sind so böse, sie hatte schon recht mit ihren Äußerungen. Verstärkend hinzu kommt das Framing als „moderate Kritik“. Zur Erinnerung: es ging um Bezeichnungen als „Hipster-Fötzchen“, Frauen wurden als „faschistoid“ bezeichnet, und wenige Stunden nach dem #om13 Vortrag gab es noch ein „fette XYZ“ in Richtung Jasna. Bedauernswerterweise sind die Blogposts von @ochdomino zu #Aufschrei gelöscht, liegen mir aber in Teilen noch vor. Es ist insofern bedauerlich, dass hier keine transparente Aufarbeitung mehr stattfinden kann. Beim auslösenden S-Bahn Vorfall im Mai, nach welchem @ochdomino titelte, dass Feministinnen #aufschrei kaputt machen würden, kann die Veränderung des Narrativs bereits beobachtet werden:

twitterscreenshotscreenshotks(Der Twitter-Screenshot liegt mir auch unverpixelt vor, und der untere Screenshot ist aus dem Webarchiv von kleines-scheusal.de)

Zusammen mit den Mechanismen „Erbsünde Feminismus“ und „Doppelmoral“ werden Aktivist_innen und die Dinge, die sie erleben, wieder unsichtbar gemacht. Es passt genau ins Bild der feministischen Weltverschwörung, in der irgendwelche „Radikal-Feministinnen“ andere Frauen unterdrücken und Männer hassen. Worum es eigentlich ging – monatelanges Mobbing, Drohungen, Beleidigungen – wird relativiert und somit weggewischt. Auch die sofortige Distanzierung und das Hilfeangebot per Mail wurde verschwiegen, da es nicht ins Narrativ der hetzenden feministischen Szene passte. Dies ist ein bekannter Vorgang und wahrlich nichts Neues.

Was neu ist: wie sehr sich eine Partei hat verrückt machen lassen. Und dies war clever von Seiten der Anti-Fems: kurz vor der Bundestagswahl mal eben ein Gate bei der Piratenpartei heraufbeschwören und alle kirre machen. Durch Unbeteiligte, die wohl ohne ausreichende Kenntnis der Szene kurzschlusshandelten und den Vortrag auf privat setzten, steigerte sich alles weiter hoch.

Was bleibt.

Die deutsche anti-feministische Szene bedroht, beleidigt, diffamiert seit Monaten öffentlich und privat feministisch Aktive. Anscheinend wurde dies nicht sichtbar genug gemacht, wenn sich große Teile von Unbeteiligten so leicht manipulieren lassen. Offensichtlich muss noch deutlicher gemacht werden, wie oft Arbeitgeber_innen angeschrieben, angerufen und angeschrieen werden, dafür, dass sie Feminist_innen beschäftigen. Ganz dringend müssen wir noch lauter darauf aufmerksam machen, wenn Hater sich wünschen, dass Schwangeren etwas passiert und Frauen mit Vergewaltigung gedroht wird. Es muss begriffen werden, dass dies nicht irgendwelche harmlose Trolle im Internet sind, die keine Auswirkung auf das „echte“ Leben haben – sondern dass dieses Netzwerk von Anti-Feminist_innen Menschen verändert und beeinträchtigt. Das wichtigste ist jedoch, dass vielleicht alle verstehen, wie viel Anti-Feminismus eigentlich kaputt macht: es schadet allen Frauen, egal ob Nicht-Feministin, Feministin oder Anti-Feministin.

 

  • Peter

    Danke für diese gute Zusammenfassung und dein Fazit. Kann ich so unterschreiben.

  • Kyra

    Danke :)

  • anonym

    Leider hast du vergessen zu erwähnen, dass dem Tweet schon Beleidigungen voraus gingen, dass die Kritik an dem S-Bahn-Vorfall, ihre „Frechheit“ totalreflexion zu empfehlen, damit zur Polizei zu gehen, schon Grund für Attaken gegen sie gewesen ist. Auch andere Frauen wurden nach Kritik gegen bestimmte Aufschrei-Situationen teilweise beleidigt und verunter gemacht, sie wurden mit Nazis verglichen, landeten auf „Masku-„Blocklisten oder sogar sexistisch angemacht. Von Jasna kam sowas, soweit ich weiß nicht (kann mich nicht an alle Kommentare erinnern), aber von anderen aus dem Aufschrei-Umfeld. Jedenfalls habe ich von domino vor dem S-Bahn-Vorfall und der Reaktion auf ihre Kritik keine Beleidigungen gegen Aufschrei gelesen, die auslösenden, beleidigenden Impulse die sie zu diesem Tweet hinreißen ließen, kamen also von deren Seite, nicht von ihr, unter anderem, sich darauf stützend, dass sie sich die Freiheit heraus nahm, auf ihrem Blog Fotos von sich zu veröffentlichen (und Beleidigungen wegen diesen Fotos gehen bis heute weiter!). Sie hätte zu einem Hate gegen Aufschrei auch keinen Grund gehabt, denn wie sie selber schreibt, war sie bis dahin auf der Pro-Seite. Warum wird dieser Aspekt immer ignoriert?

    • Mina

      Der Ursprungstweet zum S-Bahn Vorfall ist im Text als Screenshot zu finden. „Heul doch“ ist keine nett gemeinte Empfehlung, aber das ist ein anderes Thema.
      Im Endeffekt hat sie Dinge geschrieben, die beleidigend waren. Deswegen war sie in der Präsi. Wenn sie sich vorher entschuldigt hätte, wäre sie sicher auch nicht drin gelandet. Sie hat sich nun mittlerweile irgendwie entschuldigt, aber auch nicht persönlich sondern über einen offenen Brief und auch nur bei Jasna und bei den anderen (wer auch immer das ist) nicht. Dennoch denke ich, dass, sofern ernst gemeint und es so bleibt, wovon ich aber jetzt ausgehe, es keinen Grund mehr gibt sie künftig dahingehend zu zitieren.
      Es ging mir in dem Text auch nicht hauptsächlich um sie als Person, sie hatte diese Woche genug Zeug am Hals, sondern um die Szene drum herum. Von den Typen, die sonst auch munter gegen Feministinnen hetzen kam in ihre Richtung ja auch schon, dass sie sich nicht so anstellen solle (weiß es wortgenau nicht mehr), als Reaktion auf die Drohungen ihr gegenüber. Das ist genau das, was ich meine: es kann eben jede treffen.
      Ich kann nicht auseinander dividieren wer was wann gegen wen gesagt hat, ich kann nur generelle Strukturen und Mechanismen offen legen. Das habe ich versucht.

    • Zwischenfrage zu

      „unter anderem, sich darauf stützend, dass sie sich die Freiheit heraus nahm, auf ihrem Blog Fotos von sich zu veröffentlichen“

      Was ist denn daran ein Problem? Alle Welt veröffentlicht „Fotos von sich“ auf Blogs und in sozialen Netzwerken….

      • Mina

        Ich weiß grad nicht, woher das Zitat ist und in was für einem Kontext es steht?

  • Mir geht es sehr darum, dass Menschen Verantwortung übernehmen für ihr Tun (und Lassen). Das, was seit Monaten passiert (nein, was seit Monaten deutlich wird, aber immer wieder passiert seit Jahrtausenden), ist das Ablehnen, Abwälzen von Verantwortung auf andere, auf sich gerade anbietende Mitmenschen, die das Rückgrat besitzen, Missstände aufzuzeigen und zu benennen. Diese Menschen werden durch Opfer-Täter-Umkehr immer wieder als die Sündenböcke für den Mist, den andere verzapfen, benutzt. Hier Jasna mit ihrem Vortrag, dort Anne Wizoreck mit ihrem Hashtag, da die ganze Feminist_innen-Szene.

    Projektionen simpelster Art geschehen hier, und die meisten Menschen sind nicht in der Lage, sie zu durchschauen. Projizieren ist aber das Gegenteil von Verantwortung übernehmen, also Reflektieren des eigenen Verhaltens und der eigenen Überzeugungen. Mir kommt es so vor, als wenn immer weniger Menschen dazu noch in der Lage sind, geschweige denn Schuldumkehr, Victim blaming, Projektion etc. zu erkennen.

    • Mina

      Ich bin natürlich auch blöd und hab von „Monaten“ geschrieben, dabei geht das schon seit Jahren so. Nur erlebe ich es eben erst seit Kürzerem mit.

  • nico

    Liebes kleines Scheusal,

    Vielen Dank für die gute Aufbereitung und vielen Dank an Jasna für den mutigen Vortrag! Ich finde es unmöglich, dass jetzt wieder die Vereinzelnungsstrategie (persönliche Ebene an Ochdomino) angewendet wird und eine Person ihren Kopf hinhalten soll. Darum geht es nicht und darum wird es auch nie gehen.

    Eure Nico

    • Mina

      Hallo Nico,

      „das kleine Scheusal“ ist der Blog von ochdomino.

  • Mack Malony

    Danke. Das ist es.

  • Das ist alles in allem Dreck mit System. Und ich habe auch gelesen, dass es im Einzelfall zuweilen nichts hilft, wenn eins Anzeige erstattet. Trotzdem sollte man diese Möglichkeit auch in Betracht ziehen. Meine Unterstützung habt ihr, uns zwar aus dem Grund, weil mir ein entspannter, konstruktiver, feministischer Diskurs momentan mit als eine der fortschrittlichsten Strömungen überhaupt erscheint. Es ist nicht alles Feminismus, aber ohne Feminismus ist alles nichts.

  • Oliver Niebuhr / MeerMusikq

    Ich sage auch Danke für die Zusammenfassung. Gute Arbeit. Weiter so.

  • Seb666

    Ich kann das traurigerweise so unterschreiben.

  • Oni

    Danke für die gute Analyse. Es tut geradezu weh, zu beobachten, wie normalerweise intelligente und zu komplexen Einsichten fähige Personen jetzt ohne sich die Sachlage genau anzusehen urteilen und Schuld zuschieben. Natürlich bei denen, die immer schuld sind: Den Feminist*Innen. Leider werden die diesen Text wohl nicht lesen.

  • Danke! Nicht nur fuer das hier.

  • Nadine

    Danke für den schönen Artikel!

    Viele Grüße,
    Nadine
    سمَـَّوُوُحخ ̷̴̐خ ̷̴̐خ ̷̴̐خ امارتيخ ̷̴̐خ

  • AndereMeinung

    Ich teile ihre Meinung nicht das ein paar picklige Twittertrolle sowas wie die Vorfront des neuen Patriachats sind. Vielleicht lesen sie mal das:

    http://www.spiked-online.com/newsite/article/the_hysteria_over_trolls_is_a_classic_moral_panic/13890#.UgDcH5JwryI

    • Mina

      Das ist nicht meine Meinung, ganz und gar nicht.

    • atthegates

      Diese Haltung von wegen: >>Das sind alles nur „ein paar picklige Twittertrolle“ (nice ageism btw oder war das doch eher gegen „Nerds“ gerichtet ? Na auf jeden Fall toll, dass Sie die betreffenden User alle persönlich kennen) <>Das ist ja alles nur im Internet und hat nichts mit dem echten Leben zu tun<< sind echt idiotisch. Das sind echte Drohungen, die von echten Menschen (echten, sexistischen Arschlöchern) an echte Menschen gerichtet wurden. Nur weil das (meist) anonym und über das Medium Internet geschehen ist macht es das nicht besser. Oder zählen solche Drohungen nur wenn sie per Einschreiben verschickt werden? Und natürlich ist diese misogyne Haltung Ausdruck einer patriarchischen Gesellschaft, was denn sonst ? Das Patriarchat ist ein gesellschaftliches System, ein Teil der Kultur, nicht eine Runde von 30 alten Männern auf einem Berg in der Wüste, die überlegen wie man am besten Frauen unterdrücken könnte.

    • AndereMeinung

      @atthegates

      Niemand sagt das das keine echten Beleidigungen oder Drohungen wären.
      Die Frage ist wie weit diese Leute Einfluß im echtleben haben.
      Und das läßt sich sehr gut festellen. Und da sehe ich keine großflächige Bedrohung durch Internettrolle.

      • Mina

        Nur weil du das nicht siehst, heißt es nicht, dass sie nicht existiert. Ich finde es auch schon wieder unverschämt, dass das einfach nicht geglabut wird, dass da reale Bedrohungen hinter stecken.

        • AndereMeinung

          @Mina

          Und ich finde es unverschämt einfach Behauptungen ohne konkrete Beweise aufzustellen.

          • Mina

            Ich finde es unverschämt, eine Identität zu faken und damit Stimmung zu machen, aber das ist ein anderes Thema.

      • atthegates

        @AndereMeinung:
        Okay, wenn also reale Menschen reale Drohungen über ein reales Medium an andere reale Menschen richten, dann hat das ihrer Logik nach trotzdem nichts mit dem realen Leben zu tun ? Wie soll das gehen ?
        Und nur um das mit den Konsequenzen nochmal klar zu stellen (weil bei Ihnen da offensichtlich etwas Verwirrung besteht): Die Konsequenz einer Drohung (und das Ziel des Drohenden) ist, dass sich das Opfer bedroht fühlt. Wenn Se per Brief eine Morddrohung an jemanden schicken und erwischt werden, dann werden Sie sich kaum mit „Das war doch nicht ernst gemeint“, „Das war doch nur ein Brief, nicht das echte Leben“ oder „Ich hab den doch gar nicht umgebracht, ich hab’s ja nicht einmal versucht“ herausreden können. Eine Drohung wird nicht erst durch die Ausführung des Angedrohten zu einer Drohung.

  • soulless

    Sprich: Jeder, der den Vortrag kritisiert ist ein Antifeminist bzw. will der Partei schaden?
    Also mir ist ja durchaus klar das es auf Twitter viele Idioten gibt die sich nicht zu benehmen wissen, auch weiss ich das Frauen sich oft so einiges anhören müssen was grenzwertig ist. Das soll man auch ganz und gar nicht totschweigen.
    Einen Vortrag darüber zu halten und diesen mit Beispielen zu würzen, auch da spricht nichts dagegen. So ein Vortrag verliert aber absolut nichts wenn man die Beispiele anonymisiert.
    Und es ist einfach ein Unterschied ob man Tweets irgendwo ablässt oder ob man einzelne Tweets herauspickt und in einem Vortrag gesammelt in einem bestimmten Kontext präsentiert.
    Das hat dann nichts mit Reden über „Hatespeech“ zu tun sondern nur „$Person hat dieses und jenes gesagt und ist darum $Etikett“.
    Sorry, aber gerade für eine Partei die sich mit Datenschutz und Selbstbestimmung profilieren will ist so etwas ein nogo. Vor allem auf Veranstaltungen dieser Partei die gestreamt werden.

    Jetzt dann auch noch überall damit kommen das alle, die das kritisieren, Antifeministen sind und doch lieber die NPD / AfD wählen sollen, wie ich jetzt auch schon oft genug gehört habe, ist dann so richtig kindisch a la „Du bist nicht für uns also musst Du der Feind sein“.

    „Die haben aber angefangen“ „Die Kritiker sind sowieso alles Feinde“ …. kindisch ohne Ende.
    Grösse wäre es gewesen zu sagen „Wir haben da einen Fehler gemacht, genau das Verhalten wollen wir ja eigentlich nicht also dürfen auch wir uns nicht so verhalten“.

    Nun, Erststimme Grün, Zweitstimme Linke ….. weil Piraten = Kindergarten.

    • Mina

      Sprich: Jeder, der den Vortrag kritisiert ist ein Antifeminist bzw. will der Partei schaden?

      Nein.

      So ein Vortrag verliert aber absolut nichts wenn man die Beispiele anonymisiert.

      Doch, weil es dann wieder heißt, man hätte sich das bloß ausgedacht.

      Sorry, aber gerade für eine Partei die sich mit Datenschutz und Selbstbestimmung profilieren will ist so etwas ein nogo. Vor allem auf Veranstaltungen dieser Partei die gestreamt werden.

      Bin keine Piratin, interessiert mich insofern auch nicht was Parteilinie ist, aber das Zitieren von öffentlich zugänglichen Tweets stellt keine Verletzung von Datenschutz oder Selbstbestimmung dar. Nur so als Serviceinfo.

      Jetzt dann auch noch überall damit kommen das alle, die das kritisieren, Antifeministen sind und doch lieber die NPD / AfD wählen sollen, wie ich jetzt auch schon oft genug gehört habe, ist dann so richtig kindisch a la “Du bist nicht für uns also musst Du der Feind sein”.

      Keine Ahnung, wo du so was gelesen hast, hier sicher nicht.

      Grösse wäre es gewesen zu sagen “Wir haben da einen Fehler gemacht, genau das Verhalten wollen wir ja eigentlich nicht also dürfen auch wir uns nicht so verhalten”.

      Ich weiß nicht, wer hier „wir“ sein soll, aber weder Jasna noch die Veranstalter der #om13 haben Fehler gemacht.

  • Gersprenz

    Danke fürs Aufarbeiten.

  • atthegates

    http://www.sinfest.net/archive_page.php?comicID=4051
    … und ich prophezeie mal, dass dieser ganze anti-feministische Hass gering erscheinen wird im Vergleich zu dem was passiert, sobald z.B. die Rape Culture Diskussion in den deutschsprachigen Raum überschwappt. Wovon wir eigentlich nur ein „Steubenville“ entfernt sind. Trotzdem hoffe ich, dass sowas in die Richtung (ich meine die Diskussion, nicht den Vorfall) bald passiert, es wäre wirklich an der Zeit.

  • Alexander Magnus

    Danke für diese gute Zusammenfassung und Aufarbeitung, insofern sie möglich war. Ich war während des Vortrages anwesend und habe dann ja auch wieder live via Twitter in den Stunden danach verfolgen können, wie diese ganze Hate-Machine arbeitet. Da gibt es noch sehr, sehr viel zu tun… Aber nicht locker lassen, wir schaffen das :)

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  • Pennsatucky

    Hallo!
    Das ist eine echt gute Analyse (die sich auf so viele andere ähnliche Situationen übertragen lässt!!!) Besonders den Teil find ich wichtig:
    „Es muss begriffen werden, dass dies nicht irgendwelche harmlose Trolle im Internet sind, die keine Auswirkung auf das “echte” Leben haben – sondern dass dieses Netzwerk von Anti-Feminist_innen Menschen verändert und beeinträchtigt.“
    Zu dem Trollproblem hat auch Antje Schrupp letztens was geschrieben (http://antjeschrupp.com/2013/08/08/dont-feature-the-sexists/). Da gab’s einen Kommentar, den fand ich ziemlich klasse (http://antjeschrupp.com/2013/08/08/dont-feature-the-sexists/#comment-58497): „Vielleicht sollte man in der feministischen Blogsphäre sowas wie nen “Feminist Flashmob Friday” einführen, bei dem erfahrene, argumentgeladene feministische Netzleutz sich auf die Mainstreamforen stürzen und den einzelnen Feminist_innen die sich eh schon in diese Foren wagen, etwas Schützenhilfe leisten!“
    Ich finde, die Idee wär’s wert aufgegriffen zu werden, vllt so ähnlich, wie’s früher in den (amerikanischen) feministischen Blogs den carnival of feminists gab (http://feministcarnival.blogspot.de/).

    aber egal, auf jeden fall nicht lockerlassen bei dem thema!
    grüße

  • „Das wichtigste ist jedoch, dass vielleicht alle verstehen, wie viel Anti-Feminismus eigentlich kaputt macht: es schadet allen Frauen, egal ob Nicht-Feministin, Feministin oder Anti-Feministin“

    Es gibt ja auch Kritik am Feminismus, die nichts mit Hass zu tun hat. Ebenso gibt es Kritik an bestimmten Richtungen des Feminismus, etwa im Rahmen eines Equityfeminismus oder aus anderen Richtungen, etwa der Medizin oder der Biologie an dem poststrukturalistischen Feminismus.

  • Matthias

    Wie sich jetzt herausstellt hat, ist das Avatar-Foto auf dem Tweet von einem polnischen Model, welches zwar nicht gänzlich unbeteiligt ist, aber mit den Texten nichts zu tun hat. Findest Du es unter diesen Umständen nicht doch bedenklich, dass das Bild unverpixelt war und einige Leuten mit dem Erstellen von Streisand-Kopien nicht schnell genug sein konnten?
    Vielleicht haben die Kritiker nicht vorhersehen können, dass es genau so ist, aber eine gewisse Grundskepsis gegenüber dem Unverpixeltlassen hat sich doch bewahrheitet, wie ich finde.

    • Mina

      Also das jetzt so zu drehen, dass die Schuld für die Benutzung eines unbeteiligten Models bei der Vortragenden liegt, und eben nicht bei demjenigen, der das alles organisiert hat, ist doch schon wieder total verkappt…

      • Matthias

        Die Verantwortung für das Benutzen bei Twitter / im Blog liegt bei dem Faker. Die Verantwortung für das Benutzen im Vortrag liegt bei der Vortragenden. Wie sonst?

        • Mina

          Die Inhalte bleiben, wie du richtig fest stellst, immer noch bei den Ersteller_innen der Inhalte, auch wenn sie in einem Vortrag benutzt werden.

  • TochterEgalias

    Hey, wollte dir nur einen lieben Gruß dalassen. Mich machen einige der Kommentare hier echt fassungslos. Dieses Tatsachenverdrehen von Antifeministischer Seite ist sowas von verlogen und was da einige von sich geben, ist so ein riesengroßer Scheißhaufen, dass man sich manchmal wundert, dass das nicht jede*r drei Meilen gegen den Wind riecht.

    Danke jedenfalls für den Blog Post und das Klarstellen von Tatsachen.