#Aufschrei ganz von der Rolle: Täter, Opfer, Respekt

lifejacketsEs sind ein paar Wochen seit #Aufschrei vergangen, es gab einige kluge und viele oberflächliche Artikel und Berichte, und ich sitze nächste Woche bei der SPD zu einer Diskussion zu Konsequenzen aus der Sexismus-Debatte. Konsequenzen – ja, gutes Stichwort. Was soll sich eigentlich ändern? Spontan möchte ich „alles“ schreien, es waren einfach zu viele Grenzen von zu vielen Idioten, die in den letzten Wochen Monaten Jahren überschritten wurden.

Gleichzeitig lese ich Texte von Männern an ihre Söhne und von Provokanten an FDP-Wähler (sic), und was ich immer wieder bemängeln möchte ist etwas grundsätzliches: Respekt. Sei es, wenn ich lese, Frauen würden sich Männer wünschen, die es nicht gäbe; sei es, wenn ich lese, der Feminismus(TM) hätte die Männer nicht mitgenommen; sei es, wenn ich lese, Frauen würden wegen Kleinigkeiten ein Geschrei veranstalten; sei es, wenn ich lese, wo Regeln wären, würde es umso mehr Spaß machen, diese auszutricksen. Bei all dem frage ich mich – wo ist dort der Respekt? Der Respekt vor anderen, dem Individuum Frau, der Gruppe „Frauen“?

Letztendlich schwingt bei all dem etwas widerliches mit: ein subtil unterstellter Bonus, den Frauen auf Grund ihrer Rolle als Frau bekommen würden. Nun, Fakt, jedes Geschlecht wird sicherlich irgendwann einmal (oder mehrmals) im Leben einen Bonus bekommen, einfach nur weil sie/er ein/e Frau/Mann ist – genauso wie jede/r einmal auf Grund des Geschlechts Nachteile erfahren kann. Jedoch geht es bei der Sexismus Debatte ja gar nicht um eine abstrakte Makrowelt der Möglichkeiten. Es geht um Realitäten und Häufigkeiten, um Macht und Strukturen, um komplexe Beziehungen, um Opfer und Täter. Wie ich bereits versuchte darzustellen geht es bei #Aufschrei konkret um Fälle, in denen Frauen Opfer sexistischen Verhaltens bis hin zu eindeutiger Belästigung und Übergriffen wurden – von Vorgesetzten, Freunden, Bekannten, Kollegen, Lehrern, Nachbarn, … und ihnen in diesem Kontext einen „Bonus“ zu unterstellen, hat etwas widerwärtiges. Dieser Text erklärt es wunderbar (Hervorhebungen von mir):

Der Begriff der Opferrolle beschreibt die Position eines Menschen in einer Situation. Nichts weiter.
X wird von Y gehauen, so ist X in diesem Moment in der Opferrolle. Punkt.

Geht X irgendwohin und sagt: “Ich kann dies nicht, ich kann das nicht, weil ich ein Opfer bin. Und ich werde das auch nie können, weil ich ja auch immer Opfer sein werde. Also: (hilf mir)- hab mich lieb- lass mir alles durchgehen- ich darf das, weil ich ja so ein dolles Opfer bin…”, kann man sagen, dass X auf einem OpferSTATUS pocht.
X verlangt eine (Sonder)Behandlung aufgrund seines Status als Opfer. Das kann gerechtfertigt sein oder auch nicht. Hat aber an sich nichts mit der Position (der Rolle) in der Gewaltsituation zu tun, sondern mit dem sozialen Miteinander und/ oder dem Leiden unter den Folgen dieser Situation.

In der gegenwärtigen Diskussion, wird stets unterstellt, dass

a) Frauen grundsätzlich auf ihren „Opferstatus“ pochen und dass
b) dies grundsätzlich ungerechtfertigt ist.

Beispiele? Nun, das fängt an, wenn Männer nun jammern, dass sie nachdenken müssen, bevor sie eine Frau angraben, und hört bei der feministischen Weltverschwörungstheorie längst nicht auf.

Jetzt bin ich wieder bei Respekt.

Wir leben leider in einer Gesellschaft, in der ein Opfer unterschwellig immer einen Teil der Schuld mitträgt – wenn nicht an der Situation selbst, dann am eigenen Umgang mit selbiger. „Wehrt euch“ und das schreckliche „Schweigen der Lämmer“ sind da nur ein Beispiel (wenn Frauen sich wehren würden, würde das gar nicht passieren), genauso natürlich wie das typische Derailing und die Täter-Opfer-Umkehr. Nachdem, dank der harten Arbeit wundervoller Menschen in Blogs, Fernsehen, Radio und überall sonst, die Debatte um #Aufschrei davon recht schnell wegkommen konnte (zumindest ein Stück weit), ging sie jedoch fast nahtlos dazu über, die Schuld dennoch bei den Opfern von Sexismus abzuladen – und zwar in ihrem Umgang mit selbigem.

Kein Geschrei wegen „Kleinigkeiten“ sollen sie machen. Bei ihrem Kampf bitte alle emotional und sachlich „mitnehmen“, bloß nirgendwo anecken. „Amerikanische Verhältnisse“ werden befürchtet, und überhaupt, was soll das Gejammer?

Jetzt mal zum Mitschreiben für alle, die in dieser Respekt-Sache nicht so ganz klar kommen:

Wer etwas verletzendes erlebt hat, entscheidet selbst, wie sie/er das verarbeitet. Wann sie/er es verarbeitet. Mit wem. Wo. Ob.

#Aufschrei hat eine Struktur in Deutschland offenbart, die andere Länder bei uns mit unserer deutschen Kanzlerin nicht im Traum für möglich gehalten hätten: die strukturelle Machtausübung von Männern gegenüber Frauen, die wiederholte Erniedrigung, das ständige Kleinmachen.

Respekt wäre, wenn das Wort „Opfer“ keins der Schande mehr ist, keins, mit dem „wir“ kalt kalkulierende Intrigant_innen vermuten, die alle anderen ausbeuten möchten, sondern ein Wort, das Empathie und Mitgefühl in uns auslöst, und den Wunsch anders zu handeln.

Respekt wäre, mit diesen subtilen und anstrengenden Unterstellungen aufzuhören und reflektierte Artikel zu verfassen. Respekt wäre, wenn dies nicht möglich ist, dann lieber nichts zu dem Thema zu sagen.

Respekt wäre ein „Was machen wir in Zukunft besser“ statt ein „Ja, aber ihr nervt/stellt euch an/habt den Teller nicht leer gegessen“.

Respekt wäre ein Umdenken.

Respekt wäre Handeln.

Respekt fängt jetzt an. Bei euch. Bei mir. Bei uns.

Wir müssen nicht nur uns selbst in die Verantwortung nehmen und Briefe an unsere Söhne schreiben – wir müssen auch all die Täter in die Verantwortung nehmen. Wir müssen dafür sorgen, dass alle mit Nach- und Umdenken anfangen. Wir, als Gesellschaft, kollektiv. Nicht wir, die Opfer. Nein, wir, die Nicht-Opfer und Opfer, die Nicht-Täter und Täter, die Weggucker und Mittäter. Wir alle.

Respekt ist, niemanden auszugrenzen. Respekt ist jetzt. Respekt ist Wir.

Ich glaube, wenn das eine Konsequenz aus der #Aufschrei Debatte werden könnte, wären wir schon einen riesigen Schritt weiter.

  • ach btw. bezüglich Respekt:
    Wie denken Sie über das Konzept von Respekt, der verdient werden muss?

    • Mina

      So, wie ich es in dem Artikel lange beschrieben habe. Oder worum geht es genau?

      • Naja, es gibt in meinem Verständnis die Art von Respekt, die wir alle haben – die Menschenwürde, die Sie in ihrem Artikel beschreiben – und die Art von Respekt, die man sich durch Leistung verdient.

  • der letzte Absatz ist groß
    Danke :-)

  • Lars Brunstein

    Tja ja der Respekt. Fordert man diesen etwa von jenen jammernden Männern, die darüber nachdenken eine Frau „anzugraben“? Nun ja Männer die darüber jammern, nicht mehr zu wissen was sie sagen sollen, können in der Regel keine Täter gewesen sein. Denn Täter sind ja meist die, die nicht in der Lage waren sich zu reflektieren. Da wird auch eine Debatte oder ein Aufschrei nichts ändern.
    Respektlosigkeiten wird es traurigerweise in unserer Gesellschaft immer geben, dass ist leider so sicher wie das Amen in der Kirche. Wer etwas anderes glaubt, lebt in einer rosa roten Blümchen Welt.
    Das ist die eine Sache, die andere zum Thema Sexismus ist:
    Die Anzahl der Brustvergrößerungen haben sich in den letzten 10 Jahren in Deutschland verdreifacht. Warum?
    Darf man als Mann der Frau dazu nicht mehr gratulieren? Ich meine der Betrag liegt da so im 4 stelligen Bereich. Warum macht eine Frau das? Und was würde eine Frau machen wenn es kein Mann bemerken würde? Nochmal vergrößern?
    Diese Gesellschaft steckt voller Widersprüche. Die einen verurteilen wenn man(n) etwas über die Brüste der Frau sagt, die anderen gehen zum Chirurgen oder zur Chirurgin.
    Und zum Thema Frauenquote:
    Es gibt eine Studie, nennt sich „Die Bildungsfalle“. Schonmal gehört? Nein?
    Wundert mich nicht. Wieder etwas was vom Feminismus unter den Tisch gekehrt wird.
    Laut Umfrage wären nur 20 Prozent der Frauen bereit, in der Karriereleiter nach unten zu heiraten. Warum?
    Weil die meisten Frauen immer noch einen Mann haben wollen der die Versorger Rolle übernimmt.
    Der Feminismus und seine Quote. Funktioniert wohl nur dann wenn man mit seinem Geschlecht auch einig darüber ist.
    Warum ich das Bsp. bringe?
    Weil es zeigt, dass die meisten Frauen im Konflikt mit ihrem eigenem Geschlecht stehen.
    Auch hier wieder der Widerspruch: Die einen wollen Karriere, die anderen aber auf keinen Fall nach unten heiraten.
    Gegen Täter bin ich auch, aber bitte erst wenn ihr euch einig seit liebe Frauen.
    Danke!

    • Mina

      Von Tätern über Sexismus zu Brustvergrößerung in wenigen Zeilen. Herzlichen Glückwunsch.
      Die Gesellschaft steckt voller Widersprüche – korrekt. So ist der Mensch. Warum ist dein gegen die Täter sein (was heißt das?) davon abhängig, ob Frauen sich einig sind (was heißt das?)? Bist du dir zu unsicher, wie du dich verhalten sollst, oder ist das einfach eine Ausrede (ernst gemeinte Nachfrage)?

      • Chris Done

        Ernst gemeinte Nachfrage:
        Wenn ich eine Antwort schreibe und die dann hier nicht steht: Nur weil dir die Antwort nicht passt?
        Sehr sehr schwach.
        Werde keinen Kommentar mehr hier rein schreiben.
        Da ist ja lächerlich.

        • Mina

          Es sind noch viele Kommentare in der Warteschleife – gerade wenn es lange Antworten sind oder nah am Trollen/Beleidigen/Verschwörungstheoretiken lass ich mir mehr Zeit zu veröffentlichen. Ob du das schwach findest interessiert mich leider nicht :>

          • MRetsum

            Oh, oh! Wo bleibt der Respekt?

            „Ob du das schwach findest interessiert mich leider nicht :>“

            Man kann nicht einfordern, was man selbst nicht gewährt!

            //Spiegelvorhaltemodus Ende!

          • Mina

            Du hälst keinen Spiegel vor, du vergleichst Äpfel mit Birnen. Wenn mich jemand blöd von der Seite anmacht, wehre ich mich – ob hier im Blog oder auf der Straße. Das mag schwer zu verkraften sein für manche Trolle. Bei der Flut von Beleidigungen, Schwachsinn, Bullshit und Verschwörungstheorien die Menschen hier so in das Kommentarfeld kotzen allerdings eine normale und gesunde Reaktion.

    • Honey Badger

      Zudem: Auch über das Thema „Brustvergrößerung“ denken viele Frauen anders. Zum Beleg ein Bericht von alltagssexismus.de :

      „Seit ich 15 oder 16 war, hab ich gehungert, um meine Brüste und alles wegzubekommen, das Männer dazu bringt, Frauen zum Objekt zu machen. Natürlich war mir das damals nicht so bewusst, ich wollte einfach dünn sein, keine weiblichen Formen haben, eigentlich gar keine Formen haben, weil mit ungefähr 14 die Belästigungen, ekelhaften Blicke usw. anfingen. Ich bin heute (23) auf Größe 38, es fällt mir aber immer noch schwer, die „Kurven“ zu akzeptieren. Ich mag meinen Körper nicht. Ich trage keine engen Sachen, weil ich männliche Blicke einfach nicht ertragen kann und immer immer denken werde, dass es meine Schuld ist.“

      Nur weil ein paar Frauen eine Brustvergrößerung vornehmen, sind wir nicht alle der Brustvergrößerung „schuldig“ und möchten sicher nicht dafür in „Sippenhaft“ genommen werden, indem man uns respektlos behandelt. (Aber auch die Frauen, die sich die Brust vergrößern lassen, sind noch kein Freiwild – aber das nur am Rande.)

    • Dirk Moebius

      Das ist natuerlich Bloedsinn.

      Natuerlich sind nicht alle Frauen gleich, denken das Gleiche, wollen das Gleiche.

      Aber exakt deshalb sollte man nicht, wie Dein Beitrag insuiniert, erwarten, eine Gebrauchsanweisung fuer „die Frau“ zu erhalten. Stattdessen braucht es ein bisschen Zeit, sich mit *der* einen Frau zu beschaeftigen, mit der man Kontakt aufnehmen moechte.
      Das allerdings erfordert Zeit, ein klein bisschen Empathie und die Bereitschaft, auf simple Loesungen, die nicht funktionieren, zu verzichten zugunsten von solchen, die funktionieren koennten.

  • Honey Badger

    Irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass die ganze #Aufschrei-Debatte zu einer endlosen Diskussion verkommen ist, ob Männer denn nicht die eigentlichen Opfer sind.

    Es gibt zwar Männer, die sexuelle Gewalt erfahren haben, und das ist schlimm, aber wieso ist das in der gegenwärtigen Diskussion ein Argument dagegen, dass Frauen sexuelle Gewalt erfahren? Eigentlich sollte das doch eher ein weiteres Argument für den großen Handlungsbedarf sein, der bei dem Thema besteht, und nicht ein Argument, das Opfer von Sexismus/sexueller Gewalt generell zum Schweigen bringen soll. Eigentlich sollte doch die Tatsache, dass auch Männer Opfer werden können, andere Männer für das Problem sensibilisieren und nicht abstumpfen, oder?

    Ich vergleiche das gerne mit Schwarzen und Weißen, denn für das Problem des Rassismus scheint es mehr Bewusstsein zu geben als für Sexismus, der gerne mal bagatellisiert wird. Wenn Schwarze sich über Rassismus beschweren, dann würde ich doch auch nicht als Weiße die Diskussion umlenken und „blame shift“ betreiben, indem ich überall dazwischen fahre und ständig wiederhole, dass auch Schwarze hin und wieder Weiße aus Rassenhass verprügeln.
    Versteht mich nicht falsch: Ich finde es schlimm, wenn Leute einfach verprügelt werden, egal ob schwarz oder weiß. Aber wenn ich in einer Diskussion wäre, wo Schwarze sich über weißen Rassismus beschweren, würde ich als Weiße erst einmal das Problem der anderen ernst nehmen, nicht bagatellisieren, nicht auf eine Diskussion umlenken, ob Schwarze genauso „rassistisch“ sind und nicht versuchen, die Leute zum Schweigen zu bringen. Und ehrlich, wenn sehr viele meiner weißen Mitbürger an der Stelle anders handeln würden, würde ich das als extrem unfair gegenüber dem berechtigten Anliegen der Schwarzen empfinden.

    Ich würde es begrüßen, wenn die Männer auch einen #Aufschrei organisieren würden. Dann könnten wir alle besser abschätzen, wieviele Männer betroffen sind. Außerdem würde mich interessieren, ob ein männlicher Aufschrei in den Medien ernster genommen würde als ein weiblicher, ob männlichen Opfern auch pauschalisierend die Schuld gegeben würde oder ob das Problem Männer vielleicht für einen generell anderen Umgang mit dem Thema sensibilisieren würde.

    Vielleicht könnte ja das Bundesforum Männer etwas in der Art veranlassen, sonst kommt am Ende noch irgend so ein Frauenhasser von der „antifeministischen Männerrechtsbewegung“ auf die glorreiche Idee und vergiftet das Thema von Anfang an (was auch den männlichen Opfern sehr schaden würde).

    • Es geht mMn. bei der Überlegung ob Männer nun die Opfer von Sexismus sind nicht darum, wie oft Männer im Vergleich zu Frauen das Opfer von Alltagssexismen á la „Hey Baby“-Sprüchen, Pograpschern und Herunterspielungen sind.

      Sondern viel mehr um die Frage, was Männer dazu veranlasst Frauen sexistisch zu behandeln.

      Und ob Frauen gegenüber Männern nicht auch eine Form von Sexismus anwenden, der sich allerdings von männlichen Sexismen unterscheidet, sodass sich ein Wechselspiel ergibt.

      Davon ausgeschlossen sind allerdings ganz dezidiert Sexismen gegenüber Männern und Frauen, die in professionellem Umfeld und/oder innerhalb eines Machtverhältnisses stattfinden.

      Es geht dabei nicht darum einen Täter zum Opfer zu stilisieren.
      Es geht auch nicht darum, den Opfern keinen Respekt zollen zu wollen.
      Es geht darum das Problem „Alltagssexismus“ besser zu verstehen, um es lösen zu können.

  • Honey Badger

    Sorry, ich hab noch was vergessen. Wenn Du schon nächste Woche bei der Diskussion bist, könntest Du doch vielleicht – mal so als Tipp – das mit der sogenannten „antifeminstischen Mänerrechtsbewegung“ ansprechen. Nur wenn sich die Gelegenheit bietet.

    Der Name ist irreführend, da es sich weniger um eine Männerrechtsbewegung handelt (das Bundesforum Männer distanziert sich auch von der Bewegung) als eindeutig um eine frauenfeindliche Bewegung, die teilweise von starkem Frauenhass geprägt und sicher verfassungsfeindlich ist. Männer werden auch angefeindet, sofern sie in den Verdacht kommen, mit Gleichstellung oder Feminismus zu sympathisieren. Teile der antifeministischen Männerrechtsbewegung überschneiden sich mit der extremen Rechten, aber die Bewegung ist nicht deckungsgleich. (Mir ist schon mal ein Marxist untergekommen, der auch zur Bewegung gerechnet werden konnte.)

    Die Methoden der Bewegung sind Intervention in Onlineforen, Einschüchterung von politischen Gegnern durch „hate speech“ und Drohungen gegen Feministinnen und Feministen sowie ihre Familien.

    Es gibt eine Studie von 2012 zu dem Phänomen:

    http://www.boell.de/downloads/antifeminismus-innen_endf.pdf

    Die Studie bezieht jedoch nur Daten bis August 2011 ein. Ich habe den Eindruck, dass die Bewegung seitdem deutlich an Verbündeten und Bedeutung gewonnen hat, auch in Zusammenhang mit #aufschrei. Beim Besuch der Internetpräsenz dieser Leute kann man fast neidisch werden, so gut wie die vernetzt sind. Das könnte durchaus auch zur Mobilisierung taugen. Dies ist imho eine sehr beunruhigende Entwicklung.

    • Mina

      Oh wow, mir war gar nicht klar, dass es so was so strukturiert gibt. Werd mir das PDF definitiv mal ansehen – ich hoffe eigentlich, dass das Thema nicht aufkommt und wir konstruktiv diskutieren können, und es beruhigt mich auch, dass das Bundesforum Männer wohl ein sachlicher Gesprächspartner sein wird :)

      • Honey Badger

        Hey, freut mich dass Du es dir anschauen willst. Ich bin letztes Jahr auf diese Bewegung aufmerksam geworden, als ein Freund zufällig einen Blog entdeckte, der sich perfiderweise als Frauenhaus tarnte und dessen Inhalt dergestalt war, dass eine traumatisierte (Hilfe suchende) Frau davon regelrecht Albträume bekommen muss. Da ist von der „Frauen sind minderwertig“-Schiene bis zu der Behauptung, Vergewaltigung sei eine Erfindung der Frauen (und weniger schlimm als ein Sturz vom Fahrrad) alles dabei. Der Blogger fordert sogar die Abschaffung der Frauen und deren Ersetzung durch „Fembots“, da diese die besseren Lebens- und Sexpartner seien (allerdings will er nicht alle Frauen gleichzeitig abschaffen). Und die Kommentare dazu sind im selben Tonfall.
        Der Blog lässt sich über Google nicht mehr finden, ist aber immer noch online und auf den anderen in der Studie erwähnten Internetseiten verlinkt. Auch in einem von mir weiter unten aufgeführten taz-Artikel findet sich einen Link.

        Mir ist auch aufgefallen, dass in letzter Zeit immer mehr frauenfeindlicher Blogs wie Pilze aus dem Boden schießen. Erst vor wenigen Tagen bin ich wieder zufällig über einen gestolpert. Ich suche schon gar nicht mehr absichtlich danach, weil es mich ehrlich gesagt zu sehr aufrüttelt. Aber man findet trotzdem viel zuviel von dem Zeug. Vor vier Monaten habe ich einen Blog gefunden, wo der Blogger für den „Gynozid“ plädiert. Ich habe auch schon von Leuten gehört, dass Facebook von solchen und anderen Beiträgen ziemlich stark betroffen sein soll, bin aber selbst dort nicht angemeldet.

        Vor einigen Monaten habe ich auch festgestellt, dass die Bewegung international recht gut vernetzt ist, was in der Studie der Böll-Stiftung gar nicht berücksichtigt ist. Vielleicht ist das ein eher neues Phänomen, aber ich habe da einiges an englischen und italienischen Seiten gefunden, die massiv vernetzt waren.

        Darüber hat auch die taz schon berichtet:

        http://www.taz.de/!98238/

        Ich drücke Dir für Deine Diskussion die Daumen. Falls Du noch Infos brauchen kannst, ich kann Dir noch eine Menge raussuchen.

  • Steffen

    Du hast das Thema sehr gut auf den kritischen Faktor eingedampft – Respekt. Wesen des Respekts ist die Begegnung mit seinem Gegenüber auf Augenhöhe. Und damit ist es das genaue Gegenteil des Prinzips von Machtausübung im herkömmlichen Sinne.

    • Mina

      <3

  • @Omney

    Ich verstehe das Thema in sich nicht wirklich. Ich bin nicht mit allem oben Geschriebenem einverstanden, aber die wesentliche Erkenntnis, dass sich alles auf Respekt / respektvollen Umgang miteinander kapriziert, ist richtig.

    Ist es tatsächlich so schwer, Menschen im persönlichen Umgang nicht auf oberflächliche Merkmale zu reduzieren? Nein, ist es nicht.

    Ist es tatsächlich schwer, dies im Vorbeihuschen zu tun? Ja, ist es. Und das ist auch nicht schlimm. Klar bemerke ich, wenn jemand aufgrund weniger Eigenheiten (beispielsweise) attraktiv ist … oder eben nicht. Klar bin ich gegenüber diesen Menschen unfair. Aber eben nur innerhalb meines Kopfes. Das ist legitim, das lässt sich nicht verhindern. Werbung funktioniert übrigens genau so. Naja, und eben auch anders, viel dümmer, aber das ist ein anderes Feld. ;-)

    Also, trennen wir unsere innere von unserer äußeren Stimme. Unterscheiden wir den Mensch von seiner Oberfläche. Dann ist das alles sehr einfach. Man muss es eben nur machen.

  • WUK

    …“wir haben ganz andere Probleme“, schrieb unter anderem eine Autorin in der Stuttgarter.
    Und am 19.2. eine verdeckte Autorin in „FAZ“ über die versuchte Formatierung Ihrer Person und Stellung, vor allem von seiten der Kolleginnen und Studentinnen. An der Harvard University!

    • Mina

      …und?

    • @Omney

      Es gibt immer „andere Probleme“, aber um die gehts hier halt nicht. ;-)

  • WUK

    Wunderbar bis sonderbar die Bemerkungen auf(/!) dem letzten „Satire-Gipfel“ von Dieter N. und Gerburg J.. letztere:“Ich habe nichts gegen Sexisten, nur müssen sie gut im Bett sein.“
    Kein Kommentar. Oder: „Männer und Frauen passen nicht zusammen. Außer in der Mitte.“

  • Pingback: Respekt ist nur der Anfang « Teilzeitpazifismus im Lernmodus()

  • Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Aktivismus hat viele Gesichter – die Blogschau()

  • Pingback: #neuesschweigen statt #aufschrei? « Zornkopf!()

  • Honey Badger

    Hi Mina,

    wie ist denn die Diskussion bei der SPD gelaufen?

    Liebe Grüße
    Honey