Die nächste Generation Rollenspiel

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein Faible für RPGs (Rollenspiele) habe. Als ich die Chance bekam, Dragon Age Inquisition zu testen, habe ich mich konsequenterweise sehr gefreut. Auf der gamescom im Sommer durfte ich das Spiel bereits 30 Minuten anspielen, und ich war schon damals überwältigt von all den Möglichkeiten, die das Spiel bietet; und nach ein paar Tagen und etwa 25+ Stunden intensivem Spielen bleibt der Eindruck nach wie vor bestehen. Jetzt, wo ich so drüber nachdenke, hätte ich den Artikel wohl besser „Die Qual der Wahl“ genannt, denn das summiert das Spiel ganz gut. Aber von vorne.

*Der Text ist Spoilerfrei*

Dragon Age™: Inquisition_20141117105451

Es stehen fünf verschiedene Klassen zur Verfügung.

In gut bewährter Bioware-Tradition kann man die Protagonistin (oder den Protagonisten) des Spiels selbst erstellen. Schon da kann man Stunden verbringen: Mensch, Elfe, Zwergin oder doch Qunari? Frau oder Mann? Rogue, Warrior oder Mage? Die Kombinationen sind endlos, und on top kommen bei Dragon Age Inquisition jetzt sogar noch zwei verschiedene Stimmen – je Geschlecht. Doch auch was die Vielfalt angeht, muss die Charaktererstellung ausdrücklich gelobt werden: Frauen können Adamsäpfel haben, Zwerginnen sogar Bärte. Make-Up steht allen Geschlechtern zur Verfügung und die Frisuren sind ähnlich gut anwendbar. Bedenkt man, dass es andernorts noch Schwierigkeiten gibt, Frauen überhaupt zu animieren, so sind diese kleinen Unterschiede gerade das, was ein progressiveres Spiel ausmacht.

Die Story  ist umfangreich. Man kann stundenlang in gefundenen Kodexeinträgen Hintergrundgeschichte nachlesen, sich mit den Gefährt_innen unterhalten und die Welt erkunden. Und letztere ist riesig – wo im Vorgängerteil noch immer gleich aussehende Areale recycelt wurden, so hat DA:I deutlich von Skyrim gelernt, und eine große offene Welt erschaffen. Für Menschen wie mich, die alles looten was sie finden können, ist das besonders hart – man muss quasi alle drei Schritte anhalten. Vereinfacht wird das dadurch, dass auf Knopfdruck ein Radar von der Spielerin ausgeht und lootbare Items in der Nähe anzeigt. Und ja, bei der großen Welt ist das verdammt notwendig.

Dragon Age™: Inquisition_20141117104831

Ein kleiner Ausschnitt von nur einer Region.

Das Gameplay ist das Best Of aus den letzten beiden Dragon Age Teilen. Die taktische Kamera aus dem ersten Teil ist zurück und noch besser handhabbar. Die Follower können Positionen halten, taktisch klug positioniert werden (bei Archern gibt es z.B. eine Bonusmöglichkeit für Angriffe von höher gelegenen Gelände) und die Angriffe dirigiert werden. Oder man spielt einfach drauf los, wählt sich locker durch die zusammengestellte Party und spielt spontan. Die Animationen sind schick, wie schon im Vorgänger, und es gibt ein paar schöne neue Actions, die man lernen kann. Hinzu kommen nette Features wie Reittiere (von denen gibt es gleich 30 verschiedene), Potions (die muss man nicht mehr selber machen, wie angenehm), Gifte oder Bomben (der Favorit: das Glas Bienen, das in einem AOE alle Gegner angreift). Zusätzlich gibt es ein ausgefeiltes Craftingsystem für Waffen und Rüstung, die mit den vorher gelooteten Materialien hergestellt werden können. Da der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind, kann man hier zusammen basteln was man will – und die erzeugten Güter gleich individuell benennen.

Dragon Age™: Inquisition_20141117105610

Die Charaktere sind vielfältig anpassbar.

Die große Welt voller Möglichkeiten überfordert anfangs schon ganz schön, und das sage ich als jemand, die Monate quasi in Skyrim gelebt hat. Es ist so groß und alles geht – auf dem Weg zum Questziel rennt man an fünf neuen Quests vorbei, spricht dann noch mit einem NPC und hat am Ende ein Dutzend neue Aufträge. Gleichzeitig gibt es in der Zentrale der Inquisition den War Table, ein neues Feature, von dem aus die Spielerin Aufträge koordinieren kann, die ihre Berater_innen für sie durchführen. Das kann Geld einsammeln sein, Bereiche erkunden um sie freizuschalten oder kleinere Aufträge erledigen. Und auch hier kann man wieder wählen: zwischen den drei Berater_innen, die alle unterschiedlich an die gestellten Tasks herangehen. Bei so viel Verantwortung und so vielen Aufgaben dauert es schon ein paar Stunden, bis man richtig reingekommen ist. Für mich hat funktioniert, sich erst mal kleinere Etappenziele zu setzen und nicht alles gleichzeitig machen zu wollen.

Dragon Age™: Inquisition_20141117105158

Kampfmodus aus der taktischen Kamera.

Wie von Bioware gewohnt sind die Charaktere alle großartig geschaffen. Das eigene rekrutierte Team ist lustig, liebenswert, klug, sarkastisch und sassy, also die perfekte Kombination um viel Spaß zu haben – ob man mit ihnen redet oder ihnen beim Erkunden in der Party im Hintergrund zuhört. Auch inhaltlich zieht das Spiel direkt in seinen Bann, und liefert mit der geduldigen Heranführung auch für neue Spielerinnen einen guten Einstieg. Die Atmosphäre ist intensiv und düster, wie man es aus den beiden vorherigen Teilen gewohnt ist. Bei den Romances gibt es viele Möglichkeiten – es gibt heterosexuelle, bisexuelle, schwule, lesbische und (nicht anflirtbare) asexuelle Charaktere, sicherlich auch eine Neuheit in dieser ausgefeilten Form. Und da sie alle so toll sind, ist es ganz schön schwer, sich für jemanden zu entscheiden.

Bei den Entscheidungen kann man die alten Spielstände der vorherigen Teile über das Dragon Age Keep rekonstruieren und dann hochladen. Das funktioniert super, und da schon in den ersten Stunden viele Themen der alten Teile referenziert werden gibt das auch ein Gefühl für die Unterschiede. Auch je nach Rasse und Geschlecht sind die NPC-Reaktionen unterschiedlich (angetestet: Elfe, Mensch, Zwergin, Qunari), es gibt mehr Dialogoptionen. Selbst beim wiederholten Spielen macht es Spaß, es langweilt nicht so schnell, da es wirklich Unmengen zu tun gibt. Ich selbst hab eine Melee Klasse (Dual Rogue) und zwei Ranged Klassen (Archer & Mage) ausprobiert. Archer fand ich persönlich anfangs etwas fad, aber das ist wohl Geschmackssache.

Dragon Age™: Inquisition_20141116151351

Im Gespräch mit Sera, eine der Gefährtinnen.

Generell: Dragon Age Inquisition ist ein Spiel, das neue Standards für RPGs setzen wird. Die schier endlosen Möglichkeiten das Spiel so anzupassen, wie man es gerne hätte – von Ausrüstung zu Aussehen zu Steuerung zu Vorgehen – setzen neue Maßstäbe was Anpassungsfähigkeiten angeht. Das Spiel ist ein Zeitfresser – im guten wie im schlechten. Wie Skyrim wird man das nicht an einem Wochenende durchspielen sondern eher über Wochen und Monate hinaus immer mal wieder spielen. In den großen Arealen kann man zwar auch reiten, aber Fast Travel gibt es nicht von überall aus (z.B. in Dungeonbereichen), ein kleines Manko in diesen riesigen Bereichen. Gleichzeitig muss man sich Zeit nehmen um wirklich ins Spiel reinzufinden, sollte man den Anspruch haben, möglichst viel mitzunehmen und alles zu clearen. Ein paar kleinere Bugs hatte ich noch drin, ich denke aber, dass diese mit Release weggepatcht werden.

Erster Eindruck: Das Spiel lohnt sich für alle, die RPGs, intensive Storys, Open World und Customization lieben.
Lieblingsfeature: man kann die Hüte ausblenden.
Nachteile: so viele Möglichkeiten zu wählen kann auch mal überfordern – sowohl was das Spiel selbst angeht, als auch wie man an das Spiel heran geht.
Getestet auf: der PS4.

Fazit: Nicht nur für Genreliebhaberinnen einen Kauf wert.
Dragon Age Inquisition gibt es ab 54,99 Euro z.B. bei Amazon.


 Aufgepasst: ich streame am Mittwoch, ab 19:30 Uhr das Spiel live!
Welche Klasse und welche Rasse würdet ihr gerne sehen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Hier geht es zum Interview mit A. Flynn über Dragon Age und Fans!

Titelbild & Bilder: Screenshots, ©Dragon Age Inquisition, Bioware

  • Daniel Mengsk

    Weiblicher Zwergen-Warrior namens Magda! ಠ_ಠ

  • Simone Neblich-Spang

    Ich sehe schon… ich werde in den nächsten Monaten nicht viel vom Real Life haben… ^^ Warlords of Draenor, Dragon Age, Witcher… *seufz*

  • Tine

    Weibliche Qunarimage :3

  • Jochen Heistermann

    Sehr schöner erster Eindruck vom Spiel. Ermutigt mich zum Weiterspielen, nachdem ich die ersten Stunden sehr zäh fand. Hoffe Mina schreibt noch ein weiteres Review nach dem erstmaligen Durchspielen.