Anti-Feministen in freier Wildbahn, das Versagen der ÖR, und Ratlosigkeit.

Wir waren kurz vor die Tür gegangen, um frische Luft zu schnappen. Die Maischberger Sendung sollte gleich los gehen. Keine Minute draußen, da folgte uns ein junger Mann, dann noch einer, dann noch einer, dann noch fünf. Die Gruppe war uns schon zu Beginn aufgefallen, da sie uns beim Ankommen von oben bis unten musterten. Kritisch. Wertend. Einschätzend. Ausdauernd.

„Na ihr!“ dreht sich einer zu uns, die Zigarette unbeholfen in der Hand. „Ihr seid doch bestimmt Feministinnen!“
Elli, Jasna und ich wechseln einen kurzen Blick. Okay, das könnte lustig werden, denke ich und frage zurück: „Wieso das denn?“
„Na, ihr seht halt so aus. Wie Feministinnen.“
Jasna und Elli wollen es nicht gelten lassen. „Erklär doch mal“ sagt Jasna, „woran erkennt man denn eine Feministin?“
„Frauen, die einfach so selbstbewusst da stehen… na ihr müsst Feministinnen sein!“
„Frauen.. die selbstbewusst… da stehen…“ wir wiederholen die Aussage langsam, das muss man erst mal verstehen. Wir lassen die Frage, ob wir Feministinnen seien unbeantwortet. „Für wen bist du denn da?“ frage ich. Meine Neugier ist geweckt. Er weicht aus.
„Also ich hab ja nichts gegen Frauen“ fährt er fort, „aber der Feminismus will alle Männer unterdrücken. Das finde ich total unfair.“ Er scheint das wirklich ernst zu meinen. Wirkt unsicher.
„Inwiefern unterdrücken Feministinnen denn Männer?“ fragt Elli oder Jasna oder ich, ich weiß es nicht mehr.
Er redet weiter, fahrig, nicht richtig antwortend, eher zu sich selbst sprechend. „Ich hab da so einen Kumpel, der wird von seiner Freundin total unterdrückt. Der kann gar nichts mehr.“
„Und was hat Feminismus damit zu tun?“
„Seit er mit der zusammen ist hat er nie Zeit für mich. Nur immer sie. Nie geht er raus.“ Oh, ich ahne worum es geht. Vielleicht hilft es ja, jetzt mal von dieser Meta-Ebene runter zu kommen.
„Das ist doch normal, wenn man frisch verliebt ist. Das geht auch vielen Frauen mit ihren Freundinnen so“ setze ich an.
„Das ist es ja! Die sind schon lange zusammen. Und sie unterdrückt ihn! Der Feminismus!“
„Ich denke, das ist eher eine Frauen-Männer Sache, als eine Feminismus-Sache“ versucht es Elli.
„Guck mal, wie würde es dir denn gehen, wenn deine Freundin nicht für dich da ist wenn es dir schlecht geht, weil der fünfte Cousin ihres Freundes Geburtstag hat?“ Ich gucke ihn an. „Ja, das kenne ich. Ist scheiße. Aber Freundschaften entwickeln sich eben.“ Dann, kurze Pause: „Hast du ihn mal darauf angesprochen?“
„Ja. Sie unterdrückt ihn. Der Feminismus!“
„Du, das hat mit Feministinnen nichts zu tun.“
„Ich wusste doch, dass ihr Feministinnen seid!“ Plötzlich ist er wieder groß, stark, nicht mehr verletzlich. Er ist gekränkt. „Auch wenn ihr das verneint habt!“ Er guckt uns böse an.
„Niemand hat irgendwas  verneint“ sagt Jasna.
„Doch, gerade du!“ sagt er ihr. Und dann: „Wo kommst du her?“
„Deutschland. Ich bin Deutsche.“
„Nein. Ich meine: woher kommst du? Du bist doch Türkin! Oder so! Guck mal wie du aussiehst! Du bist keine Deutsche!“
Mein Toleranzlevel ist voll. Ich bin dabei zu gehen. Nach etwas Hin und Her gehen wir rein.

Wir erfahren kurz darauf, dass die Gruppe Jungs – Männer wäre wirklich zu viel des Guten – reihum alle Frauen unter 30 vor der Sendung ansprachen. Wie in einer Übung. Einer der verantwortlichen Redakteure läuft vorbei, ich halte ihn auf. „Ich war darauf gefasst, anti-feministische Kommentare zu bekommen, das kenne ich, das war zu erwarten. Aber dass wir uns rassistisch angehen lassen müssen, ist wirklich unakzeptabel.“ Wir erklären die Situation. Stellt sich raus: die Gruppe Jungs – etwa 12 – waren Gäste des Pick Up Artists, der seinen geistigen Sondermüll schon bei ZDF Neo abließ und über krautchan eine für ihn günstige Abstimmung organisierte – ohne, dass die ÖR etwas bemerkten. Der verantwortliche Redakteur entschuldigt sich sofort bei Jasna, bietet an, den Typen zu konfrontieren, mit ihm zu reden. „Ich stelle mich jetzt nicht in die Gruppe und diskutiere das. Wir sind drei Frauen, entweder Sie glauben uns, oder nicht“ sage ich. Schnauze mittlerweile voll. Jasna ist eh nervös, vor der Sendung, wir litten doch alle mit Kathy mit. Sagt, sie hat keine Lust das Rudel draußen durch einen Ausschluss eines der ihren zu provozieren. Ich stimme zu. Je länger wir eben diskutierten desto näher schienen die anderen Männer zu rücken. Gruselige Vorstellung. Der Redakteur verspricht, nach der Sendung mit dem Gast zu sprechen. Heute erfährt Jasna, dass der Mann einfach auflegte, als der Redakteur anrief.

Ich will ja nichts sagen…. aber….

Das kommt davon, liebe ÖR, wenn man sich nicht informiert.

Wenn man solchen Leuten Plattformen bietet – sei es als Talkshow-Gast (der „Artist“ sollte erst bei Maischberger reden, durfte zum Trost dann seine Fußballmannschaft ins Publikum mitbringen) oder im Publikum. Eine Sendung zu Sexismus, und alle jüngeren Frauen müssen sich im Vorfeld der Sendung systematisch auf unangenehmste objektifizierende Weise mustern lassen. Einige sich beschimpfen lassen.

Und ich bleibe ratlos zurück: das sind diese Anti-Feministen? Diese Trolle, die mir hier die Kommentare vollkotzen oder auf Ask.fm fragen, ob ich „für Reizwäsche zu frivol“ bin? Kleine, verunsicherte Männer, die traurig sind, dass ihr bester Freund keine Zeit mehr für sie hat?

upset

Ja, das sind sie. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass sie einfach Opfer von Leuten wie dem Pick Up Artist (Menschen, die Frauen beim ersten Ansprechen subtil runter machen, damit diese sich so schlecht fühlen, dass sie für die Anmache als Selbstbestätigung empfänglicher sind, ganz kranker Scheiß) sind, der locker zehn, fünfzehn Jahre älter war als seine „Bekannten“, die sich so eine kleine Armee zusammenstellen, um für ihre Ziele zu arbeiten. Die natürlich nen Scheiß damit zu tun haben, was der beste Freund des Typen denkt. Oder dessen Freundin. Das passt im Übrigen auch zu den Studien und Untersuchungen, die es zu dem Thema gibt. Das jedoch live mitzubekommen ist – unschön. Und sehr, sehr traurig.

Ich frage mich, wie man dem entgegen wirken kann? Geht das überhaupt als Frau? Oder müssen wir hier in unsere männlichen Mitstreiter vertrauen? Sollte man da von unten, der Wurzel aus ran? Oder einfach diesen „Artist“ als das entlarven, was er ist – ein kranker Mensch dem es nur um sich geht?
Der Typ der uns ansprach könnte so ein sympathischer Mann sein. Man merkte sofort, dass er in dieser „ich mache Frauen jetzt runter um zu sehen ob ich sie rumkriege“-Rolle nicht natürlich war, wie es bei manchen Menschen (sic) leider der Fall ist, und generell so sensibel, in allem was er schilderte. Wie ein kleiner Bruder, den man trösten sollte. Und nicht zum Anti-Feministen anstacheln sollte. Nach der Sendung machte er ein Foto mit Alice Schwarzer. Und der Pick Up Artist sprach sie an. Er fände es gut, dass sie Männer nicht mehr so sehr hassen würde.

„Schatz“ sagte Schwarzer, „ich habe Männer nie gehasst.“

  • micha06de

    Der Artikel ist gut und hat mich betroffen gemacht. Von dem Phänomen „Pickup Artists“ habe ich bislang nicht gehört. Es ist schon unglaublich was es heutzutage (im dritten Jahrtausend) an frauenfeindlichen Aktivitäten gibt.

    Ein Satz schmälert aus meiner Sicht den Beitrag, das ist „Kleine, verunsicherte Männer, die traurig sind, dass ihr bester Freund keine Zeit mehr für sie hat?“. Die Motivation dafür kann ich verstehen. Er stellt aber auch eine Diskriminierung dar, die ihr nicht nötig habt und die Angriffspunkte schafft.

    • Mina

      Das ist nicht wertend gemeint, sondern war eher eine versuchte Beschreibung der Person. Kann aber verstehen, dass es vielleicht so rüber kommt.

  • CB

    Danke für den Beitrag!

    Ein kleiner Hinweis zum letzten Absatz. Eventuell hat aber auch bei Dir die psychologische Manipulation gewirkt? Ich war nicht dabei und kann es deshalb nicht voll beurteilen. Eventuell kannst Du das, wenn Du noch einmal mit Abstand die Situation betrachtest. Was hat er denn getan? Komplimente (selbstbewusste, starke Frauen) mit Beleidigungen/Vorwürfen gemischt… Er war zerbrechlich und gleichzeitig aggressiv. Genau das charakterisiert ja unter anderem die PUAs. Dein Fazit: „sympathisch“, „sensibel“, „kleiner Bruder“, „trösten“… Ich persönlich halte die Geschichte vom verlorenen Freund für völlig frei erfunden. Ist natürlich nur mein Eindruck nach dem Lesen Deiner Zusammenfassung.

    Wie wirkt man dem entgegen? Eine gute Frage, die ich auch kaum beantworten kann. Ich glaube es gibt diesbezüglich kaum etwas, außer „Aufklärung“. Vor allem darf man nicht vergessen, dass eine abgeschwächte Version dieses „Ja-Und-Nein-Spiels“ in unserem Kulturkreis durchaus zum typischen Flirten gehört. Das beudetet, dass nicht jeder (und durchaus auch jede), der so handelt zu den PUAs gehört. Selbst die Manipulation gehört zu einem Gewissen Anteil dazu. Eventuell hat sie allerdings einen größeren „unbewussten Kern“. Ich finde Simmel hat es in „Die Koketterie“ sehr schön zusammengefasst. Auch wenn der Text sich auf Frauen bezieht, ist er aus meiner Sicht in der Grundstrultur ebenfalls auf Männer anwendbar – damals gab es nicht den Begriff des Flirtens und die „Spielregeln“ waren auch noch etwas anders.

    Es kommt darauf an mit welchem Ziel man so handelt. Wenn ein Mann oder eine Frau unendlich verliebt ist oder ernsthaftes Interesse an das Gegenüber hat, dann ist dieser „Tanz“ durchaus in Ordnung. Dieser „Tanz“ ist auch in Ordnung, wenn es ausschließlich eine Bettgeschichte werden soll, wenn beide(!) Seiten(!) sich darüber im Klaren(!) sind! Das perfide der PUAs ist ja vor allem, dass sie in diesem Punkt täuschen.

    Ich glaube man kann dem nur entgegenwirken, indem man bewusst entschleunigt. Wenn jemand Interesse an einer Beziehung hat (oder ähnliche „Konzepte“), dann investiert er auch Zeit. Wenn mir etwas an einem Mensch liegt, dann kann ich auch einem langsameren „Tempo“ folgen. Natürlich kann es niemals ein unendliches Spiel sein, weil irgendwann zu viel mit den Gefühlen gespielt wird. Ich glaube viele Menschen kennen das unschöne Gefühl der „Ungewissheit“, das irgendwann in eine Gewissheit aufhehen muss. Entweder durch das Gegenüber und es kommt zum „Happy End“. Oder man kommt selbst und für sich zu der „Gewissheit“, dass es nur ein Spiel für das Gegenüber war.

    Noch ein Wort zum Beginn. Falls Du zu dem Ergebnis kommen solltest, dass auch bei Dir die psychologische Manipulation gewirkt hat, dann sehe das nicht als Schwäche! Es zeigt lediglich, dass Du ein Mensch mit Gefühlen bist und Dein Gegenüber zu einer ekelhaften Minderheit gehört. Zu einer Minderheit, die leider die Gefühle und Menschlichkeit anderer Menschen ausnutzen möchte.

    • Mina

      Danke für dein Besorgnis, aber nein. Da hat nichts gewirkt. Der Typ war ein rassistischer Idiot – aber ein verunsicherter, sensibler Idiot. Der, vielleicht – so meine Grundannahme zu Menschen – wenn er von netten Leuten umgeben ist, und in der Lage ist ein bisschen zu reflektieren (kA ob er das kann), sich noch zu einem netten Menschen entwickeln könnte. Es geht mir eher darum aufzuzeigen, dass nicht alle Trolle im wahren Leben die toughen, harten, abgebrühten Kerle sind, für die sie sich halten, sondern sensibel, verängstigt, enttäuscht. Das macht sie nicht besser, das macht nur die Umstände, in denen sie manipuliert werden, tragischer.

  • Faserpiratin

    Ich füge mal hinzu, was ich mit dem Redakteur heute am Telefon sprach. Er erzählte, dass der Mensch, der uns da angesprochen hat, das Gespräch sehr schnell beendete und nicht bereit war, über den Vorfall zu sprechen. Er sah sich wohl in die Ecke gedrängt.
    Ich sagte zum Redakteur: „Na ja, ich könnte ja jetzt sagen, dass der Vorfall nicht verwunderlich ist, wenn man sich solche Gäste einläd….“ „Ich dachte eigentlich, gerade die lernen Anstand.“ Ich erklärte ihm dann, wie dieses Pick Up funktioniert.

    Danke für deinen Beitrag, Mina. Ich hätte es sonst auch noch vebloggt.

    Viele Grüße,
    Jasna

    P.S.: @CB Nein, nichts von dem, was er sagte, kam in irgendeiner Weise als Kompliment an…

  • Slash

    Ich mach‘ das sozio-mediale Umfeld für solche Auswüchse verantwortlich.
    Auf junge Männer wirkt aus unterschiedlichsten Richtungen ein ungeheurer Druck, etwas mit Frauen am Laufen zu haben; es ist so, als sei man kein richtiger Mann, sofern man dem nicht entsprechen kann; als wenn man kein lebenswertes Leben hätte, sofern man dem nicht entsprechen kann.

    Ja, und in so einem Umfeld… da wird man dann halt ziemlich plemm plemm, needy, verzweifelt, notgeil, nennt’s wie ihr wollt; es ist so, als wenn die biologische Uhr tickt. Und manche drehen dann halt ziemlich am Rad; so, wie ihr’s mitbekommen habt. Es ist auch für die getriebenen Männer keine schöne Situation.

    Das ist eine Erklärung, keine Rechtfertigung oder gar Gutheißung dieses Umstands und seiner Folgen…

    was man dagegen machen kann ? Ursachenforschung. Was im Bekanntenumfeld und vor allem was in den Medien formt Menschen derartig ? Sind es Kino-Filme ? Wenn ja, welche ? An welcher Stelle ? Wie ? Was kann man dem als Gegen-Bild entgegen stellen ? Und wo ? Kann man das Gegenbild in der Schule vermitteln ? Braucht’s Schulpsychologen ? Fragen über Fragen…

  • Kai

    Sorry, aber ich moechte hier mal was klarstellen. Nicht alle, die „Pick Up“ betreiben sind menschenverachtende Arschloecher. Ja, diese gibt es auch – aber es gibt solche Leute wohl in jeder Gruppe, geruechteweise auch bei den Piraten.

    „Pick Up“ ist erst mal eine Methode, die schuechternen Maennern beibringt, Frauen kennen zu lernen. Es gibt dabei – das will ich nicht beschoenigen – auch Auswuechse, die auf Manipulation und Psychospielchen setzen. Aber das ist eine Minderheit. Der Mehrheit geht es lediglich darum, Frauen kennen zu lernen, eine Freundin zu finden oder auch nur mal eine kurze Affaere – was ja nichts verwerfliches ist.

    Dabei lernen die Jungs und Maenner lediglich, selbsbewusst gegenueber Frauen aufzutreten. Dazu gehoert beispielsweise ein souveraenes Auftreten und das erlernen, wie man eine gewisse sexuelle Anziehungskraft erwirbt. Und hierin liegt evtl. ein grosses Missverstaendnis.

    Der schwarzersche Feminismus hat eine eher sexualfeindliche Botschaft – er vermittelt, dass der Mann grundsaetzlich aggressiv und boese ist und Sex zwischen Mann und Frau „grundsaetzlich nie ohne Unterdrueckung der Frau“ stattfindet (Zitat A. Schwarzer). Hier wird von einigen „Artists“ auf den gesamten Feminismus geschlossen.

    Der sexualbejahende Feminismus, der bespielsweise dafuer eintritt, dass Frauen ebenso wie Maenner ihre Sexualitaet ausleben koennen, ohne dafuer als „Schlampe“ bezeichnet zu werden, wird von den meisten „Artists“ sehr begruesst. Hier sehe ich auch keinen Widerspruch zwischen Feminismus und Pick Up. Im Gegenteil. Die Frauen in der Szene (diese gibt es auch) sind allesamt sehr selbstbewusst und wuerden sich zum groessten Teil wohl als Feministin bezeichnen.

    • Mina

      Wenn es nur so wenige schwarze Schafe bei den PUAs gibt, warum sind dann diese in den Talkshows und manipulieren in Massen Abstimmungen und nicht die „guten“?

      • Kai

        Na, aus dem selben Grund warum immer nur die auffälligen Krawallmacher der jeweiligen Gruppe eingeladen werden. Sonst wäre es ja zu langweilig, und die Sender wollen Quote. „Die“ PUAs sind genau so wenig alle antifeministische Frauenhasser wie alle Feministinnen lustfeindliche, männerverachtende Monster sind. Es gibt zweifelsfrei solche Exemplare, aber sie sind klar in der Minderheit – allerdings schaffen sie es immer wieder aufzufallen und ein Zerrbild der gesamten Gruppe zu schaffen.

        Pick Up als solches ist erstmal unpolitisch – es geht nur um die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und darum den Erfolg im Umgang mit dem anderen Geschlecht zu verbessern. Die politische Ausrichtung spielt dabei keine Rolle und viele Männer in der Szene sprechen sich explizit für frauenpolitische Forderungen aus, z. B. Quote.

        Ein kleiner Teil übertreibt es und betreibt das Werben um Frauen als eine Art Sport – aber solche Männer hat es schon immer gegeben, nur nannte man sie früher nicht PUAs, sondern Playboys oder Casanovas.

        Und ein noch kleinerer Teil – und das ist wirklich eine radikale Minderheit – versucht halt einen Sündenbock für ihren Misserfolg bei Frauen ausfindig zu machen, irgendetwas was sie verantwortlich machen können – und stoßen dabei auf den Feminismus. Das sind dann allerdings wirklich arme Würstchen, die von dem ganzen nichts verstanden haben.

        • Mina

          Es mag sein, dass PUAs unpolitisch sind, aber was du bisher tunlichst vermieden hast, ist aufzuzeigen, wie denn „normale“ PUAs operieren? Was sagst du zu den Links? Zu den Szenenbeschreibungen?

          So wie du PUAs beschreibst klingt es eher nach Life Coaching, statt nach Anmache, und das ist wohl etwas ganz anderes und nicht vergleichbar. Oder?

          • Kai

            Zu fragen wie „normale“ PUAs operieren ist genauso sinnfrei wie zu fragen, wie der „normale“ Brillenträger operiert. Inhalt von Pick Up ist es eben nicht, eine einheitliche Anmach-Methode zu vermitteln, sondern Originalität und Selbstbewusstsein zu fördern. Die „Methoden“ die teilweise beschrieben werden, dienen lediglich den absoluten Anfängern um überhaupt einen Ansatzpunkt zu haben um mit Frauen ins Gespräch zu kommen. Nach dieser Phase ist jeder angehalten, seine eigene „Methode“ zu finden – mit anderen Worten: Selbstbewusst und authentisch zu sein.

            Zu den Berichte und Szenebeschreibungen: Die befassen sich zum größten Teil mit der amerikanischen PU-Szene, zu der ich gar nichts sagen kann. Der FAZ-Artikel ist reißerisch und tendenziös. Aber was steht denn da in der Substanz drin? Junge Männer versuchen Frauen anzugraben um sie ins Bett zu kriegen. Ist ja ganz was neues.

            Was wird denn den Leuten eigentlich konkret vorgeworfen? Dass Männer Sex mit Frauen haben möchten? Dass sie deswegen Frauen ansprechen und versuchen zu flirten? (Ich meine wirklich flirten, keine sexuellen Übergriffe – großer Unterschied). Dass ein Flirtversuch auch mal schiefgeht ist und eine Frau sich dann unwohl füht ist klar. Ein guter PUA wird, im Gegensatz zu einem angetrunkenen Barbesucher, so etwas bemerken und die Frau in Ruhe lassen. Das gehört zu den ersten Dingen, die Neulinge lernen: nicht „needy“ sein und falls die Frau sich ablehnend verhält nicht weiter belästigen.

            Was noch? Dass Männer sich Tips fürs Flirten holen, Schulungen besuchen und Ratgeber kaufen? Überraschung: So was gibt es schon ewig. Der älteste bekannte Flirtratgeber dürfte „Ars amatoria“ des römischen Dichters Ovid sein.

            Bezgl. „Life Coaching“ vs. „Anmache“: Flirten, das werben um einen Partner und Sexualität ist ein zentraler Bestandteil des Lebens. Insofern sehe ich da keinen Widerspruch. Und ja, das fördern von Selbstbewusstsein kann auch in anderen Bereichen helfen.

            Um nun auch mal halbwegs objektive Berichte zu zitieren:

            http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/student-als-flirtcoach-lernen-vom-bagger-experten-a-710843.html

            http://www.zeit.de/campus/2010/01/service-interviews/seite-2

            http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/1641110/

          • Mina

            Wie kommt es dann, dass euer führender Vertreter bei ZDF Login auch klar sagte, ein „Nein“ einer Frau wäre nicht immer ein „Nein“ und man solle da ruhig weiter machen? Sorry, aber das ist nun mal gerade das Bild. Plus die 12 Männer vom Studio.

        • atthegates

          Jaja, alles ganz harmlos … ähh widerlich wollte ich sagen. Man siehe nur mal diesen tollen deutschen PUA-Shop: [Link entfernt]
          Der war nach ungefähr 0,1 Sekunden googlen zu finden. Wirklich tolle Produkte kann man nur sagen, überhaupt nicht frauenverachtend oder so.

          • Mina

            Ich hab den Link mal rausgenommen, nicht böse sein. Mag sowas hier nicht auch noch promoten.

          • Kai

            Schade, ich hätte jetzt wirklich gern gewusst, was atthegates da meinte. Für alle, die meinen, Pick Up wäre so furchtbar frauenverachtend, hätte ich da noch einen Link zum Pickup-Cats Forum: [Link entfernt]

            Dort könnt ihr euch mit den ach so verachteten Frauen in der Szene austauschen.

          • Mina

            Da ich gerade keine Zeit habe, das Forum zu prüfen, hab ich den Link mal rausgenommen. Findet ihr sicher auch über Google.

          • atthegates

            Kein Problem, der Link sollte auch nur zeigen, dass auch die deutschsprachige „Szene“ keineswegs harmlos ist (selbst die armen, schüchternen Nerds nicht).

            Zu den von Kai verlinkten Artikeln: Ja die Artikel zeigen ganz objektiv, was für feine Menschen PUAs sind, z.B. diese zwei Abschnitte aus dem Spon-Artikel:

            „Auch Linz wollte ein Meisterverführer werden. Er las Bücher über Psychologie und Hypnose, machte Stimmtraining, sprach Tausende von Frauen an, immer und überall. Manchmal sei er nicht nach Hause gegangen, bevor er nicht 15 Telefonnummern bekommen hatte.

            Dabei habe er etwas gelernt, sagt Linz. Die Männer, von denen Frauen sagten, dass sie sie sich wünschten, und die Männer, die Frauen tatsächlich wollten, das sei ein großer Unterschied. „Sie sagen: Sensibel und einfühlsam soll er sein. Aber tatsächlich wollen sie starke und freie Männer.“

            Es geht also sicher nicht um eine Selbsthilfegruppe mit dem Motto „Wie lerne ich endlich meine Schüchternheit zu überwinden und mit Menschen zu sprechen“. Ansonsten wäre der Name Pick-up Artist ja auch vollkommen falsch. Es geht definitiv darum Frauen möglichst effektiv anzulabern und abzuschleppen. Deshalb die Aussage „Pickup Artists are dehumanizing creeps who see relationships as adversarial and women as sex toys“ (aus dem verlinkten xkcd). Selbst ohne total bescheuerte Psychotricks wie Hypnose, NLP und Negs sind PUAs (oder „Flirtcoaches“, wie es in einigen der von Kai verlinkten Artikel heisst) einfach frauenverachtend. Ich lasse jetzt mal die zwei oder drei Token-Frauen außer Acht und sage nur, dass es andersherum natürlich genauso mies ist.
            Und für alle, denen immer noch nicht klar ist, was daran nun so mies und frauenverachtend sein soll, erläutere ich es gerne nochmal ausführlich:
            Sich einen Modus operandi für das Ansprechen und Abschleppen von Frauen anzueignen ist mies, weil man dadurch Frauen zu Objekten degradiert, die in einer von x möglichen Kategorien antwortet, worauf man dann den entsprechenden Pfad weiter verfolgt oder bei ausbleibendem Erfolg abbricht und zum nächsten Target übergeht. Selbst ohne die bereits erwähnten besonders bescheuerten Psychotricks ist das einfach nicht okay. Die einzig sinnvolle Antwort darauf ist „Just talk to them like a fucking human being“ (ebenfalls aus dem xkcd).
            Und natürlich ist es okay, wenn Männer mit Frauen Sex haben wollen (oder Männer mit Männern, Frauen mit Männern. Frauen mit Frauen, etc.), aber das gibt trotzdem niemandem das Recht andere wie Objekte zu behandeln, zu belästigen (ja auch Worte können belästigend sein, nur falls das irgendjemand noch nicht bewusst war) oder irgendwelche Psychotricks an ihnen auszuprobieren.
            Und noch eine letzte Bemerkung zum „Selbsthilfe“-Aspekt und dann ist dieser Rant auch zu Ende (versprochen): Bei PUAs geht es in der Tat nicht darum, Selbstbewusstsein aufzubauen oder zu lernen, wie man mit anderen Menschen kommuniziert, sondern immer nur darum, wie man vor „schönen Frauen“ selbstbewusst und authentisch erscheint, damit es mit der Anmache auch klappt. Natürlich darf man auch nicht zu „needy“ sein, dass vermasselt einem die Tour. Das die Frau sich belästigt fühl ist dabei egal, wichtig ist, dass Mann zum Abschuss kommt.
            Wie gesagt, PUAs, selbst die armen, schüchternen Nerds sind einfach Creeps. Denn auch ein schüchterner Nerd zu sein ist keine Freikarte für ein solches Verhalten ( und das sage ich als schüchterner Nerd).
            Mehr ist dazu nicht zu sagen.

          • Mina

            Danke! Ich hatte keine Nerven, das so differenziert zu beantworten, daher bin ich für deinen „Rant“ dankbar :)

    • atthegates

      Da muss ich einfach mal widersprechen: PUAs sind Arschlöcher. Warum?
      Ich denke dieser xkcd fasst es ganz gut zusammen:
      http://xkcd.com/1027/
      Weitere Belege? Einfach mal http://manboobz.com/ oder http://pua-txt.tumblr.com/ lesen.

  • Wox

    Jedes mal wenn ich so einen Femi Nazi Bullshit lese frage ich mich wo ihr die ganze zeit her nehmt euch über solche Lappalien Gedanken zu machen und dann noch zeit findet sowas zu bloggen…get a life? Get a Job? Maybe

    Vielleicht liegt es ja auch daran wie abwertend in dem Blogpost über Männer geschrieben wird das man entsprechende Kommentare, so wie diesen, erntet.

    Wald, rein rufen und so, u know?

    Ich lasse es mal mich über die unzähligen Sinn und logikbefreiten diskriminierenden Äußerungen in dem Post zu echauffieren.

    Aber der Punkt mit der Freundin seines Kumpels…ja DAS ist eine Frauen-Männer Sache.

    Aber bei der #aufschrei Debatte wenn da ein Mann eine Frau auf der Strasse anspricht (anders rum passiert sowas ja kaum wie sonst also in Kontakt kommen) DANN ist es natürlich meine Frauen-Männer Sache mehr sondern diskriminierender sexueller Übergriff. Merkta wat? Schön die Willkür wandern lassen.

    Und wenn eure Posts nicht immer provokativ geschrieben wäre so das es eigentlich immer Rants sind, sondern mal sachlich und ohne permanente Vorurteile, dann könnte man vielleicht auch mal gemeinsam diskutieren und nach einer PROBLEMLÖSUNG suchen.

    Aber das wird ja gar nicht erwünscht. Wichtig ist hier nur das bashen, das auskotzen, das diffamieren der Männer und die Stärkung des eigenen Egos. Um ernsthafte Problemlösung geht es beim Feminismus schon lange nicht mehr. Und genau das ist euer Problem warum euch niemand mehr ernst nimmt. Gut so Sachen wie die echauffierung über Pinke ü Eier oder Lila Lego tragen auch einen guten Anteil daran :D

    • Mina

      Jedes Mal, wenn ich so einen Troll-Bullshit lese, frage ich mich: wo nehmt ihr euch die ganze Zeit her, euch über solche Dinge aufzuregen und dann noch Hass-Kommentare zu posten… vielleicht mal einen Rechtschreibkurs belegen? Freunde finden? Ein Leben?

      Vielleicht liegt es ja auch daran, wie abwertend von Leuten wie dir, mit Frauen wie mir, umgegangen wird, dass ihr nicht einmal mehr bemerkt, was für Stirnrunzeln und Unverständnis ihr erntet.

      (Das Sprichtwort lautet: wie es in den Wald hinein ruft, so schallt es hinaus)

      Ich lasse es mal, mich über die unzähligen Rechtschreibfehler, Logikfehler, Sinnfehler und diskriminierenden Äußerungen mir gegenüber aufzuregen. Und Fremdwörter zu benutzen, die du dann nicht verstehst sondern nachschlagen musstest.

      Und wenn du einfach mal fünf Minuten nachdenken würdest, oder die anderen Posts hier lesen könntest, dann noch mal nachdenken würdest, könntest du vielleicht (!) merken, dass hier sachlich über ein Thema gesprochen wird, dass nichts an Sexismus willkürlich geschieht, und dass hier durchaus gemeinsam diskutiert wird und nach Lösungen gesucht wird.

      Aber Lösungen und Diskussionen sind ja gar nicht erwünscht. Wichtig ist nur das Hassen, das Femnazi-Geschreie, das Beharren auf eigenen Positionen und Vorurteilen, die Stärkung des eigenen kleinen Egos. Um ernsthafte Problemlösungen ging es Anti-Feministen noch nie. Und genau das ist euer Problem, warum euch nie jemand ernst nimmt oder je ernst genommen hat. Gut, so Sachen wie unlogische Kommentare, Rechtschreibfehler, unverständliche Ausdrucksweise und Beschimpfungen tragen sicher auch einen guten Anteil daran.

      Und jetzt: shhhhh

  • Honey Badger

    Ich lese gerade das Buch „Confessions of a Pickup artist chaser“ von Clarisse Thorn. Die Frau hat sich jahrelang mit der Pickup-Szene beschäftigt und aktiv den Kontakt gesucht, um dem Phänomen auf den Grund zu gehen. Ich bin noch beim Lesen, wie gesagt, aber das Buch scheint eine sehr ehrliche, teils auch persönliche und erfahrungsbezogene, aber auf jeden Fall faire und verständnisvolle Darstellung der Pickup-Szene zu sein.

    Ich kann auch das Blog von Clarisse Thorn empfehlen:

    http://clarissethorn.com/blog/2012/07/29/rapey-pickup-artists-analysis-of-a-field-report/

    Im Buch wird ganz gut dargestellt, wie sich die Szene zusammenstellt (also nicht nur aus Frauenhassern, sondern auch aus schüchternen Nerds, die auf diese Weise versuchen, Sozialverhalten zu verstehen), und aus vielen Zwischenstufen.

    In Amerika ist das Phänomen der Pickup Artists und ihrer Subkultur gut bekannt, hierzulande noch kaum außerhalb ihrer eigenen Reihen.

    Ich selbst bin im November darauf gestoßen, als ich ein gruseliges Werbevideo von einem gewissen Joshua Pellicer fand, der ein Pickup Artist ist und Seminare/Bücher anbietet. Er sagte in dem Video immer wieder (zu einem imaginären Kunden): „Ich möchte, dass du die immer neuen, schönen jungen Frauen bekommst, die du verdienst.“ Der Rest des Videos war mit einer gehörigen Portion Misogynie gewürzt.

    Seit ich dieses Video gesehen habe, versuche ich auf das Phänomen der Pickup Artists aufmerksam zu machen.

  • Hi, ich empfehle unbedingt zum Anhören das 2011 für den DLF produzierte Feature „Die Pickup-Artists. Mit Verführungskünstlern auf Jagd“. Kann man sich auf der Seite des Autoren anhören: ttp://christophspittler.blogspot.de/search/label/Radiofeatures

    Gibt (wie im Artikel auch) ne ähnlich gute, differenzierte Sicht auf die Beteiligten. (Im Grunde ist das ja wie bei Finanzdienstreligionen, Pyramidenspielen, Kaffeefahrten. Verachtenswertes Gewerbe, das die Limitationen oder Notlagen der „Kunden“ ausnutzt, die einer Masche auf den Leim gehen und denen diese Verachtung fürs Ganze dann nicht uneingeschränkt gelten sollte).

  • Manfred

    Die Frage die sich mir stellt: Ist jede rassistische Aussage automatisch eine Beleidigung?
    Sie ist zweifelsohne dumm, abzulehnen und ihr ist zu widersprechen. Aber handelt es sich um eine Ehrverletzung oder nicht eher um verbale Übergriffigkeit?
    Ich frage aus tatsächlichem Interesse als deutsch aussehender Mann, der Rassismus nicht am eigenen Leib erfährt.

    • Mina

      Es ist schwierig gewesen, die verbalisierte Abwertung – die auch durch Tonalität und Tonlage geschaffen wurde – in einem Schriftstück deutlich zu machen. Ja, für mich war das rassistisch. Es wurde unterstellt, dass man Menschen anhand ihrer Hautfarbe einer Gruppe zurodnen könne, und die vermeintliche Nicht-Zugehörigkeit der Gruppe wurde gleichzeitig verbal abgewertet. Ich habe dazu auch mal versucht all die kleinen täglichen Äußerungen aufzuschreiben, die man z.B. auf Grund von Namen oder Aussehen erlebt: http://frau-dingens.de/?p=1496

  • Ich muss sagen, dass ich die Diskussionsrunde bei Maischberger sehr angenehm fand. Ich kann zwar immer nicht diese ganzen „Aber Männer doch auch“-Argumente nachvollziehen (als würde das den Sexismus gegenüber Frauen irgendwie rechtfertigen oder „besser machen“), aber insgesamt war es eine interessante und respektvolle Runde.
    Umso tragischer, was da für Kerle offensichtlich vor der Show dort herumgegeistert sind. Wie fantastisch diese Pick up – Methode (hab ich vorher noch nie gehört) funktioniert, habt ihr ja gut bewiesen. Beschimpfen und dann angraben? Verrückt…

  • Pingback: Die diskriminierenden Klogriffe des @ZDF | Drop the thought()